Goslar - Mittelalterliche Stadt um 1300

Deutschland - Landschaftsgeschichte

978-3-14-100870-8 | Seite 63 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 25.000
Goslar | Mittelalterliche Stadt um 1300 | Deutschland - Landschaftsgeschichte | Karte 63/3

Überblick

Goslar liegt am nördlichen Harzrand. Die ovale Form der mittelalterlichen Siedlung war durch die Lage auf einem langgestreckten Schotterfächer bedingt. Die Stadt wurde von der Abzucht und der namensgebenden Gose durchflossen, einem kleinen, gefällereichen Fluss. Die Wasserläufe versorgten Goslar mit Wasser und speisten mehrere Wassermühlen, nahmen aber auch die Abwässer auf. Die Anlage des "Gosekanals" zeugt von fortgeschrittenen Kenntnissen im Wasserbau.

Die mittelalterliche Stadt bestand aus zwei Ortsteilen, Goslar und Bergdorf, die von einer Befestigung umgeben waren, mit großen Stadttoren vor allem an den Fernstraßen. Fast alle Gebäude lagen innerhalb der Stadtmauern, mit Ausnahme des Siechenhofs, einiger Klöster und weniger Gebäude im Nordwesten. Die Stadtbewohner waren landwirtschaftlich aktiv, zur bewirtschafteten Flur gehörten ausgedehnte Gärten - auch innerhalb der Stadtmauern - sowie Äcker und Weiden.

Wirtschaft und Handel

Goslar wurde 922 als eine Kaufmannssiedlung gegründet. Wie zahlreiche mitteleuropäische Städte profitierte es von den Segnungen des Erzbergbaus. In vielen Mittelgebirgen wurden während des Mittelalters wichtige Erzvorkommen erschlossen, auch der Harz stieg dadurch zu den wichtigsten Bergbaulandschaften in Europa auf. Überdies befand sich Goslar in einer verkehrsgünstigen Lage. Die Harzstraße verband die Stadt mit den anderen Bergbauorten des Westharzes, über Hildesheim existierte eine Verbindung zur Handelsstraße "Hellweg" - der vom Niederrhein bis an die Mittelelbe führte - und über Braunschweig eine Route zu Hansestädten wie Bremen, Hamburg, Lübeck.

Der wichtigste Wirtschaftszweig von Goslar, das seit 1280 dem Hansebund angehörte, war die Gewinnung und Verarbeitung von Metallerzen. Die Erze, vor allem Silber und Blei, wurden am südlich gelegenen Rammelsberg gewonnen (seit 1992 Weltkulturerbe der UNESCO). Neben der Gewinnung im Tagebau wurden auch tiefer gelegene Vorkommen im Untertagebau erschlossen. Die Entwässerung der Abbaustollen erfolgte über einen unterirdischen Entwässerungsstollen ("Ratstiefster Stollen"). An der Stelle, wo er in die Gose mündete, setzte deren Belastung mit Schwermetallen ein.

Das Bauholz für den Untertagebau gewann man in der unmittelbaren Umgebung. Große Teile des Rammelsberges waren deshalb bereits um 1300 entwaldet. Unterhalb der Erzbergwerke überzog ein Netz von Wegen für den Abtransport den Hang. Die Verhüttung des Erzes erfolgte auf Schmelzplätzen und in Schmelzöfen in der näheren Umgebung (z.B. Nordberg). Die für das Schmelzen des Erzes erforderlichen Temperaturen konnte nur durch die Verbrennung von Holzkohle erzielt werden. Um ausreichend Holz für die Herstellung von Holzkohle zu gewinnen, entstanden um die Schmelzplätze große Rodungsinseln.

Das in Goslar gewonnene und verarbeitete Erz bzw. Metall wurde auf den Handelswegen bis nach London oder Nowgorod transportiert. In Goslar selbst prägte man Münzen aus Silber, die dem Handel auf den Märkten des näheren und ferneren Umlandes dienten. Darüber hinaus wurde Erz in der Glockengießerei verarbeitet. Nachdem Goslar 1340 zur freien Reichsstadt geworden war, setzte sich sein wirtschaftlicher Aufschwung fort: Um 1500 gehörte der Ort mit seinen rund 12 000 Einwohnern zu den reichsten Städten Europas.

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