Halle-Silberhöhe - Stadtrückbau

Wirtschaftsraum Halle-Leipzig - Transformation

978-3-14-100803-6 | Seite 43 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 12.500
Halle-Silberhöhe | Stadtrückbau | Wirtschaftsraum Halle-Leipzig - Transformation | Karte 43/4

Überblick

Das am 20. Juni 2001 vom Stadtrat Halle beschlossene Neuordnungskonzept (NOK) für den Stadtteil Silberhöhe war die Grundlage der raumplanerischen Umgestaltung einer durch zunehmende Schrumpfung und Leerstand geprägten ehemaligen Plattenbausiedlung in eine Waldstadt mit guter Infrastruktur und besserer Lebensqualität. Die einstige Großsiedlung Halle-Silberhöhe war zwischen 1979 und 1989 als überwiegend eigenständiger Stadtteil in dem von vorstädtischen Bebauungs- und Freiraumstrukturen geprägten Süden von Halle errichtet worden. 1990 waren in diesem ursprünglich als Wohnort für die Beschäftigten der chemischen Industrie in Buna und Leuna gedachten Stadtteil mit seinen 15 300 Wohneinheiten (WE) noch rund 39 000 Einwohner gemeldet.

Niedergang des Stadtteils Silberhöhe

Doch seit der deutschen Wiedervereinigung hat Halle-Silberhöhe einen Großteil seiner einstigen Bevölkerung verloren; im Jahr 2000 waren nur noch 22 125 Einwohner registriert, bis 2005 fiel ihre Zahl auf 15 600, 2013 lag sie bei etwa 12 800. Damit hat Silberhöhe von allen Großwohnsiedlungen in Halle mit 70 Prozent die höchsten Bevölkerungsverluste. Ursächlich für diese Entwicklung waren verschiedene Gründe:

• Junge Großwohnsiedlungen haben aufgrund ihrer oft jungen und mobilen Bevölkerung die höchsten Einwohnerverluste.

• Halle-Silberhöhe hat Standortnachteile durch eine periphere Lage.

• Die Baustruktur war extrem hoch verdichtet.

• Das Image des Stadtteils Silberhöhe war schlecht.

• Die Arbeitsplatzverluste in der Großchemie (wirtschaftliches Standbein der Großwohnsiedlung) waren überdurchschnittlich hoch.

Das Durchschnittsalter der Bewohner lag 1993 mit 34,7 Jahren knapp 5 Jahre unter dem gesamtstädtischen Durchschnitt von Halle. Der Stadtteil Silberhöhe hatte jedoch im Vergleich mit den anderen Stadtvierteln und Stadtteilen den stärksten Rückgang bei Kindern und Jugendlichen unter 19 Jahren zu verkraften. Dadurch ist das Durchschnittsalter vor allem in den ersten eineinhalb Jahrzehnten nach der Wiedervereinigung stark gestiegen, auf 44,5 Jahre bis 2004. Inzwischen hat es sich bei 46,4 Jahren eingependelt, womit es nur leicht über dem gesamtstädtischen Durchschnittsalter von 45,3 Jahren liegt (Stand 2014). Damit ist das noch vor Jahren prognostizierte Problem einer extremen Überalterung der Großwohnsiedlung in dieser Schärfe nicht eingetreten, was sicherlich wenigstens in Teilen auf die raumplanerische Aufwertung in Silberhöhe zurückgeführt werden kann.

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Alltag und Infrastruktur im neuen Stadtteil

Zu den Qualitäten, die der Stadtteil Silberhöhe heute zu bieten hat, gehören die trotz mancher Schließungen immer noch gute Ausstattung mit Einrichtungen der sozialen Infrastruktur und die gute Verkehrsanbindung. Vor allem aber schätzen die Bewohner von Silberhöhe inzwischen den hohen Grünanteil, der durch die Umnutzung vieler ehemaliger Abrissflächen in Stadtwälder und durch die Anlage von Landschaftsparks entstanden ist. So wurde in der Mitte der Großsiedlung ein zentraler Grünzug angelegt.

Auch die Möglichkeiten zur naturnahen Erholung im Bereich der Elsteraue, die neuen Sport- und Freizeitanlagen, der Bootsanleger an der Saale (südlich des Kartenausschnitts) die Spielplätze und die sogenannten Lungerpunkte sind für die Bewohner wichtige Zeichen einer positiven Weiterentwicklung ihres Wohngebietes.

Aufgrund des Einwohnerrückgangs wurden mehrere Einrichtungen wie Schulen, Kindertagesstätten, Büchereien usw. geschlossen, umgenutzt oder auch abgerissen. Derzeit gibt es im Stadtteil noch zwei Grundschulen, die nach jetzigem Stand auch weiter bestehen werden, weil die Schülerzahlen relativ stabil sind. Auch die Kitas werden gut besucht. Überdies gibt es eine gute Infrastruktur für Senioren.

Eine wichtige Rolle für die Zukunft der Waldstadt spielt das „Forum Silberhöhe“, dem politische Vertreter aus Stadt und Landesregierung, Vereine, soziale Einrichtungen, engagierte Bürger und Unternehmen angehören.

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Leerstand und geplanter Rückbau

Als der Stadtrat 2001 das Neuordnungskonzept für den Stadtteil beschloss, standen etwa 3 500 Wohneinheiten in der Großsiedlung leer; dies entsprach etwa 23 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes. Bis Ende 2002 stieg die Leerstandsquote in Halle-Silberhöhe auf 5 000 Wohneinheiten bzw. 37 Prozent. Die anhaltenden Trends von Bevölkerungsrückgang und Leerstand ließen es notwendig erscheinen, den Rückbau im Stadtteil zu forcieren.

Ein wesentlicher Bestandteil des Neuordnungskonzepts war deshalb die Festlegung eines mit den betroffenen Eigentümern abgestimmten Abbruchvolumens. Zwischen 2002 und 2005 wurden gut 3 600 Wohneinheiten abgerissen, darunter viele elfgeschossigen Gebäude, weitere 2 700 Wohneinheiten folgten bis 2010. Insgesamt wurden in Silberhöhe bis Dezember 2012 rund 6 400 Wohneinheiten abgerissen, seither hat es keinen weiteren Rückbau gegeben. Durch die Abrissmaßnahmen hat sich die Zahl der Wohnungen in der Siedlung auf 8902 Wohneinheiten reduziert, die Leerstandsquote liegt gegenwärtig bei rund 14 Prozent. Wie sich der Wohnungsbedarf mittel- und langfristig entwickeln wird, lässt sich derzeit noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept 2025 (ISEK 2025) und die Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung befinden sich gegenwärtig noch in der Ausarbeitung.

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Graphiken

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Wohnbevölkerung und Altersstruktur im Großwohngebiet Halle-Neustadt

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Charakteristische bauliche Merkmale

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