Inntal - alpine Vorlandvergletscherung

Deutschland - Geologie/Eiszeitformen

978-3-14-100700-8 | Seite 49 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 500.000
Inntal | alpine Vorlandvergletscherung | Deutschland - Geologie/Eiszeitformen | Karte 49/3

Informationen

Gegen Ende des Tertiärs kühlte sich das Klima deutlich ab. In den Alpen breiteten sich im Verlaufe mehrerer Eiszeiten, die jeweils von Warmzeiten unterbrochen wurden, die Gletscher aus (Abb. 3). Ihr Eis drang in einer Mächtigkeit von über 1000 Metern aus dem Inntal; der dortige Gletscherschliff zeugt noch heute von ihrer Erosionskraft. Im Alpenvorland unterscheidet man aufgrund der Anordnung der Moränenzüge und der Abfolge der Schotterfluren und Flussterrassen vier jeweils nach Alpenflüssen benannte Kaltzeiten: die Günz-, Mindel-, Riß- und Würmeiszeit. In verhältnismäßig kurzer Zeit überformten die Gletscher während dieser Kälteperioden die Oberfläche der Molasse am Fuße der Alpen grundlegend.
Die letzte alpine Vereisung ereignete sich in der Würmeiszeit, die vor etwa 10 000 Jahren endete und deren geologischen Spuren sich am besten erhalten haben, weil auf sie keine weitere Eiszeit mehr folgte. Vom Vorstoß des sogenannten Kirchseeoner Stadiums bis zum Zusammenbruch des Vorlandgletschers vergingen nur etwa 10 000 Jahre. Der Hauptvorstoß selbst erfolgte noch in geschlossener Front. Der nächste Vorstoß (Ebersberger Stadium) war bereits schwächer, der letzte (Ölkofener Stadium) füllte kaum noch die Zweigbecken aus.
Durch die Vorstöße der Eismassen bildeten sich verschiedene Landschaftselemente, die sich, wie in der Karte zu erkennen, bis heute erhalten haben:
Im Norden lagert, inselhaft erhalten, die Altmoräne. Die Sedimente an der Stirnseite der rißzeitlichen Gletscher wurden in der Würmeiszeit weitgehend eingeebnet und mit Löss überdeckt. Im Nordwesten wurde in der Würmeiszeit durch die abfließenden Schmelzwässer die Münchener Schotterebene aufgeschüttet. Deutlich lässt der dreifache Endmoränenwall der Würmeiszeit die Ausbreitung der Gletscherzungen der letzten Eiszeit erkennen. Zentrifugale und im Falle des Ölkofener Stadiums auch periphere Entwässerungsrinnen zeigen die Richtung der Entwässerung des abschmelzenden Gletschers. Dank der hohen Eisstirn des Kirchseeoner Stadiums konnte das Schmelzwasser zentrifugal abfließen ("Trompetentälchen"). Die Schmelzwässer des Ölkofener Stadiums suchten sich ihren Weg entlang der Moränen (z. B. "Leitzach-Gars-Talzug" als periphere Entwässerungsrinne). Mit dem Freiwerden der Zungenbecken schwenkten die Abflüsse zum Inneren der Becken um (zentripetale Richtung; z. B. Glonn, Attel, Murn).
Die Grundmoräne zeigt ein überaus unruhiges und kuppiges Relief. Die zahlreichen Drumlins der Grundmoränenlandschaft verstärken diesen Eindruck. Als Zungenbeckensee ist der Chiemsee entstanden. Nordwestlich des Chiemsees, bei Eggstädt, wurde bewegungsloses Eis von Schotter umlagert. Nach dem Abschmelzen dieses sogenannten Toteises blieben Hohlformen mit gelappten Rändern zurück, die sich heute zum Teil als Seen erhalten haben. Im Rosenheimer Becken bildete sich ein See, der fjordartig bis weit in die Alpen hineinreichte. Im Gegensatz zum Chiemsee, in den nur kleinere Flüsse mündeten, wurde der Rosenheimer See durch den Inn mittlerweile vollständig verfüllt. Die zahlreichen Moore verweisen gleichfalls auf die Verlandung ehemaliger Gewässer. Als wertvolle Biotope werden sie heute immer seltener zum Torfabbau genutzt.
J. Gareis

Graphiken

Bild

Moränen um den Gardasee

Vom Gletscher transportiertes und abgelagertes Gesteinsmaterial, unsortiert und ungeschichtet.
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