Gadertal - Naturgefahrenzone

Südtirol – Räume im Wandel

978-3-14-100782-4 | Seite 22 | Abb. 2
Gadertal | Naturgefahrenzone | Südtirol – Räume im Wandel | Karte 22/2

Informationen


Das Gadertal liegt in den Südtiroler Dolomiten, ungefähr auf halber Strecke der Luftlinie zwischen Brixen im Nordwesten und Cortina d’Ampezzo im Südosten. Zu erreichen ist es über die Gadertaler Landesstraße (SP 244). Eine alternative Route von Cortina d’Ampezzo führt über den Falzarego- und den Valparolapass. Die Karte zeigt die geringe Besiedlungsdichte mit verstreut liegenden Weilern sowie die vorherrschende Bodennutzung durch Wald und landwirtschaftliche Flächen. Die auf dem Kartenausschnitt gezeigte Reliefenergie reicht von knapp über 1800 m ü. NN bis zum Talgrund auf knapp unter 1400 m ü. NN.

Gefährdung durch Hangrutschungen
Aus historischer Zeit ist eine Hangrutschung von 1821 belegt. Die Rutschung zog sich die kompletten 400 Höhenmeter hinunter, wobei eine Länge von rund 1,5 km betroffen war. Obwohl der Hang danach zu großen Teilen wieder aufgeforstet worden war, löste er sich am 14. Dezember 2012 erneut – diesmal auf einer Länge von 1 km, einer Breite bis zu 400 m und einer Fläche von 40 ha.
Bereits am 13. Dezember waren in der Zufahrtsstraße nach Sotrù Risse entdeckt worden. Noch am selben Tag wurden alle Familien aus Sotrù und dem benachbarten Anvi evakuiert. Tags darauf setzte sich mittags der Hang in Bewegung. Am Morgen des 15. Dezember kam die Rutschung am Talboden zur Ruhe. Insgesamt hatten sich bis zu einer Tiefe von 10 m rund 3 Mio. Kubikmeter Erdreich nach unten bewegt. Drei zu Anvi gehörende Häuser wurden zerstört, 36 Menschen hatten ihre Häuser vorsorglich verlassen müssen.
Es war der frühen Warnung, der geringen Siedlungsdichte und dem sofortigen Handeln zu verdanken, dass es nicht noch mehr Schäden gab. Um Teile der Erdmassen fassen zu können, wurde ein Rückhaltebecken mit einem Volumen von 30 000 Kubikmetern angelegt. Mit Baggern wurde am Rand der Rutschung das Material entfernt, um die dort liegenden Häuser von Martara und Larcenei zu retten. Vorsorglich wurden die Gasleitungen unterbrochen. Die Gader wurde auf einer Länge von 300 m in ein Rohr umgeleitet. So sollte verhindert werden, dass sich der Bach aufstaut und es bei einem späteren Durchbruch zu Überflutungen im unteren Talbereich kommt.
Eine letzte Vorsichtsmaßnahme wurde am 16. Dezember getroffen: Da nicht abzusehen war, ob die Rutschung auch die am südlichen Kartenrand zu erkennende Kläranlage erreichen würde, wurden von dort rund 30 000 Liter Säure abgepumpt oder in Sicherheitsbehälter umgefüllt.

Dietmar Falk