Gacko Polje (Kroatien) - Karstformen und Karstquellen

Balkanhalbinsel – Wasser

978-3-14-100782-4 | Seite 66 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 150.000
Gacko Polje (Kroatien) | Karstformen und Karstquellen | Balkanhalbinsel – Wasser | Karte 66/1

Informationen

Die Karte zeigt das nach seinem Hauptfluss, der Gacka, benannte Gacko Polje, das zwischen dem Velebitgebirge und dem Gebirge Mala Kapela in der nördlichen Lika in Hochkroatien liegt. Hinsichtlich seiner naturräumlichen Grundstrukturen, seiner Besiedlung und landwirtschaftlichen Nutzung ist es eine sehr typische Polje; hinsichtlich der hydroenergetischen Nutzung ist es hingegen ein Beispiel für moderne Entwicklungen.

Geographische Merkmale
Die Polje liegt in einer Höhe zwischen 425 und 460 Metern, sie ist 26 Kilometer lang und 16 Kilometer breit. Mit einem Poljeboden von etwa 80 km² Fläche gehört es zu den größeren Poljen des dinarischen Karstes. Die große zentrale Ebene ist mit Sanden und Tonen bedeckt. Aus dem Poljeboden ragt inselhaft ein Berg (Podum) auf. Am östlichen und besonders südöstlichen Poljerand liegen einige — in diesem Fall ständig fließende — Quellen, die die Gacka speisen. Im Herbst und Frühling ist der Wasserabfluss stark, im Sommer gering. Noch vor wenigen Jahren waren große Teile der Polje vom Herbst bis zum Frühling überschwemmt. Gegenwärtig ist nur der tiefste Teil der Polje das ganze Jahr über feucht und wird daher als Wiese und Weide genutzt.
Der Poljeboden ist von Kreide- und Jurakalken sowie von Dolomiten umgeben; der Übergang vom Poljeboden zu den steilen Kalkflanken ist unvermittelt. Schwärme von Dolinen bedecken die von Eichenwäldern bewachsenen Kalke und Dolomite am Rande der Polje, aber auch Teile des Poljebodens.Dieser wird — mit Ausnahme des kleinen, auch im Sommer feuchten Teils im Süden — für den Weizen-, Hafer-, Roggen-, Mais- und Kartoffelanbau genutzt. Die zugehörigen Dörfer mit ihren perlschnurartig angeordneten Höfen liegen zwischen dem Poljeboden und den steilen Flanken der Poljeränder. Die Lage der Dörfer und die typische Form der Reihensiedlung sind ein Erbe jener Zeit, in der der Poljeboden noch regelmäßig saisonal überschwemmt wurde.

Trockenlegung der Polje
Seit 1965 ist die Gacka reguliert und die Polje, mit wenigen Ausnahmen, trockengelegt. Das Wasser der Gacka wird heute in dem Gusic-See gestaut und gesammelt. Dieser knapp außerhalb der Karte liegende See befindet sich auf dem Gebiet einer ehemaligen kleinen Polje. Durch einen Stollen wird auch das Wasser des Lika-Flusses in den Gusic-See abgeführt. Dieser Karstfluss kommt aus einer weiter südlich gelegenen, ebenfalls meliorierten, also teilweise trockengelegten Polje. Das Wasser beider Flüsse wird durch einen Stollen über einen Höhenunterschied von 437 Metern an die Adriaküste hinunter geleitet und betreibt dort das südlich der Stadt Senj gelegene Wasserkraftwerk. Mit dem Bau dieser Anlage wurde die Gacko Polje melioriert und die umliegenden Dörfer erstmalig an verlässliche Wasserleitungen angeschlossen. Das Senj-Hydrosystem soll weiter ausgebaut werden. Außer der Energiegewinnung soll die Vergrößerung der Anlagen der besseren Nutzbarmachung weiterer Karstpoljen durch Hydromeliorierung dienen. Dadurch wird auch die Infrastruktur der abgelegenen Karstregion verbessert.
A. Karger