Grödner Tal - Landschaftswandel

Alpenraum – Tourismus und Umwelt

978-3-14-100782-4 | Seite 29 | Abb. 3
Grödner Tal | Landschaftswandel | Alpenraum – Tourismus und Umwelt | Karte 29/3

Informationen

Die touristische Entwicklung Südtirols reicht bis zur Zeit des Eisenbahnbaus zurück, der vor etwa 150 Jahren einsetzte. Luxushotels ermöglichten den Reichen eine Erholung im milden Klima und der reizvollen Landschaft der Dolomiten. Mit dem Ersten Weltkrieg stagnierte die Entwicklung, die in den 1920er- und 1930er-Jahren als Tourismus für breitere Bevölkerungsschichten wieder auflebte. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Massentourismus in der Region und zog zahlreiche Investitionen nach sich. Um den zunehmenden Besucherströmen entgegenzuwirken, wurde 1979 ein Baustopp für weitere Übernachtungsbetriebe erlassen. Mit einer veränderten Nachfrage (z. B. Urlaub auf dem Bauernhof, hochpreisige Hotels statt einfacher Pensionen) sind derzeit wieder Steigerungen der Übernachtungszahlen zu beobachten, wie in der Grafik zu erkennen ist.
Wolkenstein und St. Christina verzeichneten zwischen 1974 und 2011 Steigerungen um 77 % bzw. 70 %. In St. Ulrich steigerten sich die Übernachtungszahlen um 20 % und in Villnöß um 41 %. In Villnöß betragen die Übernachtungszahlen etwa das Zehnfache der Einwohnerzahlen, in St. Ulrich und Wolkenstein leben etwa 5000 Menschen, die von 600 000 bzw. mehr als 1 Mio. Übernachtungsgästen besucht werden. In St. Christina leben etwas mehr als 1000 Einwohner bei Übernachtungszahlen von mehr als 300 000. Auffallend sind die zunehmenden inländischen Ankünfte in allen dargestellten Orten.

1974
Das landwirtschaftlich geprägte Villnößtal hat lagebedingt und entwicklungspolitisch eine andere Entwicklung als das Grödner Tal durchlaufen. Einige Berggasthöfe und Schutzhütten im östlichen und westlichen Teil wurden von knapp über 5000 Gästeankünften vorwiegend durch ausländische Gäste in St. Peter geprägt. Das Angebot konzentrierte sich auf Wanderwege und einen kleinen Schlepplift. Eine hohe Konzentration an Übernachtungshäusern ist bereits auf der Seiser Alm zu erkennen, weitere Schwerpunkte liegen an der südlichen Geislergruppe und südlich von Wolkenstein.

2011
In St. Peter haben sich seit 1974 die Übernachtungszahlen auf über 20 000 vervierfacht, was infolge der Versorgung und des Angebots touristischer Attraktionen zu einer merklichen Wasserverschlechterung geführt hat. Der Villnößbach ist vom Bereich St. Magdalenas, wo zahlreiche Gasthäuser entstanden sind, nun gering und am Ende von St. Peter mäßig belastet. Mithilfe von Kläranlagen wird versucht, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Der Grödnerbach weist bis Wolkenstein eine unbelastete, von dort bis St. Ulrich eine mäßig belastete Gewässerqualität auf. Die mäßige Belastung des Pufler Bachs an der Seiser Alm ist u. a. auf die Beschneiungsanlagen zurückzuführen.
Die Aufstiegsanlagen wurden z. B. im Bereich des Naturparks Schlern oder zwischen der Seceda und dem Col Raiser zurückgebaut. Die Berggasthäuser wurden in der Regel erweitert und ergänzt, um den Besuchern die Möglichkeiten zu bieten, sich auch zwischen den Skigebieten bewegen zu können.
Im Bereich der Sellagruppe und nördlich der Geislergruppe sind in den letzten Jahrzehnten einige Beherbergungsstätten verschwunden. Zahlreiche neue Einrichtungen sind jedoch um die Aufstiegsanlagen zu beobachten. Am deutlichsten wird eine Zersiedelungstendenz auf der Seiser Alm und im Talbereich der drei Hauptorte des Grödner Tales.
Die Waldbedeckung hat sich bis auf kleine Bereiche im Villnößtal an den Berghängen teilweise wieder verdichtet, ist aber andererseits in den Gipfelregionen für die Nutzung des Wintersports verringert worden. Die Wanderwege sind vor allem im Bereich der Seiser Alm zu Nebenstraßen ausgebaut worden. Neben dem bestehenden Naturpark Schlern gab es weitere Bemühungen zum Schutz der Landschaft, u. a. durch die Erweiterung des Naturparks Puez-Geisler.

Sylvia Jakuscheit