HIV / Aids

Erde - Entwicklungsstand

978-3-14-100770-1 | Seite 33 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 140.000.000
HIV / Aids |  | Erde - Entwicklungsstand | Karte 33/3

Informationen

Ursprung, regionale Differenzierung und Ausbreitungswege
HIV/AIDS hat sich in nur wenigen Jahren über die ganze Welt ausgebreitet. Heute wird von der These ausgegangen, dass das Virus im westlichen Zentralafrika um 1940 vom Schimpansen auf den Menschen übertragen wurde. Von dort aus breitete sich die Krankheit über die Karibik nach Nord- und Südamerika aus. Die Länder Asiens wurden erst Ende der 1980er-Jahre von der Epidemie erreicht. Nach Europa kam das HI-Virus vorwiegend über Nordamerika, der Weg direkt von Afrika nach Europa war für die Ausbreitung weniger bedeutend. Eine sehr starke Ausbreitung wird unter den Drogenabhängigen in Osteuropa beobachtet, wo der Übertragungsweg über verunreinigte Spritzen überwiegt. Innerhalb weniger Jahre seit dem Ausbruch der Epidemie hat sich die Immunschwäche so über die ganze Welt ausgebreitet. Die weltweit hohe Mobilität der Menschen und die für jedermann verfügbaren modernen Verkehrsmittel machten diesen Prozess möglich.
Am Ende des Jahres 2007 gab es laut Schätzung von UNAIDS, dem Programm der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der HIV/AIDS-Pandemie, weltweit 33 Mio. Menschen, die mit HIV/AIDS lebten. Von der Krankheit betroffen ist vor allem die Gruppe der 15- bis 49-Jährigen, also die wirtschaftlich aktivste Schicht der Gesellschaft. Das hat besonders in den armen Ländern verheerende gesellschaftliche Auswirkungen.
In Afrikas Ländern südlich der Sahara konzentrieren sich 22 Mio. Betroffene, das sind über zwei Drittel aller weltweit gemeldeten Fälle. Die größte Verbreitung hat HIV in Swasiland mit 26,1 % der Bevölkerung, gefolgt von Botsuana (23,9 %) sowie Lesotho (23,2 %). Von den 2,7 Mio. Neuinfizierten, die die WHO für 2007 schätzt, entfallen mit 1,9 Mio. etwa 70 % auf Afrika südlich der Sahara. An zweiter Stelle stehen die Länder Süd- und Ostasiens mit rund 4,2 Mio. Erkrankten und an dritter Position Lateinamerika mit 1,7 Mio. Fällen. Innerhalb Asiens und in der Pazifikregion konzentrieren sich die gemeldeten Fälle auf wenige Länder. Thailand, Indien und Kambodscha sind besonders von der Epidemie betroffen.
Unter den Industrienationen stehen die USA an erster Stelle. Hier hat die Anzahl der Erkrankten inzwischen die Million überschritten (2007: 1,2 Mio.), das sind sechs Erkrankte auf 1000 Einwohner. Damit liegen die USA vor Westeuropa, wo 0,3 % und vor Deutschland, wo 0,1 % der Bevölkerung infiziert sind. In Westeuropa wird das Virus am häufigsten durch homosexuelle Kontakte und unter Drogenabhängigen übertragen.

Politische Reaktionen auf HIV/AID
Insbesondere in Afrika traf die Epidemie auf einen schwachen und vor allem armen Kontinent. Krieg und damit verbundene Zwangsmigrationen, jahrelange Misswirtschaft und diktatorische Regime, Armut und Korruption, die schwache Stellung der Frau in der Gesellschaft tragen u. a. dazu bei, dass sich HIV/AIDS schnell über den ganzen Kontinent ausbreitete. Dabei sind es die Städte, wo die Krankheit vermehrt auftritt, und die großen Verbindungsstraßen, an denen entlang das Virus seinen Weg findet. Soldaten, Händler und Tausende von Männern auf der Suche nach Arbeit infizieren sich bei Prostituierten und tragen die Krankheit zurück in ihre Dörfer.
HIV/AIDS ist so vor allem in den armen Ländern ein Entwicklungshemmnis und damit auch immer eine Gefährdung in Bezug auf Sicherheit und Frieden. So sank die Lebenserwartung, ein zentraler Indikator menschlicher Entwicklung, in Simbabwe bis zum Ende des Jahres 2000 innerhalb kürzester Zeit auf 49 Jahre, bis 2006 auf 43 Jahre. Dabei hatte die Lebenserwartung in dem südafrikanischen Land 1993 bereits 61 Jahre erreicht. Die wirtschaftlichen Folgen des Sterbens bestimmter Altersgruppen der Erwachsenen sind im südlichen Afrika nicht mehr zu übersehen. Die Arbeitskräfte fallen aus und es kommt zu Produktionsengpässen in der Landwirtschaft. Eine Studie zeigt, dass in Simbabwe die landwirtschaftliche Produktion um bis zu 61 % fiel, wenn ein produktives Mitglied durch HIV/AIDS für die Arbeit nicht mehr verfügbar war.
J. Schweikart, E. Astor

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