Gewässergüte/Grundwassergefährdung

Deutschland - Umwelt

978-3-14-100700-8 | Seite 59 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 6.000.000
Gewässergüte/Grundwassergefährdung |  | Deutschland - Umwelt | Karte 59/4

Informationen

Während die Fließgewässer lange Zeit überwiegend als billiges Entsorgungsmittel für Industriebetriebe und Haushalte angesehen wurden — nicht zuletzt deshalb, weil Wasser aufgrund seiner Dipoleigenschaft auch ein ideales Lösungsmittel ist —, hat sich inzwischen in der Öffentlichkeit das Bewusstsein durchgesetzt, dass Wasser nicht nur ein unverzichtbares Lebensmittel, sondern auch eine endliche Ressource ist, und dass die Gewässer daher eines besonderen Schutzes bedürfen.

Gewässergüte deutscher Flüsse
Um die Gewässergüte der wichtigsten deutschen Fließgewässer im Kartenbild darzustellen, wurden die Flüsse in fünf große Gruppen eingeteilt. "Gering" belastete Fließgewässer zeichnen sich durch eine gute Sauerstoffversorgung aus; meist handelt es sich um die Oberläufe von Gebirgs- und Mittelgebirgsbächen; im Flachland finden sich Wasserläufe dieser Qualität nur im Quellbereich der Flüsse. Gewässerabschnitte mit "mäßiger" Verunreinigung sind in der Regel nährstoffreich und bei guter Sauerstoffversorgung durch eine besonders große Arten- und Individuenvielfalt sowohl bei den Wirbellosen als auch bei Fischen gekennzeichnet. "Kritisch" belastete Gewässer weisen häufig ebenfalls eine noch relativ große Artenvielfalt auf, allerdings sind unter ungünstigen Umständen häufiger Algenblüten, eine Massenentwicklung einzelner Arten oder Fischsterben durch akuten Sauerstoffmangel möglich. In durch Abwassereinleitungen "stark" verschmutzten Gewässern kommen einige, gegen Sauerstoffmangel wenig empfindliche Arten wie Egel oft massenhaft vor, der Artenreichtum bei Fischen und Wirbellosen ist allerdings stark reduziert; periodisch kann es immer wieder zu Fischsterben kommen. "Sehr stark" verschmutzte Gewässer lassen sich häufig am Geruch erkennen; sie sind toxisch belastet, ihr Sauerstoffgehalt ist minimal, es kommen Insektenlarven oder Schlammröhrenwürmer, aber keine höher entwickelten Tiere mehr vor.

Grundwasserbelastung
Die Grundwasserbelastung zeigt bei tendenziell abnehmender Gefährdung eine Abhängigkeit vor allem von drei Faktoren: der Zusammensetzung und Mächtigkeit des Bodens, der Grundwassernähe und der dominierenden Nutzungsart. Anders als die Fließgewässerbelastung, die vor allem durch Industrie und Landwirtschaft verursacht wird, ist für die Grundwasserbelastung die Landwirtschaft der Hauptverursacher. Besonders sind die Tiefländer betroffen, in denen eine intensive Bodennutzung stattfindet. Diese Aussage trifft insbesondere auf das Norddeutsche Tiefland zu, wo es durch die Massentierhaltung zu einem hohen Gülleeintrag kommt. In einem agrartechnologischen Ballungsraum wie den Landkreisen Cloppenburg und Vechta fällt in den Betrieben mehr Gülle an, als die umliegenden Flächen aufnehmen können. Sie kann daher nicht umweltverträglich entsorgt werden. Eine unmittelbare Folge ist die Eutrophierung des Grundwassers und der Fließgewässer. Durch einen umweltgerechteren Umgang mit Kunstdüngern und Gülle in der Landwirtschaft ist die Belastung des Grundwassers, ähnlich wie die der Fließgewässer, insgesamt aber zurückgegangen.

Bodenart und Grundwassergefährdung
Für die Verschmutzungsgefahr des Grundwassers spielt die unterschiedliche Zusammensetzung des Bodens hinsichtlich des Substrates (sand-, lehm- oder tonhaltige Böden) eine Rolle. Die Fähigkeit, Nährstoffe zu speichern, nimmt von Sand über Lehm zu Ton zu, die Durchlässigkeit für Wasser dagegen ab. Deshalb lassen sandige Böden die Nährstoffe fast ungehindert in das Grundwasser tieferer Schichten passieren, während tonige Zwischenschichten den Eintrag in das Grundwasser sogar völlig unterbinden können. Auf den meisten lehmigen Böden findet dagegen ein zeitlich verzögerter Eintrag vor allem von leicht löslichen Nährstoffen in das Grundwasser statt. Dieser Eintrag verbleibt über längere Zeiträume im Grundwasser und kann nur langfristig wieder verringert werden.

Trinkwassergewinnung
Da aus den Grundwasservorkommen in der Bundesrepublik Deutschland etwa 75 Prozent der öffentlichen Wasserversorgung gewonnen werden, birgt die Verschmutzung des Grundwassers große Risiken. Im Gegensatz zum Oberflächenwasser ist das Grundwasser durch Boden und Gestein geschützt. Einige Schadstoffe werden zum Teil in der belebten Bodenzone zurückgehalten, Keime können im Grundwasser absterben oder sich extrem verdünnen. Wenn aber Grundwasserverschmutzungen auftreten, sind sie ein langfristiges Problem. Gülle- und Düngerausbringung sowie der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft bilden die Hauptquellen der Verunreinigungen, aber auch Kläranlagen, in denen Ammonium in Nitrat umgewandelt wird, sind Verursacher von Belastungen.
M. Felsch, H.-J. Kämmer, H. Schulze

Graphiken

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Instrumente zur Schadstoffmessung

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Anthropogene Schadstoffquellen und mögliche Eintragspfade der Schadstoffe in Umwelt und Boden

Ein erheblicher Teil der Schadstoffe, die durch Luft und Wasser in unsere Böden gelangen, entstehen durch Industrie und Verkehr und richtet nicht nur dort Schäden an.
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Nutzungsbedingte Bodenbelastung und ihre Folgen

Bei der vielfältigen Nutzung seiner Umwelt schädigt oder zerstört der Mensch all zu oft Böden in ihrer Form und Funktion.
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