Frankreich - Eisenbahnverkehr

Frankreich

978-3-14-100700-8 | Seite 115 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 10.000.000
Frankreich | Eisenbahnverkehr | Frankreich | Karte 115/2

Informationen

In Frankreich fahren die modernsten und schnellsten Züge der Welt — und das nicht erst, seit der von dem TGV-Hersteller Alstom entwickelte Hochgeschwindigkeitszug "V 150" im April 2007 mit 574,8 km/h einen neuen Weltrekord im Schienenverkehr aufstellte. Das Konzept, Verfahren aus der Flugzeug- und Raumfahrtindustrie auf den Schienverkehr zu übertragen und in Leichtbauweise gebaute und mit einer Hochleistungselektronik ausgestattete Elektrotriebwagen zu verwenden, hat sich bewährt. Das altbekannte Umsetzen der Zuglok an den Endpunkten entfällt, je ein Triebkopf an Zuganfang und Zugende ermöglichen eine günstigere Verteilung der Antriebsleistung. Hochgeschwindigkeitszüge können wesentlich größere Steigungen überwinden, was bei der Anlage des Streckennetzes Baukosten spart. Zu ihren weiteren Vorzügen zählt ein variables Platzangebot, da auf stärker frequentierten Abschnitten einfach ein zweiter Zug angekoppelt werden kann, sowie die Tatsache, dass zwei Züge unterwegs getrennt werden können, um unterschiedliche Ziele direkt anzufahren.

Der TGV heute
Der Train à Grande Vitesse hat seine Stammstrecke zwischen Paris und Lyon längst verlassen. Mit der Inbetriebnahme des TGV schrumpften die Reisezeiten zwischen Paris und dem Südosten Frankreichs beträchtlich. Die zweite TGV-Generation erreichte ab 1989 sogar Geschwindigkeiten bis zu 300 km/h, gleichzeitig wurde das Streckennetz kontinuierlich ausgebaut. Noch in den 1980er-Jahren wurde eine zweite TGV-Verbindung nach Le Mans eröffnet, in den 1990er-Jahren wurde der nördliche Streckenabschnitt mit Verbindungen zum Eurotunnel nach Großbritannien und nach Brüssel fertiggestellt. Mit der Inbetriebnahme der Eurostar-Züge zwischen Paris, London und Brüssel wuchs der TGV-Nord über seine nationalen Grenzen hinaus. Parallel wurde nun auch Tours an den TGV angebunden und die Strecke nach Lyon bis nach Valence verlängert. Ihre Fortführung bis an die südfranzösische Mittelmeerküste zwischen Nîmes und Marseille wurde 2001 eröffnet. Der TGV Méditerrannée benötigt für die Strecke von Paris bis nach Marseille nur noch drei Stunden.
Mit der Jahrtausendwende wuchsen vor allem die Streckennetze außerhalb von Frankreich. Die erste TGV-Strecke in Großbritannien wurde 2003 zwischen dem Eurotunnel bei Folkestone und der Stadt Gravesend am Südufer der Themse eröffnet. Seit die Ausbaustrecke in die britische Hauptstadt im November 2007 für den Schienverkehr freigegeben wurde, lässt sich die Reise von Paris nach London in nur zwei Stunden und 15 Minuten bewältigen. Nach dem Ausbau der Strecke von Brüssel nach Lüttich wurde mit der Verbindung über Aachen nach Köln auch Deutschland in das TGV-Netz einbezogen. Im Sommer 2007 wurde eine weitere Verbindung von Paris über Straßburg nach Stuttgart eingeweiht, die seit dem Dezember 2007 weiter über Augsburg bis nach München führt. Ebenfalls seit dem Juni 2007 gibt es eine Streckenführung von Paris über Saarbrücken und Mannheim nach Frankfurt/M.
Das Ausmaß der Fahrzeitgewinne seit Einführung der Hochgeschwindigkeitszüge ist auf der Karte deutlich zu erkennen. Der große Verlierer dieser Entwicklung ist der Luftverkehr: Während die Bahn neue Fahrgäste in Millionenhöhe hinzugewonnen hat, geht das Fluggastaufkommen auf den TGV-Hauptstrecken signifikant zurück.
R. Löttgers, A. Pletsch

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