Graun - Senkrechtluftbild

Vom Bild zur Karte – Graun im Vinschgau

978-3-14-100782-4 | Seite 10 | Abb. 2
Graun | Senkrechtluftbild | Vom Bild zur Karte – Graun im Vinschgau | Karte 10/2

Informationen

Zusammen mit dem Schrägbild (10.1) und dem Senkrechtluftbild (10.2) bildet die Karte von Graun im Vinschgau eine Einheit, an der zwei Dinge exemplarisch dargestellt werden: zum einen die Vor- und Nachteile von Schrägbild, Senkrechtluftbild und Karte; zum anderen der Entstehungsweg vom Bild zur Karte.

Schrägbild, Senkrechtluftbild, Karte
Bei Aufenthalten im Gebirge sind Schrägbilder alltäglich, etwa beim Blick von einem Gipfel ins Tal. Am Beispiel von Graun im Vinschgau zeigen sich Details, von denen einige als Informationen in die Karte einfließen: Die Gemeinde liegt im Länderdreieck zwischen der Schweiz, Österreich und Italien. Mit Blickrichtung Osten ist die Mündung des im Langtauferer Tals fließenden Karlinbachs in den Reschensee und somit in den Vinschgau zu sehen. Die größte Siedlung ist Graun im Vinschgau, im oberen Talverlauf sind weitere Siedlungen zu erkennen. Im Bildvordergrund auffällig ist ein im Wasser stehender Turm. Durch die Beschriftung in der Karte löst sich dessen Rätsel: Es ist der Kirchturm von Alt-Graun, der vom Wasser des 1950 angelegten Reschensees überflutet wurde.
Anders als das Senkrechtluftbild vermittelt das Schrägbild die Steilheit der umgebenden Berge. In der Karte wird diese Reliefenergie durch Höhenlinien im Abstand von jeweils 20 Höhenmetern verdeutlicht. Auf nur wenigen Hundert Metern reicht die Höhe von 1500 m bis zu 1820 m. Im Norden von Graun im Vinschgau sind die Hänge nicht durchgehend mit Wald bedeckt. Daneben gibt es Wiesen, Weiden und felsige Partien. Die südlichen Hänge sind in den unteren Bereichen dichter mit Wald bestanden, in den steileren Lagen weiter oben beherrschen Felsen und Schutt das Bild. Die im Schrägbild zu erkennenden Gipfel rund um den oberen Talabschnitt sind nicht mehr Teil des Senkrechtluftbilds und der Karte.
Im Gegensatz zum Schrägbild zeigt das Senkrechtluftbild die Lageverhältnisse unverzerrt. Damit ist es die perfekte Grundlage zur Erstellung der Karte. Eine Karte wird dann besser lesbar, wenn sie generalisiert wurde. Im Vergleich zu Bild und Karte fallen die „Opfer“ der Generalisierung ins Auge: etwa die Baumreihen am Ufer des Reschensees und am Nordostrand der Siedlung, der verlandete Uferbereich im Süden des Kartenausschnitts, die unterschiedlichen Wassertiefen des Sees oder das Schwimmbecken des Freibades.
Andere Details und Objekte sind dagegen erst in der Karte eindeutig zu erkennen: Die Straßen bekommen durch unterschiedliche Strichstärken unterschiedliche Hierarchien. Der Straßentunnel zwischen Friedhof und Spielplatz – beide sind erst durch ihre Beschriftungen als solche zu benennen – wird durch schraffierte Linien hervorgehoben. Die Gebäude der öffentlichen Einrichtungen Schule, Feuerwehr, Rathaus und Freibad sind auf dem Luftbild nicht als solche zu erkennen und erhalten in der Karte sowohl eine eigene Farbe als auch direkte Benennungen. Lediglich die Kirche „verrät“ sich im Senkrechtluftbild durch den Schatten ihres Turms.

Dietmar Falk