Halle-Silberhöhe - Umbau zur Waldstadt

Industrieraum Halle-Leipzig

978-3-14-100700-8 | Seite 39 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 12.500
Halle-Silberhöhe | Umbau zur Waldstadt | Industrieraum Halle-Leipzig | Karte 39/4

Informationen

Die Großsiedlung Halle-Silberhöhe ist in den Jahren zwischen 1979 und 1989 als ein überwiegend autarker, eigenständiger Stadtteil in einem von vorstädtischen bzw. dörflichen Bebauungs- und Freiraumstrukturen geprägten Weichbild im Süden von Halle mit rund 14 550 Wohneinheiten (WE) realisiert worden. Im Jahre 1990 waren in diesem Stadtteil, der ursprünglich als Wohnort für die Beschäftigten der chemischen Industrie in Buna und Leuna errichtet worden war, rund 39 000 Einwohner registriert.

Niedergang der Silberhöhe
In den 15 Jahren von 1990 bis 2005 hat Halle-Silberhöhe rund 60 Prozent seiner Einwohner verloren; zum Jahresende 2005 lebten hier nur noch 15 608 Menschen. Damit hat die Silberhöhe von allen Großwohnsiedlungen in Halle die mit Abstand höchsten Bevölkerungsverluste. Ursächlich für diese Entwicklung sind eine Reihe von Gründen:
• Grundsätzlich haben junge Großwohnsiedlungen aufgrund ihrer oft jungen und mobilen Bevölkerung die höchsten Einwohnerverluste.
• Die Silberhöhe hat Standortnachteile durch ihre periphere Lage.
• Die Baustruktur war bzw. ist extrem hoch verdichtet.
• Das Image der Silberhöhe ist schlecht.
• Die Arbeitsplatzverluste in der südlich gelegenen Großchemie, dem wirtschaftlichen Standbein der Großwohnsiedlung, waren überdurchschnittlich hoch.

Nach aktuellen Prognosen werden sich die überdurchschnittlichen Bevölkerungsverluste auch in naher Zukunft fortsetzen. Dem Stadtumbaukonzept für das Jahr 2015 liegt eine Bevölkerungszahl von etwa 9600 Menschen (minus 38 Prozent gegenüber 2005) zugrunde. Damit würde die Silberhöhe weiterhin die höchsten Verluste unter allen Großwohnsiedlungen haben. 2015 werden voraussichtlich nur noch 5600 Wohnungen nachgefragt, das wäre ein weiterer Rückgang der Nachfrage gegenüber Ende 2005 um etwa 1800 Wohneinheiten.

Altersstruktur und Leerstand
Das Durchschnittsalter der Bewohner lag 1993 mit 34,7 Jahren knapp 5 Jahre unter dem gesamtstädtischen Durchschnitt. Die Silberhöhe hatte jedoch im Vergleich mit den anderen Stadtvierteln und Stadtteilen den stärksten Rückgang an Kindern und Jugendlichen unter 19 Jahren zu verkraften (minus 75 Prozent in absoluten Zahlen). Aufgrund dessen ist das Durchschnittsalter um zehn Jahre gestiegen (auf 44,5 Jahre 2004), wodurch es inzwischen oberhalb des städtischen Durchschnitts liegt. Bei ebenfalls extrem starken Verlusten in der Altersgruppe der jungen Erwachsenen (von 20 bis 39 Jahren) ist die Zahl der Älteren (über 60 Jahre) konstant geblieben. Aufgrund dieser hohen Dynamik wird es im Planungszeitraum zu einer sehr starken Überalterung der Großwohnsiedlung kommen.
Im Jahr 2001 standen etwa 3500 Wohneinheiten in der Silberhöhe leer. Dies entsprach etwa 23 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes (Halle insgesamt: ca. 15 Prozent Leerstand). Ende 2002 war der Wohnungsleerstand im Stadtteil bereits auf rund 5000 Wohneinheiten (rund 37 Prozent) angestiegen. Die gesamtstädtische Leerstandsquote betrug zur selben Zeit etwa 20 Prozent. Von 2002 bis Ende 2005 wurden in der Silberhöhe 3638 Wohneinheiten abgerissen. Durch diese Gebäudeabbrüche hat sich die Zahl der Wohnungen im Stadtumbaugebiet Silberhöhe auf 11 680 Wohneinheiten reduziert.
Die anhaltenden Trends bei Bevölkerungsrückgang und Leerstand lassen es notwendig erscheinen, den Rückbau zu forcieren. Vor diesem Hintergrund und im Hinblick auf die Fortschreibung des Neuordnungskonzeptes erfolgten die Abstimmungsgespräche der Stadt mit den fünf in der "Arbeitsgruppe Silberhöhe" vertretenen Wohnungsunternehmen. Die von den Wohnungsunternehmen/-genossenschaften geplanten Abrissmaßnahmen bis 2010 umfassen nun insgesamt rund 7000 Wohneinheiten. Abzüglich der bis Ende 2005 abgerissenen 3638 Wohneinheiten sollen noch etwa 3360 weitere Wohneinheiten abgebrochen werden.

Positive Aspekte des Stadtteils
Zu den Qualitäten, die der Stadtteil Silberhöhe als Wohnort noch immer zu bieten hat, gehören neben dem großen Potenzial an Freiräumen die trotz aller Schließungen nach wie vor gute Ausstattung mit Einrichtungen der sozialen Infrastruktur und die gute Verkehrsanbindung. Nach der anfänglich ungenügenden Gestaltung der Grünflächen schätzen die Bewohner der Silberhöhe inzwischen den hohen Grünanteil der Freiräume sowie die Möglichkeiten zur naturnahen Erholung im Bereich der Elsteraue. Die neu gestalteten Sport- und Freizeitanlagen, die Spielplätze und die sogenannten Lungerpunkte sind für die Bewohner wichtige Zeichen einer positiven Weiterentwicklung ihres Wohngebietes.
In den vergangenen Jahren wurden aufgrund des Einwohnerrückgangs mehrere Einrichtungen wie Schulen, Kindertagesstätten, Zweigstellen der Bibliothek, Treffpunkte usw. geschlossen, umgenutzt oder auch abgerissen. Und doch ist die Ausstattung mit Einrichtungen der sozialen Infrastruktur noch immer relativ gut. Eine Sekundarschule und drei Grundschulen gibt es derzeit noch im Stadtteil. Durch weitere Fusionen wird sich die Zahl der Grundschulen auf zwei reduzieren. Die mittelfristige Schulentwicklungsplanung sieht den Erhalt der Sekundarschule bis zum Jahr 2009 vor. Dies ist aber auch von der Entwicklung der Schülerzahlen abhängig.
Stadt Halle (Saale), Integriertes Stadtentwicklungskonzept Stadtumbaugebiete

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Wohnbevölkerung und Altersstruktur im Großwohngebiet Halle-Neustadt

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