Hermsdorf - Wirtschaftsstandort am Autobahnkreuz - 1989

Thüringen - Wirtschaft

978-3-14-100385-7 | Seite 19 | Abb. 3
Hermsdorf | Wirtschaftsstandort am Autobahnkreuz | Thüringen - Wirtschaft | Karte 19/3

Überblick

Hermsdorf ist eine Kleinstadt in Ostthüringen mit etwa 8200 Einwohnern. Sie liegt in der Mitte (je etwa 20 km entfernt) zwischen Jena und Gera und bildet zusammen mit Bad Klosterlausnitz ein Mittelzentrum im Saale-Holzland-Kreis. Hermsdorf liegt an der „Thüringer Städtekette“, die von Eisenach bis Gera reicht.

Geschichte und Verkehr

Hermsdorf wurde 1256 erstmals erwähnt. Der Holzreichtum und die verkehrsgünstige Lage an der Handelsstraße Naumburg–Regensburg begünstigten die Entwicklung des Ortes von Anfang an. Mit dem Bau der Bahnstrecke Weimar–Gera begann die industrielle Entwicklung. Der Bau des Autobahnkreuzes (Hermsdorfer Kreuz) der heutigen Autobahnen A 9 (Berlin–München) und A 4 (Dresden–Köln) verbesserte die Infrastruktur weiter. Auch der Bahnhof Hermsdorf-Klosterlausnitz wurde saniert. Er ist mit drei Linien der Deutschen Bahn an das überregionale Nahverkehrsnetz angeschlossen. Hermsdorf ist sehr gut erreichbar und hat daher auch einen sehr großen Einzugsbereich. Die Arbeitslosenquote in der Region liegt niedriger als der Thüringer Durchschnitt.

Wirtschaft

Die Entwicklung von Hermsdorf wurde von Holz und Keramik geprägt. Sie machten den Ort zu einem wichtigen Industrie- und Technologiestandort im 20. Jahrhundert. Man produzierte und produziert elektrotechnisches Porzellan, Chemieporzellan sowie Erzeugnisse aus keramikverwandten Materialien und elektronische Baugruppen. Der Großbetrieb VEB Keramische Werke Hermsdorf (KWH) prägte die Stadt über viele Jahrzehnte. Das größte Freiluft-Hochspannungs-Versuchsfeld der 1980er-Jahre lag in der Region. Die KWH wurde nach der Wende 1990 in Tridelta AG umbenannt. Zwischen 1994 und 1998 entstand auf 57 ha der Tridelta-Industriepark, in den etwa 19,4 Millionen Euro investiert wurden. Es kam zu einer Vielzahl von Neugründungen von Firmen der Keramik, Mikroelektronik, Mikromechanik, Pulvermetallurgie und Industrieservice. So entwickelte sich auf dem Areal ein Branchenmix kleiner und mittelständischer Betriebe. Ein zusätzliches Gewerbegebiet entstand an der Autobahnanschlussstelle Hermsdorf-Ost, das demnächst erweitert werden soll. Hermsdorf bietet überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze und ist daher ein Einpendler-Standort.