Honduras - Aquakulturen

Mittelamerika – Wirtschaft

978-3-14-100782-4 | Seite 156 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 125.000
Honduras | Aquakulturen | Mittelamerika – Wirtschaft | Karte 156/2

Informationen

Die Produktion von Shrimps in Mangroven beschert einigen wenigen Unternehmen große Profite, aber dies zu einem hohen Preis. Zu den ökologischen Folgen der sich ausweitenden Aquakulturen zählt das weitflächige Verschwinden eines überaus vielfältigen Lebensraums, zu den sozialen Folgen ein erschwertes Wirtschaften für die lokalen Bevölkerungsgruppen, die diese tropischen Watten über viele Jahrhunderte nachhaltig zu nutzten wussten.

Aquakulturen in Honduras
In Honduras machten die 2300 km² großen Bestände von Mangroven einst zwei Prozent der Landesfläche aus. Die Mangroven schwinden rasch, ersetzt werden sie durch Aquakulturen. Im Golfo de Fonseca an der pazifischen Küste werden die Fischer immer stärker zurückgedrängt, weil die Aquakulturen immer weiträumiger angelegt und die Resträume als Schutzgebiete ausgewiesen werden. Die Ausweitung der Shrimps-Produktion wird durch Kredite der US-Entwicklungsbank USAID stimuliert. Honduras bietet Anreize für ausländische Investoren, etwa durch das Aussetzen von Steuern und Zöllen in den ersten zehn Jahren und durch geringe Preise für Konzessionen in den staatlich verwalteten Küstenräumen.
Die Arbeit in Shrimps-Farmen besteht aus der Anlage und Reinigung der Zuchtbecken, der Fütterung und dem Fang der Larven, dem Köpfen der Shrimps und der Verpackung der Ernte. Zu 90 Prozent werden Frauen angestellt. Zeitarbeit ist die Regel, gesicherte Minimallöhne von 3 US-Dollar pro Tag sind selten, gewerkschaftliche Organisationen werden unterbunden. Die Küstenbevölkerung, die nicht für den Shrimps-Export arbeitet, verliert den Zugang zu einstmals öffentlichen Ressourcen an der pazifischen Küste. Deshalb ist es schon mehrfach zu Protesten und auch zu gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Fischern und Shrimps-Farmern gekommen. Letztere profitieren stark von dem neuen Wirtschaftszweig: Garnelen und Langusten erzielten 2004 mit einem Anteil von rund 15 Prozent am Exporteinkommen ähnlich hohe Erlöse wie Kaffee und Bananen.

Ökologische Folgen
Die ökologischen Kosten der Shrimps-Produktion sind hoch: Die Mangroven werden zerstört, Strömung und Sedimentation werden durch die Anlage von Kanälen und Dämmen verhindert oder zumindest beeinträchtigt. Durch das Ablassen des ungereinigten und stark mit Pestiziden versetzten Wassers aus den Zuchtbecken wird die Umgebung kontaminiert. Die Zerstörung temporärer Lagunen hat Auswirkungen auf Reptilien und Amphibien, viele Zugvögel verlieren ihre Ruheplätze, die artenreichsten Lebensräume des Landes werden dezimiert.
Das Comité para la Defensa de la Flora y Fauna del Golfo de Fonseca (CODDEFFAGOLF), dem Fischer und Naturschützer angehören, kämpft seit 1988 mit Protesten und Blockaden gegen die weitere Zerstörung der Mangroven-Säume. Es forderte die Einrichtung eines Schutzgebietes, das im Küstenraum bis Nicaragua und El Salvador konzipiert ist. Seit 1999 werden diese Forderungen von der Organisation zum Schutz von Feuchtgebieten internationaler Bedeutung (RAMSAR) unterstützt. Im Jahre 2000 konnte ein erstes Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Seither werden Managementpläne ausgearbeitet — die jedoch vermutlich als Papiertiger zahnlos bleiben und von der Realität der Ausweitung der Aquakulturen überrollt werden.
L. Ellenberg, S. Pietsch