Fjordküste

Skandinavien - physisch

978-3-14-100700-8 | Seite 91 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 1.000.000
Fjordküste |  | Skandinavien - physisch | Karte 91/3

Informationen

Die Region um den norwegischen Sognefjord wird bestimmt durch den scharfen Kontrast zwischen der zerklüfteten, 180 Kilometer ins Landesinnere hineinragenden Meeresbucht und den kahlen bzw. gletscherbedeckten Hochfjellbereichen. Der Kartenausschnitt zeigt den Kernraum der Provinz Sogn og Fjordane, die auf 18 600 km² — bei 2075 Kilometern Küstenlinie! — gut zwei Dutzend Gemeinden mit 106 000 Einwohnern umfasst. Die größeren dieser Gemeinden zählen rund 10 000 Einwohner, erstrecken sich aber meist über ein sehr großes Gebiet von bis zu 1000 km² mit vielen kleinen, weit verteilten Ortschaften. Nur 21 Prozent der Provinz liegen unter 300 Metern, 42 Prozent bei 900 Metern und höher.

Topographie und Klima
Der Sognefjord hat die typischen Merkmale eines norwegischen Fjordes: In das glazial ausgestaltete Trogtal ist das Meer eingedrungen. Die steilen Talwandungen erheben sich 700 Meter und mehr aus dem Wasser und reichen zugleich mehr als 1200 Meter unter den Meeresspiegel. Die Sohlen der fast rechtwinklig abzweigenden Seitenarme liegen auf einem deutlich höheren Niveau als die Sohle des Sognefjords. Dessen Becken erfährt nach Westen hin einen Abschluss in Gestalt eines massiven Felsriegels — ein Beleg für die im Mündungsbereich sprunghaft nachlassende Erosionswirkung des einstmaligen Talgletschers.
Der Golfstrom begünstigt das Klima am und im Fjord. Landwirtschaftliche Klein- und Kleinstbetriebe nutzen die schmalen Aufschüttungsflächen am Hangfuß und die weniger stark geneigten Talböden im Unterlauf der zum Fjord hinführenden Täler.

Infrastruktur und Wirtschaft
Kernstück des Straßennetzes ist die Reichsstraße 5, die über das südöstliche Laerdal den Sognefjord erreicht und über Kaupanger, Sogndal und Förde bis nach Florö am Norddalsfjord, der einzigen Stadt des gesamten Fylkes (Provinz), führt. Zur Verkürzung der Fahrstrecken werden vermehrt aufwendige Tunnelstrecken durch die steilwandigen Fjordhänge gesprengt und weit gespannte Brücken angelegt. Auch der Jostedalsbre-gletscher wird mit einem Tunnel unterquert.
Von großer Bedeutung ist des Weiteren der aufwendige Ausbau der Reichsstraße 13, die, ebenfalls aus dem Laerdal kommend, über Aurland und Gudvangen nach Südwesten in Richtung Bergen führt. 1991 wurden der Flenjatunnel (5 Kilometer) und der Gudvangatunnel (11,5 Kilometer) eröffnet, im Juni 2001 auch der Lærdalstunnel. Letzterer ist mit 24,5 Kilometern der derzeit (2007) längste Straßentunnel der Welt. Um Autofahrer vor Ermüdung zu schützen, wurde die innovativ beleuchtete Strecke leicht kurvig gestaltet und durch drei mächtige Hallen aufgelockert. Um die norwegischen Peripherregionen zu fördern, ist die Reichsstraße, die nun als eine durchgehend winterfeste Straßenverbindung von Oslo nach Bergen dient, mautfrei.
Die Standorte der Aluminiumindustrie in Höyanger und (Övre) Årdal sind energieorientiert. Die dort ansässigen Hütten versorgen sich mit Strom aus eigenen Kraftwerken, die den Höhenunterschied zwischen Hochfjell und Fjord ausnutzen (Kraftwerkskapazität für den Standort Övre Årdal: 300 MW). Das benötigte Bauxit wird mit Seeschiffen herangebracht. Infolge staatlicher Förderungen zur Modernisierung des Aluminiumwerkes hat Norsk Hydro jedoch beschlossen, den Betrieb des Werkes in Höyanger ab 2007 abzuwickeln. In Årdal hingegen war im Januar 2007 Baustart für eine Siliziumschmelze der Firma NorSun.
Das alpine Fjell von Jotunheimen trägt überall sichtbar die Spuren der Vereisung. In dem weitgehend kahlen Gestein sind tiefe Gletscherschrammen erhalten. Der benachbarte Jostedalsbre ist mit einer Ausdehnung von rund 1000 km² und einer Mächtigkeit von 400 bis 500 Metern einer der größten Gletscher Europas.
R. Löttgers

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