Geiseltal 1980 / 2007

Wirtschaftsraum Halle-Leipzig

100750 | Seite 29 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 125.000
Geiseltal 1980 / 2007 |  | Wirtschaftsraum Halle-Leipzig | Karte 29/2

Informationen

Das ehemalige Braunkohlenrevier Geiseltal erstreckt sich westlich der Saale von Mücheln bis Braunsbedra. Es war bestimmend für die Standortwahl der chemischen Großbetriebe Leuna (gegründet 1917) und Buna (gegründet 1936). Namensgebend ist das Flüsschen Geisel, das bei Mücheln entspringt und bei Merseburg in die Saale mündet. Im Geiseltal lagerten ursprünglich Gesamtvorkommen von 1,6 Mrd. Tonnen Rohbraunkohle, die nach einer rund 100 Jahre währenden Ausbeutung 1993 erschöpft waren. Der Abbau wurde daraufhin eingestellt. Insgesamt zehn Orte mussten den Tagebauen weichen. Ein Teil der Braunkohle wurde in den Brikett- und Chemiefabriken, die durch Kohlebahnen direkt an die Tagebaue angeschlossen waren, vor Ort verarbeitet. Mit Ausnahme von Lützendorf sind diese Betriebe heute geschlossen.
Als Erbe des Bergbaus blieben ausgedehnte Abraumhalden (u. a. Mücheln, Blösien, Pfännerhall) sowie ein riesiges Restloch, welches durch das Massendefizit der abgebauten Braunkohle mit einer Flözdicke von 50 bis 100 Metern entstanden war und nur durch schmale Verbindungen zwischen Frankleben, Braunsbedra und Großkayna gegliedert wurde. In einem Teil des Restloches bei Großkayna wurden Asche und Industriemüll aus den chemischen Großbetrieben und Großkraftwerken aufgespült.
Die Karte 2007 zeigt — rund 15 Jahre nach dem Ende des Bergbaus —die nahezu abgeschlossene Rekultivierung des Geiseltals. Der überwiegende Teil der Restlöcher wurde bzw. wird geflutet, nur kleinere Teile sind für landwirtschaftliche Zwecke saniert worden. Im Westen ragt eine aufgeschüttete Halbinsel in den künftigen Geiseltalsee. Der Schwerpunkt der Nutzung wird künftig auf dem Tourismus liegen. Darauf deutet auch die bei Mücheln eingezeichnete Marina hin. Die Flutung soll 2010 abgeschlossen sein.
Das Geiseltal ist insbesondere für seine fossilen und ärchäologischen Funde weithin berühmt geworden, die heute im Geisetalmuseum und Museum für Vorgeschichte in Halle ausgestellt sind.
M. Felsch