Gizeh - Tourismusentwicklung und Stadtwachstum

Erde – Tourismus

978-3-14-100782-4 | Seite 182 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 50.000
Gizeh | Tourismusentwicklung und Stadtwachstum | Erde – Tourismus | Karte 182/2

Informationen

Der Kartenausschnitt zeigt das Pyramidenfeld von Gizeh an der markanten, diagonal durch das Kartenbild verlaufenden Kante des Plateaus der Westlichen Wüste, und in der rechten Bildhälfte den Randbereich des Niltals. Das alte Agrarland, von dem hier noch zwei große Kanäle und eine Reihe von ländlichen Siedlungskernen zeugen, wurde erst in den letzten Jahren von der außerordentlich dynamisch verlaufenden, raumgreifenden Expansion der ägyptischen Metropole erreicht und innerhalb kürzester Zeit fast vollständig überbaut. Das Augenmerk der Karte liegt auf dem Kontrast von Persistenz und Wandel, Pyramiden und Stadtrand, dem räumlichen Nebeneinander von erhabenen Stätten einer uralten Hochkultur und den Armutsquartieren einer modernen Megacity. Die aktuelle Entwicklung Ägyptens vollzieht sich vor allem im Spannungsfeld von fortschreitender Urbanisierung, Tourismus, Schutz des Kulturerbes und dem Umbruch im ländlichen Raum. In Gizeh, der zur Metropolregion Kairo gehörenden, aber politisch unabhängigen Stadt am Fuße der Pyramiden, überlagern sich diese Prozesse auf vielfältige Weise.

Die Nekropole von Gizeh
Die in der Karte dargestellten drei großen Pyramiden sind Teil einer pharaonischen Totenstadt aus dem dritten vorchristlichen Jahrtausend, die sich über 50 Kilometer am Rande der Wüste entlang zieht und mehr als 80 größere und kleinere Pyramiden und eine Vielzahl von Grabanlagen und zugehörigen Gebäuden umfasst. Die Lage der größten Pyramiden (Cheops (137 m hoch), Chefren (136,5 m hoch) und Mykerinos (66 m hoch)) mit den zugehörigen Taltempeln und Tempelstraßen ist Ausdruck des Jenseitsglaubens der alten Ägypter, die die Wüste als das Reich der Toten betrachteten. Das Gebiet der Pyramiden gehört zum Kernbestand des UNESCO-Weltkulturerbes. In jüngerer Vergangenheit gab es wiederholt Konflikte um die Freihaltung dieses Gebietes von jeglicher Bebauung.

Siedlungsprozesse und Urbanisierung
Die im 19. Jahrhundert erbaute Straße der Pyramiden führt schnurgerade vom zwölf Kilometer entfernten Kairo durch Gizeh zum luxuriösen Mena House Hotel und den touristischen Sehenswürdigkeiten. Diese Straße bildete die Leitlinie für die Expansion der Stadt in Richtung Westen. Gizeh war zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch eine Kleinstadt inmitten der ausgedehnten Bewässerungsfelder und Obstplantagen auf der Westseite des Nils, etwa auf halbem Weg zwischen Kairo und den Pyramiden. Heute leben in Gizeh 2,5 Mio. Menschen, viele von ihnen in informellen Wohnvierteln; von der alten Bausubstanz ist nicht mehr viel zu sehen. Die ehemals beschauliche Landstadt ist längst mit der Megastadt Kairo zusammengewachsen. Im Westen reicht sie bis an das Pyramidengebiet heran, seit den 1980er-Jahren dehnen sich die Baugebiete sogar auf der Rückseite des Pyramidenplateaus bis weit in die Wüste aus. Einige Kilometer westlich des Kartenausschnittes liegt die nach dem Datum des Kriegsbeginns 1973 benannte "Stadt des 6. Oktober", eine der neuen Entlastungsstädte in der Umgebung von Kairo.
Inzwischen liegt die Einwohnerzahl der Metropolregion Kairo bei etwa 12,5 Mio. Menschen. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts hat sich der Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung des Landes von 20 auf über 45 Prozent mehr als verdoppelt, die Einwohnerzahl des Landes stieg im selben Zeitraum von 10 Mio. auf 70 Mio. Menschen an. Dieses Bevölkerungswachstum und die allgemeine Landflucht führten zu einer extrem ausgreifenden Urbanisierung. Die Metropolregion Kairo-Gizeh verzeichnete in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren — vor allem durch eine massive Zuwanderung aus peripheren ländlichen Gebieten — einen jährlichen Bevölkerungszuwachs von 4,0 bis 4,5 Prozent. Seitdem sind die Wachstumsraten in der Metropole stark zurückgegangen, auf etwa 1,4 Prozent, und liegen damit unter den Raten anderer Siedlungstypen.

Tourismusentwicklung
Der Tourismus ist für Ägypten einer der wichtigsten Devisenbringer und daher für die wirtschaftliche Entwicklung von größter Bedeutung. In Gizeh beispielsweise gibt es eine große Zahl von Hotels, Souvenirgeschäften und Reitställen, die auf den Bedarf der Touristen ausgerichtet sind. An der Lage dieser einseitig auf den Fremdenverkehr ausgerichteten Angebote wird allerdings auch deutlich, dass die Touristenzone eng begrenzt ist und es kaum Kontakt zwischen den Touristen und den Wohnvierteln von Gizeh gibt.
D. Müller-Mahn

Graphiken

Bild

Wandel einer ländlichen Siedlung durch Tourismus

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