Hohensaaten (Brandenburg) - Überalterung

Deutschland - Bevölkerungsdynamik

978-3-14-100700-8 | Seite 73 | Abb. 8 | Maßstab 1 : 12.500
Hohensaaten (Brandenburg) | Überalterung | Deutschland - Bevölkerungsdynamik | Karte 73/8

Informationen

In kaum einem Ort zeigt sich der beschleunigte Alterungsprozess, der nach der Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern durch massiven Geburtenrückgang und starke Abwanderungsbewegungen ausgelöst wurde, so stark wie in dem Dorf Hohensaaten. Vor der Wende lebten in dem Ort an der Grenze zu Polen noch rund 1000 Menschen, 2007 waren es nur noch 830, darunter 320 Senioren. Mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren gilt Hohensaaten mittlerweile als das "älteste Dorf in Brandenburg".

Aufstieg und Niedergang
Schon vor Jahrhunderten waren die Böden der Region als "ganz schlecht und sandig" bekannt (nur etwa 6 Prozent der Gemeindefläche werden heute landwirtschaftlich genutzt). Dafür bot die Fischerei den Bewohnern seit der Gründung eines ersten slawischen Fleckens im 10. Jahrhundert ein nicht üppiges, aber hinreichendes Einkommen. Die Lage der Fischer verschlechterte sich mit der Trockenlegung des Oderbruchs (1746—1753), doch dafür siedelten sich durch die Lage an dem neuen Transportweg zwischen Pommern und Preußen einige Gewerbe an. 1754 wurde Hohensaaten zur Hauptszollstelle.
Die Blütezeit des Ortes begann mit der Reichsgründung 1871 durch die Gründung neuer Industrie- und Handwerksbetriebe. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden zwei Schleusen und das Wehr errichtet. Um 1920 lagen über 30 Schiffe Hohensaatener Bürgern im Hafen. Auch die Werftindustrie und der Tourismus erlebten einen Aufschwung.
Nach 1945 geriet der Ort ins Abseits, auch wenn die Werft als Reparaturwerft der ostdeutschen Binnenflotte fungierte und die Wasserstraße noch in den 1980er-Jahren modernisiert und ausgebaut wurde. Das größte Manko nach der Wiedervereinigung war der Mangel an Arbeitsplätzen in der gesamten Region. Als doppeltes Hindernis erwies sich die periphere Lage, als Brandenburg sein Förderprinzip zugunsten der 15 so genannten Wachstumskerne im Land änderte. Inzwischen mussten die Schule, der Kindergarten, die Post, das Freibad und der letzte Lebensmittelladen geschlossen werden, die Bank und der Arzt haben stark verringerte Öffnungszeiten. Alle Hoffnungen ruhen heute auf einer alten Kiesgrube nördlich des Ortes, die nach ihrer Umgestaltung zu einem See Touristen anlocken soll.
K. Lückemeier

Google Maps

Zur Orientierung

Die Lage und Ausdehnung dieser Diercke Karte kannst Du Dir zur Orientierung als Kartenrahmen in Google Maps anzeigen lassen.

Jetzt orientieren