Harlesiel - Neulandgewinnung

Nordseeküste - Fremdenverkehr/Landgewinnung

978-3-14-100754-1 | Seite 13 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 100.000
Harlesiel | Neulandgewinnung | Nordseeküste - Fremdenverkehr/Landgewinnung | Karte 13/3

Informationen

Harlesiel — der Name ist Programm. Gleichsam ist er der vorerst letzte in einer Reihe von Ortsnamen, die von einem sukzessive Landgewinnungsprozess in der Harlebucht zeugen. Denn dort, wo heute das fruchtbare Land der Marschbauern liegt, war noch vor wenigen Jahrhunderten Meer.

Harlebucht
Namensgeber der Bucht an der ostfriesischen Nordseeküste ist der kleine Fluss Harle, der im Brockzeteler Moor seine Quelle hat. Im frühen Mittelalter erstreckte sich die Harlebucht etwa 10 km weit ins Land hinein. Um sich bei Sturmfluten vor Hochwasser zu schützen, bauten die Menschen ihre Häuser zunächst auf künstlich aufgeschütteten Erdhügeln (Wurten oder Warften). Vor etwa 1000 Jahren begannen die Friesen, die ersten Schutzwälle um die Marschdörfer zu ziehen und bereits um 1300 bestand entlang der Harlebucht eine geschlossene Deichlinie. Doch dieses noch recht einfache Bollwerk konnte der verheerenden Sturmflut im Januar 1362 nicht trotzen: Die Wassereinbrüche der Zweiten Marcellusflut — auch Grote Mandränke genannt — vergrößerten die Harlebucht bis nach Wittmund und Jever.
Waren die Küstenbewohner zunächst darauf bedacht, ein Vordringen des Meeres zu verhindern, so gingen sie am Beginn des 16. Jahrhunderts dazu über, einst verloren gegangenes Terrain zurück zu erobern. Dabei wurde das vor dem Hauptdeich durch natürliche Meeresablagerungen entstandene Land immer wieder mit einem weiteren Erddamm eingrenzt. So wurden im Laufe der Jahrhunderte dem Meer immer neue Landflächen, Groden genannt, abgerungen. Mit diesem Prozess verbunden war der Bau von Deichsielen, durch die das in Entwässerungskanälen gesammelte Binnenwasser aus der Marsch seewärts abfließen konnte. An diesen Durchlässen, deren Tore sich unter dem Einfluss der Gezeiten selbständig öffnen und schließen, entstanden jeweils neue Siedlungen und Häfen, über die u. a. die Versorgung des Hinterlandes erfolgte. Durch die fortschreitende Landgewinnung wurde die Deichlinie nordwärts verschoben, aus ehemaligen Küstenorten wurden Binnendörfer. An den Ortsnamen Altfunnixsiel (gegründet 1599), Neufunnixsiel (1658) und Carolinensiel (1729) lassen sich noch heute die Etappen dieser Entwicklung verfolgen. Mit der Fertigstellung des Harlesiels (1959) und der Errichtung des Seedeiches am Jheringsgroden (1989) wurde auch das letzte Stück der Harlebucht dem Festland zugeschlagen.

Carolinensiel-Harlesiel
Der nach der Gemahlin von Georg Albrecht von Ostfriesland benannte Sielort an der Harle entwickelte sich zum wichtigen Knotenpunkt für die See- und Binnenschifffahrt. Deshalb baute man nach der Errichtung des neuen Deichs 1765 mit der Friedrichschleuse erstmals ein offenes Siel, das dank einer Zugbrücke auch Seeschiffen mit Masten und Aufbauten die Durchfahrt erlaubte. Mit dem Aufkommen immer größerer Segelschiffe, der Dampfschifffahrt und des Eisenbahnverkehrs verlor Carolinensiel als Hafenstadt immer mehr an Bedeutung. 1953 begann der Bau des neuen Deichs, des Schöpfwerks und des Hafens in Harlesiel. Er ist Ausgangspunkt für Fahrten zur Insel Wangerooge, Heimathafen vieler Fischkutter und Liegeplatz vieler Jachten. Carolinensiel-Harlesiel ist seit 1983 anerkanntes Nordseebad und der alte Sielhafen ein Museum.
U. Kleinelümern

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