Hessen - Bundesstaaten im Deutschen Reich

Hessen - Territorialentwicklung und Stadtwachstum

978-3-14-100389-5 | Seite 27 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 2.000.000
Hessen | Bundesstaaten im Deutschen Reich | Hessen - Territorialentwicklung und Stadtwachstum | Karte 27/3

Überblick

Neben den Veränderungen in der Folge der Französischen Revolution und der Napoleonischen Herrschaft ist das Jahr 1866 der zweite wichtige Einschnitt auf dem Weg zu einer territorialen Einheit Hessens. Der Sieg Preußens über Österreich im deutschen Krieg von 1866 hatte für alle Staaten im Deutschen Bund tief greifende Folgen. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck betrachtete die Vormachtstellung Preußens als Voraussetzung für die Einheit Deutschlands, die in der Folge des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71 erreicht wurde. Zu dem neu gegründeten Deutschen Reich gehörten ab 1871 auch die hessischen Gebiete.

Die Folgen des deutschen Krieges für die hessische Geschichte

Nach der Niederlage gegen Preußen wurde das Kurfürstentum Hessen-Kassel, das im deutschen Krieg 1866 auf der Seite Österreichs stand, zu einer preußischen Provinz. Das Herzogtum Nassau verhielt sich während des Krieges zwar militärisch neutral. Nach dem Krieg wurde es jedoch von Preußen als Provinz einverleibt. Die ehemals freie Stadt Frankfurt sowie die Landgrafschaft Hessen-Homburg fielen ebenfalls an Preußen, sodass von den sechs unabhängigen Territorien auf dem Gebiet des heutigen Hessen vier ihre Souveränität einbüßten. Das Fürstentum Waldeck blieb zunächst zwar unabhängig, wurde jedoch 1867 ebenfalls unter preußische Verwaltung gestellt.

 

1868 fasste Preußen seine neuen Provinzen zu der Provinz Hessen-Nassau mit der Provinzhauptstadt Kassel zusammen. Wirtschaftlich war dieser Anschluss an Preußen für die hessischen Gebiete nicht von Nachteil. Vor allem nach der Reichsgründung 1871 profitierten weite Landesteile von der neuen Einheit. Die preußische Provinz Hessen-Nassau blieb im Kaiserreich eng an Kaiser und Regierung in Berlin gebunden. Sie hatte Bestand bis 1944, als sie in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs in die Reichsverteidigungsbezirke Kurhessen und Nassau aufgeteilt wurde.

 

Eine Sonderstellung konnte der Großherzog von Hessen-Darmstadt erreichen, der als einziger Herrscher von Preußen unabhängig blieb. Einziger Tribut für seine Unterstützung Österreichs im deutschen Krieg war der Verlust kleinerer, weniger bedeutender Herrschaftsgebiete. Dem Großherzog kamen hierbei seine verwandtschaftlichen Beziehungen zum russischen Zaren zugute, der sich Bismarck gegenüber für die Souveränität Hessen-Darmstadts eingesetzt hatte. Im Gegensatz zu dem nördlichen Teil Hessens war die Bindung an Kaiser und Reich im Großherzogtum Hessen-Darmstadt nach der Reichsgründung 1871 nicht so stark. Zentraler Bezugspunkt für den Großteil der Bevölkerung waren nicht Bismarck und Kaiser Wilhelm, sondern der hessische Großherzog Ludwig (1868–1918). Als einziges Herrscherhaus blieb somit die Darmstädter Linie des Hauses Hessen übrig. Der hessische Großherzog wurde in der Folge des Ersten Weltkriegs in der Novemberrevolution 1918 abgesetzt und das Großherzogtum vom demokratisch-parlamentarisch ausgerichteten Volksstaat Hessen abgelöst.

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