Hurrikan Katrina - 27.-29.8.2005

Vereinigte Staaten von Amerika (USA)/Kanada – physisch

978-3-14-100782-4 | Seite 149 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 36.000.000
Hurrikan Katrina | 27.-29.8.2005 | Vereinigte Staaten von Amerika (USA)/Kanada – physisch | Karte 149/2

Überblick


Der Hurrikan Katrina entwickelte sich am 23. August 2005 über den Bahamas. Am 25. August erreichte er mit mittleren Windgeschwindigkeiten bis 130 km/h die Südspitze Floridas, bevor er schließlich im Golf von Mexiko durch das rund 30 °C warme Wasser erneut viel Energie gewann und an Stärke zunahm.
Am 27. August hatte „Katrina“ schon Windgeschwindigkeiten von bis zu 185 km/h und drehte nach Nordwesten ab. Nur einen Tag später erreichte der Hurrikan nach erneuter Verstärkung schließlich mittlere Windgeschwindigkeiten bis zu 280 km/h und traf am 29. August auf die Südküste der USA.

Ein Wirbelsturm entwickelt sich
Jedes Jahr entstehen weltweit etwa 30 bis 100 tropische Wirbelstürme. Sie kommen vor allem zwischen Juni und November in den Tropen und Subtropen zustande und können sich nur über Meeren mit Wassertemperaturen von mindestens 26 bis 28 °C entwickeln. Die feuchtwarmen Luftmassen steigen im Einflussbereich der Innertropischen Konvergenzzone (ITC) auf und bilden mächtige Wolkentürme, so genannte Cloud Clusters.
Die feuchte Luft kondensiert beim Aufstieg. Die dadurch frei werdende Energie verleiht der Luft mehr Auftrieb. Die ablenkende Corioliskraft sorgt dann für die charakteristische Wirbelbildung.

Im Uhrzeigersinn nach Norden
Tropische Wirbelstürme können einen Durchmesser von mehreren hundert Kilometern haben. Die Winde zirkulieren entgegengesetzt zum Uhrzeigersinn um das Zentrum des Hurrikans.
Die Windgeschwindigkeiten können dabei Werte von zum Teil mehr als 300 km/h erreichen. Der Kern des Wirbelsturms, das "Auge", ist hingegen fast windstill und wolkenfrei.
Die karibischen Wirbelstürme wie Hurrikan „Katrina“ wandern meist im Uhrzeigersinn nach Norden. Dabei verlieren sie durch die sinkenden Wassertemperaturen an Energie und schwächen ab. Dies gilt besonders, wenn sie das Festland erreichen.
Dennoch können sie an Land immernoch große Verwüstungen anrichten. Ihre hohen Windgeschwindigkeiten und Niederschlagsmengen reichen dazu aus. Ein tropischer Wirbelsturm kann eine Lebensdauer von bis zu einer Woche haben.

A. Siegmund, D. Volz, P. Frankenberg, J. Seibel

Info Plus

Die drei Karten zeigen die Entwicklung und die Zugbahn des Hurrikans "Katrina" an drei aufeinanderfolgenden Tagen vom 27. bis 29. August 2005. Der Hurrikan entwickelte sich am 23. August 2005 aus einem Tiefdruckwirbel über den Bahamas. Am 25. August erreichte er mit mittleren Windgeschwindigkeiten bis 130 km/h und einem Kerndruck von 984 hPa die Südspitze Floridas. Über Land schwächte sich der Wirbelsturm etwas ab und drehte nach Südwesten ein. Katrina zog anschließend über den Golf von Mexiko, wo er durch das rund 30 °C warme Wasser erneut viel Energie gewann und rasch an Stärke zunahm. Am 27. August erreichte der Hurrikan mit mittleren Windgeschwindigkeiten von bis zu 185 km/h und einem Kerndruck von 942 hPa die Kategorie 3 der Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala und damit den Status eines "Major Hurricane". Dabei drehte er mehr nach Nordwesten ein. Am 28. August erreichte Katrina nach erneuter Verstärkung schließlich die höchste Kategorie 5. Der Kerndruck fiel dabei bis auf 909 hPa bei mittleren Windgeschwindigkeiten bis 280 km/h. Am 29. August drehte der Hurrikan weiter nach Norden ein und traf auf die Südküste der USA. Beim Erreichen von New Orleans (Louisiana) hatte sich Katrina wieder auf Kategorie 3 abgeschwächt. Über Land verlor der Hurrikan rasch an Energie, sodass er sich über dem US-Bundesstaat Mississippi zum einem tropischen Sturm entwickelte.

Zur Entstehung tropischer Wirbelstürme
Jedes Jahr gibt es weltweit etwa 30 bis 100 tropische Wirbelstürme. Sie werden in der Karibik als Hurrikane, im indonesischen Raum als Taifune und im Bereich von Australien als Willy Willies bezeichnet. Hurrikane entstehen vor allem zwischen Juni und November.
Tropische Wirbelstürme können sich nur über Meeren mit Wassertemperaturen von mindestens 26 bis 28 °C entwickeln. Die über diesen Wasserflächen lagernden feuchtwarmen und damit labilen Luftmassen steigen im Einflussbereich der Innertropischen Konvergenzzone (ITC) auf und bilden mächtige Wolkentürme, sogenannte Cloud Clusters. Gealterte Kaltluftmassen, die von Norden her über die warmen tropischen Meeresflächen vorstoßen, können diesen Prozess verstärken. Die bei der Kondensation der aufsteigenden Luftpakete frei werdende Energie verleiht der Luft einen zusätzlichen Auftrieb und stellt die eigentliche Antriebsquelle der charakteristischen Wirbelbildung dar.
Erst die einsetzende Drehbewegung der Luftmassen lässt einen tropischen Wirbelsturm entstehen. Easterly Waves, kleine Tiefdruckwirbel, die sich unter der östlichen tropischen Höhenströmung des African Easterly Jet bilden, versetzen hierbei die aufsteigenden Wolkenmassen in eine Zirkulationsbewegung. Die Corioliskraft hält diesen Prozess aufrecht. Da diese ablenkende Kraft durch die Erdrotation erst ab etwa dem sechsten bis achten Breitengrad polwärts groß genug ist, um eine Wirbelbildung zu initiieren, erstreckt sich beiderseits des Äquators eine wirbelsturmfreie Zone.

Windzirkulation und Wanderung
Tropische Wirbelstürme können einen Durchmesser von mehreren hundert Kilometern aufweisen. Die Winde zirkulieren entgegengesetzt zum Uhrzeigersinn um das Zentrum des Hurrikans und transportieren auf seiner Ostseite feuchtwarme tropische Luftmassen nach Norden. Auf seiner Westseite wird Kaltluft nach Süden verfrachtet.
Die Isobaren liegen zum Zentrum des Hurrikans hin immer dichter. Durch das starke Druckgefälle treten sehr hohe Windgeschwindigkeiten von teilweise mehr als 300 km/h auf. In einer etwa 10 bis 30 Kilometer breiten Zone im Kern des Wirbelsturms, dem "Auge des Orkans", herrscht hingegen fast Windstille. Durch absteigende Luftmassen ist dieser Bereich weitgehend wolkenfrei. Rings um das "Auge" werden die Luftmassen teilweise bis in die Stratosphäre emporgerissen. Dabei bilden sich mächtige Wolkentürme (Cumulonimbus), sogenannte Hot Towers, aus denen sintflutartige Niederschläge und Gewitter niedergehen.
Die karibischen Hurrikane wandern meist an der Westflanke des Nordatlantischen Subtropenhochs im Uhrzeigersinn nach Norden. Durch die sinkenden Wassertemperaturen schwächen sich die Wirbelstürme dabei ab. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie das Festland erreichen. Dennoch richten sie dort erhebliche Verwüstungen an. Oft erreichen gealterte und — unter weiterer Abschwächung — in die Westwinddrift eingelagerte Hurrikane als Orkan- oder Sturmtiefs Europa.
A. Siegmund, D. Volz, P. Frankenberg