Frankfurt-Höchst - Produktions- und Forschungsverbund

Dienstleistungsregion Rhein-Main

978-3-14-100803-6 | Seite 45 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 35.000
Frankfurt-Höchst | Produktions- und Forschungsverbund | Dienstleistungsregion Rhein-Main | Karte 45/4

Überblick

Der Chemiestandort Höchst blickt auf eine mehr als 150-jährige Geschichte zurück. 1863 wurde die Teerfarbenfabrik Meister, Lucius & Co. gegründet, aus der letztlich die Hoechst AG hervorging. Das Fabrikgelände südlich von Höchst, das heute den Industriepark Höchst bildet, wurde ab 1874 als Einzelstandort erschlossen (s. Grafik im Atlas). Noch im ausgehenden 19. Jahrhundert war die Produktpalette um Vorprodukte und Arzneimittel erweitert worden.

In den 1970er-Jahren war der Unternehmenssitz der Hoechst AG ein typischer Verbundstandort der chemischen Industrie (s. Grafik im Atlas). Er lag an einem Fluss (Verkehrsweg; Versorgung mit Brauchwasser, Kühlwasser) und war an das Bahnnetz als Haupttransportträger für Rohstoffe und Produkte angebunden. Die ausgedehnten Produktionsanlagen für die verschiedenen Erzeugnisse (Grundstoffe, Farben, Dünger, Pharmaka) waren miteinander vernetzt, um eine effiziente Nutzung von Rohstoffen und Energie zu ermöglichen. Dadurch konnten auch Nebenprodukte in anderen Produktionsketten genutzt werden. Die Stellung als Unternehmenssitz war an Einrichtungen für Verwaltung, Forschung und Entwicklung sowie Vertrieb und Logistik erkennbar. Anfang der 1980er-Jahre war die Hoechst AG das größte Pharmaunternehmen der Welt.

In den 1990er-Jahren wurden die verschiedenen Geschäftsbereiche der Hoechst AG aufgegliedert und das Unternehmen zu einer Management-Holding umgebaut. Viele Teilbereiche wurden herausgelöst und verkauft. Der verbliebene Rest der Hoechst AG ging 2004 im französisch-deutschen Chemie-unternehmen Sanofi-Aventis auf.

Ein Nachfolgeunternehmen der Hoechst AG betreibt heute am einstigen Unternehmenssitz einen der größten Industrieparks in Deutschland. Mit der Umstrukturierung und Auflösung der Hoechst AG war ein tief greifender Wandel der Organisationsstruktur verbunden. Statt eines Großunternehmens wie 1970 sind heute mehr als 90 Einzelunternehmen ansässig, unter anderem auch Sanofi-Aventis (mit 7500 Beschäftigten der größte Arbeitgeber im Industriepark). Schwerpunkte sind neben der Produktion auch Verwaltung, Logistik und Forschung.

Der Betreiber des Industrieparks stellt zahlreiche Dienstleistungen bereit: Energieversorgung, Entsorgung, Sicherheitsleistungen, Logistik, Aus- und Weiterbildung, eine Werksfeuerwehr und ein medizinisches Versorgungszentrum. Moderne Logistikeinrichtungen (Trimodalport mit Umschlag zwischen Wasserstraße, Bahn und Straße) werden von den Unternehmen gemeinsam genutzt. Im südöstlichen Teil befinden sich mehrere Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Darüber hinaus bestehen enge Verbindungen zu den Forschungseinrichtungen und Universitäten in der Region. Zu diesem Dienstleistungsangebot kommen intensive Verflechtungen zwischen den Unternehmen, die von gegenseitigen Aufträgen und Zulieferbeziehungen profitieren.

Im Ergebnis der strukturellen Veränderungen der letzten Jahrzehnte ist ein Chemie-, Pharmazie- und Biotechnologie-Cluster entstanden. Die Beschäftigungszahlen im Industriepark haben sich in den letzten Jahren positiv entwickelt (19 000 Ende der 1990er-Jahre; 22 000 im Jahre 2014).

Europaregion Saar-Lor-Lux – Strukturwandel

Graphiken

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Die Bedeutung von Standortfaktoren am Beispiel der Hightechindustrie

Die entscheidenden Standortfaktoren bestimmen zunächst den Makrostandort (Raum in dem die Produktion stattfinden soll). Anschließend werden Überlegungen zum Mesostandort (Lage der Region) und Mikrostandort (konkrete Platz der Anlage) entschieden.
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