Hongkong (Xianggang) - Sonderverwaltungsgebiet

Ostasien (China) – Wirtschaft

978-3-14-100782-4 | Seite 119 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 500.000
Hongkong (Xianggang) | Sonderverwaltungsgebiet | Ostasien (China) – Wirtschaft | Karte 119/2

Informationen

Im Jahre 1839 mussten sich die britischen Kaufleute aus Kanton, an dessen Rand lange Zeit die einzige internationale Handelsniederlassung in China lag, zurückziehen, weil sie illegal mit Opium gehandelt hatten. Mit Unterstützung weniger britischer Seestreitkräfte wurde China im Ersten Opiumkrieg von 1839 bis 1842 gezwungen, die Insel Hongkong an Großbritannien abzutreten. Nachdem 1860 auch noch die Halbinsel Kowloon hinzugekommen war, pachtete Großbritannien die sogenannten New Territories zum 1. Juli 1898 für insgesamt 99 Jahre; der Pachtvertrag lief am 30. Juni 1997 aus. Einen Tag später fiel die einstige Kronkolonie Hongkong mit ihren knapp 7 Mio. Einwohnern (1999) und einer Fläche von 1076 km² zum 1. Juli 1997 an die Volksrepublik China. Bereits 1984 hatten sich die VR China und Großbritannien im Rahmen einer "Gemeinsamen Erklärung" darauf geeinigt, dass Hongkong als "Sonderverwaltungszone" unter dem Stichwort "ein Land, zwei Systeme" für weitere 50 Jahre einige Sonderrechte in Anspruch nehmen dürfe, darunter demokratische Grundrechte, eine eigene Währung und die internationale Vertragsfähigkeit unter dem Namen "Hongkong-China"; allerdings ausschließlich der Außen- und Sicherheitspolitik.

Entwicklung als Kronkolonie
Hongkong, zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch ein kleines Fischerdorf, hatte sich in der zweiten Hälfte dieses Säkulums zu einem der wichtigsten Handelsplätze in Fernost entwickelte. Noch bis zum Zweiten Weltkrieg diente die Stadt als Stützpunkt für den Ostasienhandel und als Durchgangs- und Zielland für chinesische Wanderungsströme. Der große, geschützt liegende und über zwölf Meter tiefe Reedehafen und der Status eines Freihafens begünstigten die Entwicklung der Stadt. Die Bevölkerung stieg von 33 000 im Jahre 1851 auf 1,6 Mio. Menschen am Vorabend des Zweiten Weltkriegs an.
Nach 1945 entwickelte sich Hongkong zu einer äußerst bedeutenden Industriekolonie. Den Anfang machten Textilien und Plastikartikel, vor allem Spielzeug, bald kamen auch Elektrogeräte, Uhren und Elektronikartikel hinzu. Hongkong spezialisierte sich auf die billige und arbeitsintensive Massenproduktion für den Weltmarkt. Anfang der 1980er-Jahre war die Kronkolonie einer der größten Exporteure für Spielwaren, Wäsche, Textilien und Uhren weltweit. Angesichts der enorm anwachsenden Bevölkerung bekam die VR China als Lieferant von Rohstoffen, Nahrungsmitteln und Wasser eine immer größere Bedeutung. Dadurch etablierten sich zahlreiche chinesischen Geschäfte und Warenhäuser, die ihre Güter sowohl an die Hongkonger Binnenbevölkerung als auch an die große Anzahl ausländischer Touristen absetzten. Der Geschäfts- und Shopping-Tourismus blieb auch nach 1997 von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Rund 23,4 Mio. Ankünfte im Jahre 2005 bescherten der Sonderverwaltungszone Einnahmen in Höhe von umgerechnet 10,8 Mrd. Euro.
Begünstigt wurde der wirtschaftliche Aufschwung Hongkongs nach 1978 durch den politischen Wandel und die Öffnung Chinas. Die wirtschaftliche Vermittlungs- und Hafenfunktion der Kronkolonie für die Volksrepublik nahm dadurch erheblich zu. Große Teile der arbeitsintensiven verarbeitenden Industrie wurden nach China, vor allem in die angrenzende Sonderwirtschaftszone Shenzhen und die benachbarte Provinz Guangdong verlagert. 1994 gab es außerhalb von Hongkong etwa 50 000 Betriebe mit über 5 Mio. Beschäftigten. Mehr als 90 Prozent der Koffer, Reisetaschen, Sportartikel und Spielwaren und mehr als 60 Prozent aller Textilien "made in Hongkong" kamen zu dieser Zeit in Wirklichkeit aus China. Umgekehrt kamen etwa 80 Prozent aller Auslandsinvestitionen in Guangdong aus Hongkong.

Nach der Rückgabe an China
Die allgemeine Unsicherheit über die möglichen Konsequenzen der Rückgabe Hongkongs an China sorgte zunächst für einen wirtschaftlichen Einbruch. Mehrere große Firmen verlagerten ihren Geschäftssitz ins Ausland, während sich zeitgleich mehrere wohlhabende Einwohner Hongkongs um Zugangsrechte zu anderen Staaten, besonders Kanada und Australien, bemühten. Mehrere Zehntausend hochqualifizierte Bewohner wanderten in den 1990er-Jahren ab. Weil sich die Rückgabe an China überdies genau mit dem Beginn einer allgemeinen Wirtschafts- und Finanzkrise in Asien überschnitt, musste sich die Wirtschafts- und Handelsmetropole erstmals mit ernsthaften ökonomischen Problemen auseinandersetzen.
Andererseits wanderten aber auch viele Chinesen aus der Volksrepublik zu. Die Hongkong-Regierung unternahm aufwendige "vertrauensbildende Maßnahmen" zur Verbesserung der Situation. 1998 wurde nach mehrjähriger Bauzeit auf einer künstlichen Insel der neuen Flughafen Chek Lap Kok in Betrieb genommen, der heute als einer der modernsten und wichtigsten Flughäfen Asiens gilt. Inzwischen befindet sich auch die Wirtschaft Hongkongs wieder im Aufschwung. Mit einem durchschnittlichen Bruttonationaleinkommen von fast 30 000 US-Dollar pro Einwohner positionierte sich Hongkong 2007 nach Angaben der Weltbank unter den weltweit stärksten Volkswirtschaften, nicht weit hinter Großbritannien, den Niederlanden, Japan, Frankreich und Deutschland.
H. J. Buchholz