Hessen - Teilstaaten im Deutschen Bund

Hessen - Territorialentwicklung und Stadtwachstum

978-3-14-100389-5 | Seite 26 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 2.000.000
Hessen | Teilstaaten im Deutschen Bund | Hessen - Territorialentwicklung und Stadtwachstum | Karte 26/2

Überblick

1814/15 trafen sich in Wien Abgesandte aller europäischen Mächte, um die territorialen Veränderungen zur Zeit der Napoleonischen Herrschaft neu zu ordnen. Die auf dem Wiener Kongress getroffenen Regelungen waren sehr erfolgreich und sicherten Europa eine vergleichsweise lange Friedenszeit. Auch auf dem Gebiet des heutigen Hessen blieb die Situation zwischen 1815 und 1866 nahezu unverändert, bis der preußisch-österreichische Krieg neue territoriale Veränderungen brachte.

Folgen der Napoleonischen Herrschaft

Die Herrscherhäuser, die Napoleon militärisch unterstützt hatten, wurden nach den Siegen Frankreichs ab 1803 belohnt. Vor allem den größeren Staaten wurden Teile der ehemaligen Fürstbistümer und kleinere Herrschaftsgebiete zugeschlagen. Zudem konnten sie ihre politische Situation verbessern. Der Landgraf von Hessen-Kassel erhielt 1803 für seine Unterstützung Napoleons die Würde eines Kurfürsten. Formell blieb Hessen-Kassel zwar eine Landgrafschaft, die Bezeichnung als Kurfürstentum Hessen bzw. Kurhessen wurde jedoch gebräuchlich.
Ein weiterer Gewinner der neuen territorialen Ordnung war Nassau, das 1806 zum souveränen Herzogtum Nassau erhoben wurde und von der Auflösung der geistlichen Kurfürstentümer Köln, Mainz und Trier profitierte. Bis 1816 war Weilburg nassauische Residenzstadt. Danach wurde die Residenz nach Wiesbaden verlegt.

Die Neuordnung der hessischen Gebiete auf dem Wiener Kongress

Die Veränderungen auf dem Gebiet des heutigen Hessen zur Zeit Napoleons wurden auf dem Wiener Kongress weitgehend bestätigt. Als Herrschaftsgebiete blieben nach 1815 neben den größeren Gebieten Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt und Nassau nur Hessen-Homburg, das Fürstentum Waldeck sowie die freie Stadt Frankfurt erhalten. Alle sechs Territorien wurden Mitgliedsstaaten des 1815 gegründeten Deutschen Bundes.

 

Im Vergleich zu anderen Teilen Deutschlands, wo nach dem Wiener Kongress lediglich große Territorialstaaten wie die Königreiche Preußen, Hannover, Württemberg und Bayern bestehen blieben, war die territoriale Lage auf dem Gebiet des heutigen Hessen weiterhin kleinteilig. Wie im Deutschen Bund insgesamt gewannen jedoch auch hier die freiheitlichen Kräfte an Gewicht. Als erster deutscher Staat erhielt das Herzogtum Nassau 1814 eine Verfassung, die zu den liberalsten in Europa zählte. 1820 folgte das Großherzogtum Hessen-Darmstadt, 1831 das Kurfürstentum Hessen-Kassel. Damit war die politische Neuordnung bis 1866 abgeschlossen.

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