Huang He - Erosion/Ablagerung

China

978-3-14-100700-8 | Seite 172 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 9.000.000
Huang He | Erosion/Ablagerung | China | Karte 172/3

Informationen

Der Huang He (Gelber Fluss) ist mit rund 4850 Kilometern der zweitlängste Strom Chinas. Wegen seiner häufigen Laufverlegungen in der Vergangenheit hat er auch den Beinamen "Kummer Chinas" erhalten.

Wasserführung und Schwebfracht
Im Oberlauf hat der Huang He den Charakter eines tief eingeschnittenen Gebirgsflusses mit zahlreichen Stromengen und Stromschnellen. Unterhalb von Lanzhou kann seine Breite schon mehr als einen Kilometer erreichen; enge und flache Talabschnitte wechseln einander ab. Etwa 150 Kilometer westlich der Stadt Zhengzhou tritt der Gelbe Fluss in die Große Ebene ein und verbreitert erneut sein Bett. Infolge der abnehmenden Strömungsgeschwindigkeit setzt sich die immense Schwebfracht ab und erhöht das Flussbett zwischen den Deichen.
Wie aus dem Abflussdiagramm im Atlas zu entnehmen ist, beträgt die Schwebfracht während der Hochwasserperiode knapp 30 Mio. Tonnen pro Tag. Diese gewaltigen Mengen von Spül- und Schwemmstoffen werden dem Fluss durch Erosions- und Abtragungsvorgänge in den Lössgebieten zugeführt, die er in seinem Mittellauf durchquert. Nur ein Drittel der verfrachteten Schwebmassen gelangt ins Meer.
Abfluss und Schwebstoffführung haben — bedingt durch das Monsunklima — ihr Maximum im Sommer. Durch die gewachsene Entnahme von Wasser für Bewässerung, Industrie und Bevölkerung gibt es inzwischen Monate, in denen gar kein Wasser mehr die Mündung des Flusses erreicht (s. gestrichelte Flusssignatur unterhalb von Jinan). Ein Süd-Nord-Wasser-Transfer vom Jangtsekiang zum Huang He und weiter nach Norden wurde schon von Mao vorgeschlagen. In der Karte dargestellt ist die zentrale, vom Drei-Schluchten-Stausee ausgehende und über den Danjiangkou-Stausee am unteren Kartenrand führende Trasse. 2010 soll die erste Bauphase dieses Fernwasserkanals nach Peking beendet sein.

Dammbauten und Hochwasserschutz am Unterlauf
Über Jahrtausende hinweg versuchte die Bevölkerung am Unterlauf, sich durch Dammbauten zu schützen. Jedoch setzten sich zwischen den Deichen gewaltige Schlammmassen ab, sodass sich das Flussbett ständig gegenüber der Umgebung erhöhte. In den letzten Jahrzehnten wurden Erhöhungen des Hauptbettes von jährlich 10 bis 20 Zentimetern gemessen. An einigen Stellen liegt die Sohle des Flussbettes fast zehn Meter über der Tiefebene beiderseits der Uferdämme. Der Fluss kann deshalb keine Nebenflüsse aufnehmen, die Deiche fungieren im Gegenteil als Wasserscheide für eigentlich tributäre Nebenflüsse. Auch das gesamte Entwässerungssystem kann nicht auf den Hauptfluss als Vorfluter ausgerichtet werden.
Besonders bedrohlich waren über Jahrtausende die Überschwemmungen des Huang He. Soweit Aufzeichnungen vorliegen, wurden vor 1949 insgesamt 1593 Überschwemmungen registriert. 26-mal verlegte der Fluss seinen Lauf.
Seit der Gründung der VR China sind gewaltige Anstrengungen unternommen worden, die Hochwassergefahr des Huang He zu mindern. Insbesondere seit 1955 wurden vielseitige Regulierungsmaßnahmen umgesetzt, in der Anfangsphase unter Einsatz von Hunderttausenden von Arbeiterinnen und Arbeitern, die mit einfachstem Gerät hunderte Kilometer Deiche bauten. Daneben wurden zahlreiche Flut- und Rückhaltebecken gebaut. Sie dienen einem ausgeglicheneren Abflussgang, denn die Flutbecken nehmen insbesondere während der Abflussspitzen Wasser auf. In den Becken setzen sich Sedimente ab, die auf die Felder gebracht oder zur Verstärkung der Deichbauten verwendet werden.
Die zahlreichen Staudämme sollen in erster Linie den Jahresgang des Wassers ausgleichen und in zweiter Linie Elektrizität erzeugen.
W. Hassenpflug, W. Taubmann

Graphiken

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Exogene Tatigkeit des Windes

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Relativer Bodenabtrag in Abhängigkeit vom Bedeckungsgrad

Mit Hilfe einer Reihe von Maßnahmen kann der Bodenabtrag durch erosive Prozesse verringert werden.
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Vergleich des Ausmaßes der Bodenerosion während des 19. und 20. Jh. In vier Untersuchungsräumen

Eine Steigerung der Erosion ist in verschiedenen Regionen der Erde zu beobachten. Konstante Erosionsraten steigen plötzlich an und bleiben auf einem konstant hohen Niveau.
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Zusammenhang zwischen Erosion, Vegetation und Niederschlagsmenge

Vegetationsdichte, Pflanzenhöhe, Pflanzenform, Wurzelmasse und Durchwurzelungstiefe sind Faktoren, durch die Erosion beeinflusst wird.
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Google Maps

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