Israel - Niederschlag

100849 | Seite 127 | Abb. 5 | Maßstab 1 : 6.000.000
Israel | Niederschlag |  | Karte 127/5

Überblick

Die Landesfläche Israels entspricht etwa derjenigen von Hessen. Trotz seiner geringen Größe umfasst das Land drei Klimazonen. Die Küstenebene um Tel Aviv zeichnet sich durch feuchtheiße Sommer und milde, regenreiche Winter aus; typisch für das Bergland sind warme, trockene Sommer und kalte Winter; in der Wüste (z.B. Negev) sind die Sommer heiß und trocken, die Winter mild. Nur etwa 20 Prozent der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt.

Landwirtschaftliche Nutzung

Die von tiefgründigen Schwemmböden eingenommene Küstenebene ist aufgrund ausreichender Niederschläge und zusätzlicher Wasserversorgung durch die Jordan-Negev-Leitung der am dichtesten besiedelte und agrarisch am intensivsten genutzte Teilraum Israels. Der Anbau konzentriert sich in erster Linie auf Zitrusfrüchte für den Export sowie auf Feldfrüchte, andere Obstarten und Wein. Durch den Weizenanbau werden rund 25 Prozent des Eigenbedarfs gedeckt.

Im östlich angrenzenden, überwiegend von Palästinensern besiedelten Bergland von Galiläa, Samaria und Judäa beschränkt sich der Anbau auf die Tallagen und die terrassierten, weniger steilen Hänge. Hier werden vornehmlich Oliven angebaut, weite Teile sind Weide- oder Ödland.

Das siedlungs- und niederschlagsarme Gebiet des nördlichen Jordangrabens wird insbesondere dort landwirtschaftlich genutzt, wo der Jordan und seine Nebenflüsse Bewässerungsmöglichkeiten bieten. Im südlichen Jordantal und an den Ufern des Toten Meeres kann nur in Quell- oder Grundwasseroasen wie Jericho oder En Gedi eine punktuelle Landnutzung erfolgen. In den nordwestlichen Bereichen der Negevwüste wird dagegen intensiv Landwirtschaft betrieben; ermöglicht durch durchschnittliche Niederschläge von 250 bis 400 Millimetern und die zusätzliche Heranführung von Wasser aus dem Norden; angebaut werden vor allem Feldfrüchte und Obst.

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Weitere Wirtschaftszweige

Israel hat seit der Staatsgründung 1948 eine rasante wirtschaftliche Entwicklung durchgemacht, durch die aus einem agrarisch geprägten Land mit sozialistischen Produktionsansätzen (Kibbuzwirtschaft) ein marktwirtschaftlich diversifiziertes Hightech-Industrieland wurde. Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise nach 2008 hat das Land besser und schneller überwunden als viele andere Industrienationen. Die wichtigsten Partner seiner global ausgerichteten, exportorientierten Wirtschaft sind Europa, die USA und China.

Israel ist generell arm an Rohstoffen. Die Phosphate und Salze im Zentralnegev und am Südufer des Toten Meeres dienen als Basis einer dort ansässigen chemischen Industrie, die unter anderem Dünger, Pflanzenschutzmittel und pharmazeutische Produkte erzeugt.

Israels Industrie ist aufgrund des großen Potenzials an gut ausgebildeten Arbeitskräften auf die Fertigung hochwertiger technischer, insbesondere elektronischer Geräte ausgerichtet, die teilweise in der Atomtechnik und in der eigenen Rüstungsindustrie – unter anderem beim Flugzeug- und Raketenbau – Verwendung finden. Die Ansiedlung der Atomindustrie im nördlichen Teil der Negevwüste hat vor allem militärisch-strategische Gründe. Eine Spezialität ist die Verarbeitung von Edelsteinen und Rohdiamanten, die geschliffen und verarbeitet werden (Exportanteil 32 %).

In der Hafenstadt Haifa und im Großraum Tel Aviv hat sich eine hoch spezialisierte und breit gefächerte Verarbeitungsindustrie angesiedelt, hier liegen auch die Zentren des Dienstleistungssektors (mit Ausnahme von Verwaltungsstandorten im Raum Jerusalem). Güter der Schwerindustrie werden im Raum Haifa produziert. Bei den weiteren Industriestandorten dominiert die Textilindustrie mit zahlreichen Standorten auch in kleineren Städten.

Die Energieversorgung ist auf die Einfuhr von Rohöl angewiesen, das teils per Tanker in die Mittelmeerhäfen gelangt, teils mithilfe einer Ölleitung vom Hafen Elat am Roten Meer nach Ashdod und weiter nach Haifa gepumpt wird. Israel verfügt allerdings auch über eigene Gasvorkommen im Mittelmeer, die derzeit erschlossen werden. Das Gasfeld Tamar, etwa 80 Kilometer entfernt vor der Küste Haifas liegend, hat ein geschätztes Volumen von gut 220 Mrd. Kubikmetern und liefert seit 2013 Erdgas. Noch erheblich größer ist das Gasfeld „Leviathan“, das seit 2015 erschlossen wird. Überdies wurden jüngst zwei weitere Gasfelder entdeckt.

Von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist der Tourismus, der dem Land zuletzt Jahreseinnahmen von mehr als 6,2 Mrd. US-Dollar (Stand 2012) bescherte. Schwerpunkte des Tourismus sind Pilgerreisen zu den biblischen Stätten, Ferienreisen an die Mittelmeerküste und nach Elat am Roten Meer – wo es auch im Winter eine Badesaison gibt – und Kuraufenthalte in den Heilbädern am Toten Meer. Die temporär immer wieder aufflackernden Unruhen im Land sind für diesen Wirtschaftszweig eine stetige Bedrohung, dennoch konnte die Branche seit 2005 ein kontinuierliches Wachstum verzeichnen.

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Anbau in der Wüste Negev

Aufgrund der chronischen Wasserknappheit wurden in Israel bedeutende Summen in die Entwicklung innovativer Bewässerungsmethoden gesteckt.

Das Land bezieht mittlerweile rund 70 Prozent seines Trinkwassers aus Meerwasserentsalzungsanlagen. In der Tröpfchenbewässerung zur Optimierung der Wassernutzung im landwirtschaftlichen Anbau ist Israel weltweit führend. Der teilweise genossenschaftlich organisierte Agrarsektor verfügt nicht nur über modernste Anlagen, er nimmt auch in den Bereichen Marketing, Transport und Lagerung eine Spitzenstellung ein.

Seit der israelischen Staatsgründung 1948 konnte die landwirtschaftliche Nutzfläche von etwa 165 000 Hektar auf über 450 000 Hektar fast verdreifacht werden. Gründe dafür waren die Entsumpfung weiter Bereiche der Küstenebene und einiger innerer Täler wie Jesreel oder Huleh, vor allem aber das Vorschieben der Anbaugrenze über die agronomische Trockengrenze (250 mm-Isohyete des Jahresniederschlags) hinaus, ermöglicht mithilfe der Jordan-Negev-Wasserleitung. Dank dieser Entwicklung der landwirtschaftlichen Ressourcen ist das Land trotz seiner geringen Größe von Lebensmittelimporten weitgehend unabhängig, lediglich Getreide und Rindfleisch werden in größeren Mengen importiert.

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