Honduras - Aquakulturen

Mittelamerika - Wirtschaft

978-3-14-100800-5 | Seite 226 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 125.000
Honduras | Aquakulturen | Mittelamerika - Wirtschaft | Karte 226/2

Überblick

Die Produktion von Shrimps in Mangroven beschert einigen wenigen Unternehmen große Profite, aber dies zu einem hohen Preis. Zu den ökologischen Folgen der sich ausweitenden Aquakulturen zählt das weitflächige Verschwinden eines überaus vielfältigen natürlichen Lebensraums, der Mangroven, zu den sozialen Folgen ein erschwertes Wirtschaften für die lokalen Bevölkerungsgruppen, die diese tropischen Watten über viele Jahrhunderte nachhaltig zu nutzten wussten.

Honduras ist rund ein Drittel so groß wie Deutschland und hat rund acht Millionen Einwohner. Es hat im Westen in einem relativ kleinen Küstenstreifen Zugang zum Pazifik, der größte Teil seiner Küsten befindet sich aber im Osten am Karibischen Meer. Der in der Karte dargestellte Raum liegt am Golf von Fonseca, einer Meeresbucht am Pazifik, an der El Salvador, Honduras und Nicaragua Anteil haben. Das Klima ist tropisch wechselfeucht mit einer zweigipfligen Regenzeit im Sommer und einer Trockenzeit im Winter.

Das Verschwinden der Mangroven

Mangroven gehören neben den tropischen Regen- und Nebelwäldern zu den biologisch vielfältigsten Ökosystemen der Erde. Ihre Biomasse kann 400 Tonnen pro Hektar überschreiten, bei einer doppelt so hohen Nettoprimärproduktion wie in mitteleuropäischen Wäldern. Mangrovenwälder schützen Küsten vor Stürmen und Strömungen, wirken dämpfend auf Tsunamis und fixieren eingeschwemmte Sedimente. Sie sind Lebensraum für viele Fische und Schalentiere. In den Tropen werden Mangrovenbäume für die Herstellung von Holzhäusern, Booten und Möbel benutzt, da das Tannin in ihnen vor Termitenfraß schützt. Traditionell sind die Mangrovenwälder Lieferant für Brennholz und Holzkohle sowie Nahrung (Fische, Muscheln und Garnelen). In der Naturmedizin verwendet man die Pflanzen zur Behandlung von Asthma, Hepatitis, Tumoren, Fieber, Diarrhö und Insektenstichen. Mangrovenbäume eignen sich zur Gewinnung von Fischgiften und zum Färben von Leder.

Mangrovensäume sind seit Jahrtausenden kaum durchdrungene Peripherien tropischer und subtropischer Länder mit spärlichen Ansiedlungen von Fischern, die in ihnen sichere Wasserwege finden. Seit einigen Jahrzehnten werden Mangroven gerodet. Dies geschieht zunehmend schnell und weitflächig. An ihrer Stelle werden Aquakulturen angelegt.

In Zuchtbecken produzierte Shrimps – so die übliche Marktbezeichnung für sehr unterschiedliche Arten von Garnelen und Krabben – ermöglichen hohe wirtschaftliche Erlöse. Einst eine rare Delikatesse, sind sie heute zur Massenware geworden. Gegenwärtig werden pro Jahr knapp vier Millionen Tonnen Garnelen in Aquakulturen erzeugt, das ist rund 3,5-mal so viel wie noch im Jahr 2000. Rund drei Viertel der weltweit in Aquakulturen erzeugten Shrimps stammen aus Asien, der Rest aus Lateinamerika. Dort sind Mexiko, Honduras, Costa Rica, Panama, Ecuador und Brasilien wichtige Erzeugerländer.

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Ökologische Folgen

Die ökologischen Kosten der Shrimps-Produktion sind hoch: Die Mangroven werden zerstört, die natürliche Strömung und Sedimentation wird durch die Anlage von Kanälen und Dämmen verhindert oder zumindest beeinträchtigt. Durch das Ablassen des ungereinigten, stark mit Pestiziden, Antibiotika und Futterresten versetzten Wassers aus den Zuchtbecken wird die Umgebung kontaminiert. Die Zerstörung temporärer Lagunen hat Auswirkungen auf Reptilien und Amphibien, viele Zugvögel verlieren ihre Ruheplätze, die artenreichsten Lebensräume des Landes werden dezimiert.

Das Comité para la Defensa de la Flora y Fauna del Golfo de Fonseca (CODDEFFAGOLF), dem Fischer und Naturschützer angehören, kämpft seit 1988 mit Protesten und Blockaden gegen die weitere Zerstörung der Mangroven-Säume. Im Jahre 2000 konnte ein erstes Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Seither werden Managementpläne ausgearbeitet – die jedoch vermutlich als Papiertiger zahnlos bleiben und von der Realität der Ausweitung der Aquakulturen überrollt werden. Dies wird in der Karte deutlich: Ein Teil ausgewiesenen Naturschutzgebiets wird bereits von Zuchtbecken eingenommen.

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Aquakulturen in Honduras

In Honduras machten die 2300 Quadratkilometer großen Bestände von Mangroven einst zwei Prozent der Landesfläche aus. Sie schwinden rasch, ersetzt werden sie durch Aquakulturen. In der Karte wird diese Entwicklung deutlich, wenn man die Fläche der Zuchtbecken 1987 und 2013 vergleicht.

Die Arbeit in Shrimps-Farmen besteht aus der Anlage und Reinigung der Zuchtbecken, der Fütterung und dem Fang der Larven, dem Köpfen der Shrimps und der Verpackung der Ernte. Zu 90 Prozent sind Frauen angestellt. Zeitarbeit ist die Regel, gesicherte Minimallöhne von 3 US-Dollar pro Tag sind selten, gewerkschaftliche Organisationen werden unterbunden. Die Küstenbevölkerung, die nicht für den Shrimps-Export arbeitet, verliert den Zugang zu einstmals öffentlichen Ressourcen an der pazifischen Küste. Deshalb ist es schon mehrfach zu Protesten und auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Fischern und Shrimps-Farmern gekommen. Letztere profitieren stark von dem neuen Wirtschaftszweig: Garnelen und Langusten erzielen heute vergleichbar Exporterlöse wie Kaffee und Bananen.

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