Industrieentwicklung 1980 / 2005

Wirtschaftsraum Region Stuttgart

100750 | Seite 33 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 900.000
Industrieentwicklung 1980 / 2005 |  | Wirtschaftsraum Region Stuttgart | Karte 33/1

Überblick


In der Nachkriegszeit entstanden viele neue Unternehmensstandorte in der Region Stuttgart. Ab Mitte der 1950er Jahre kam es aufgrund von Flächenmangel zunehmend zu einer räumlichen Verlagerung von Unternehmen.

Technik als Motor für die Region
Bereits Mitte der 1960er Jahre gab es in der Region rund 200 Zweigwerke von Unternehmen. Gleichzeitig veränderte sich die Spezialisierung der einzelnen Firmen. Viele orientierten sich in ihrem Angebot und Tätigkeitsfeld an der boomenden Automobilindustrie.
In Stuttgart hatten die beiden großen Unternehmen Daimler-Benz und Porsche ihren Sitz, was eine Reihe von Firmen aus unterschiedlichen Bereichen anlockte. Bis heute bildet die Automobilindustrie, gemeinsam mit den Bereichen Maschinenbau, Metallindustrie und Elektrotechnik, das wirtschaftliche Rückgrat der Region.
Die Leder-, Textil- und Bekleidungsindustrie verlor dagegen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts schrittweise an Bedeutung. Im Jahr 1980 entfielen 17,5 Prozent der Industriebeschäftigten auf den Maschinenbau, 16,4 Prozent auf die elektrotechnische Industrie und 14,1 Prozent auf den Fahrzeugbau. Der Anteil der Leder-, Textil- und Bekleidungsbranche war bereits auf 9,1 Prozent gefallen.

Die Region Stuttgart im Jahr 2005
Die Industriestandorte haben sich verringert. Die Beschäftigtenzahlen in der industriellen Produktion sind zwischen 1995 und 2005 stark zurückgegangen. Etwa 40 000 Menschen verloren ihre Arbeit.
Trotz Krisen haben sich neben den Großbetrieben auch viele kleine und mittlere Betriebe in der Region als ausgesprochen wettbewerbsfähig erwiesen. Das produzierende Gewerbe umfasst jedoch lediglich noch 40 Prozent der Beschäftigten. Der größte Teil ist mittlerweile im Dienstleistungsbereich eingestellt.
Was die Branchenverteilung innerhalb des produzierenden Sektors angeht, so lag der Maschinenbau im Jahr 2005 mit 22,1 Prozent an der Spitze der Beschäftigtenzahlen, gefolgt vom Fahrzeugbau mit 19,5 Prozent. Im Bereich der Elektrotechnik einschließlich der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik rund 13 Prozent der Industriebeschäftigten tätig. Auf das traditionsreiche Textilgewerbe entfielen nur noch 1,4 Prozent.

R. Grotz, J. Seibel

Info Plus

Die industrielle Entwicklung Württembergs stand zu Beginn des Industriezeitalters unter folgenden Vorzeichen: Es gab kaum eigene Rohstoffe, wenig Energie und keine bedeutenden Wasserwege. Güter aus der Land- und Forstwirtschaft, etwas eigenes Eisen, Rohstoffeinfuhren und der Ausbau der Wasserkraft bildeten die schmale Basis für die Entstehung einer ersten Industrie.

Wirtschaftsentwicklung bis 1980
In der Nachkriegszeit kam es nicht nur zu einer weiteren Verdichtung des bestehenden Musters, es entstanden auch viele neue Standorte vor allem im Nordwesten, Westen und Süden von Stuttgart. Die Nachfrage nach Industriegütern in der Zeit des Wiederaufbaus und die Bildung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft 1958 gaben dem Wirtschaftsraum tragfähige Wachstumsimpulse. Durch die rasche Expansion machte sich in Stuttgart, aber auch in Esslingen, Ludwigsburg, Göppingen und in anderen Städten zunehmend Flächenmangel bemerkbar. Dies führte ab 1955 verstärkt zu Teil- und Totalverlagerungen von Unternehmen. Dabei spielten sich etwa drei Viertel der Verlagerungen innerhalb eines Radius von 25 Kilometern ab. Durch diese Vorgänge bildete sich eine Vielzahl kleinerer Industriestandorte um die größeren. Bereits um die Mitte der 1960er-Jahre gab es in der Region rund 200 Zweigwerke Stuttgarter Unternehmen, die etwa 50 000 Arbeitnehmer beschäftigten, weitere 40 000 Arbeitsplätze gingen auf Totalverlagerungen aus Stuttgart zurück.
Gleichzeitig vollzog sich ein Wandel in der Branchenstruktur. Eine wichtige Rolle spielte dabei die boomende Automobilindustrie mit den beiden in Stuttgart ansässigen Firmen Daimler-Benz und Porsche, die eine Vielzahl anderer Branchen nach sich zog. Sie bildet bis heute mit Maschinenbau und Elektrotechnik das wirtschaftliche Rückgrat der Region. Die Leder-, Textil- und Bekleidungsindustrie verlor dagegen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sukzessive an Bedeutung. 1980 entfielen 17,5 Prozent der Industriebeschäftigten auf den Maschinenbau, 16,4 Prozent auf die elektrotechnische Industrie und 14,1 Prozent auf den Fahrzeugbau, während der Anteil der Leder-, Textil- und Bekleidungsbranche bereits auf 9,1 Prozent gefallen war.

Die Region Stuttgart heute
Trotz verschiedener Krisen erwiesen sich neben den Großbetrieben auch viele kleine und mittlere Unternehmen der Region als ausgesprochen wettbewerbsfähig. Im Kartenbild lassen sich dennoch strukturelle und teils tiefgreifende Umbrüche erkennen — sowohl am allgemeinen Rückgang der Beschäftigtenzahlen im produzierenden Gewerbe, das heute nur noch knapp 40 Prozent der Beschäftigten umfasst, während rund 60 Prozent in der Dienstleistungsbranche tätig sind, als auch an der Reduzierung der Zahl der Industriestandorte. Das ökonomische Zentrum der Region ist nach wie vor die baden-württembergische Landeshauptstadt.
Durch Firmenkonzentration und Rationalisierungsprozesse ist die Zahl der Betriebe im produzierenden Gewerbe — und damit die der Industriebeschäftigten — in der Region kontinuierlich gesunken: Allein in den Jahren zwischen 1995 und 2005 gingen dem Stuttgarter Raum mehr als 40 000 Arbeitsplätze verloren. Im gleichen Zeitraum stieg der Gesamtumsatz im verarbeitenden Gewerbe von jährlich 56 Mrd. Euro auf mehr als 82 Mrd. Euro, wobei die Zugewinne nahezu vollständig aus den stark verbesserten Auslandsumsätzen resultierten. Hinsichtlich der Verteilung nach Wirtschaftszweigen lag der Maschinenbau 2005 mit 22,1 Prozent nach wie vor an der Spitze, gefolgt vom Fahrzeugbau mit 19,5 Prozent. Im Bereich der Elektrotechnik einschließlich der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik waren 2005 rund 13 Prozent der Industriebeschäftigten tätig. Auf das traditionsreiche Textilgewerbe entfielen nur noch 1,4 Prozent.
R. Grotz