Europa - Wirtschaft heute

Europa - Wirtschaft

978-3-14-100870-8 | Seite 118 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 18.000.000
Europa | Wirtschaft heute | Europa - Wirtschaft | Karte 118/3

Überblick

Im Wirtschaftsraum Europa lassen sich sehr unterschiedliche Raumtypen unterscheiden. Zu den letzten naturnahen Landschaften, die wirtschaftlich wenig genutzt werden, zählen vor allem die Tundren Nordeuropas, das nördliche Schottland, einige Gebirgszüge der Alpen und Karpaten sowie inselhaft verstreut einige Regionen in Südeuropa, vor allem auf der Iberischen Halbinsel, in Südfrankreich und auf dem südlichen Balkan.

Als ein fast geschlossener, nur vom Ärmelkanal und den Alpen unterbrochener Kernraum zieht sich ein Streifen hoher Verdichtung von Mittel- und Südengland über den Beneluxraum entlang der Rheinschiene durch die Schweiz bis nach Oberitalien. Dieser wirtschaftliche Kernraum, für den sich der Begriff "Blaue Banane" (Roger Brunet, 1989) eingebürgert hat, hat Ausläufer über den Pariser Raum bis in die Bretagne (Nantes), ins Rhônetal (Lyon), nach München und entlang der mitteleuropäischen Mittelgebirgsschwelle bis nach Oberschlesien. Weitere Gebiete hoher Verdichtung sind die spanischen, französischen und italienischen Mittelmeerküsten, diverse Küstenstandorte in Nordeuropa wie Kopenhagen, Oslo oder St. Petersburg und einige punktuelle Standorte, die sich vor allem im Umfeld der Hauptstädte Süd- und Osteuropas befinden (zum Beispiel: Lissabon, Madrid, Athen, Istanbul, Budapest). Innerhalb der Ukraine und Russlands sind das Donezkbecken, Moskau und sein Umland sowie das Uralgebiet wichtige Verdichtungsräume, zwischen denen allerdings - im Unterschied zu West- und Mitteleuropa - sehr große Entfernungen liegen.

Den flächenmäßig größten Anteil haben Landschaften, die weder naturnah noch hoch verdichtet sind, sondern als von Menschen geschaffenes Kulturland eine vielfältige wirtschaftliche und agrarische Nutzung aufweisen. Große Teile West-, Süd- und Osteuropas, aber auch große Gebiete in Nord-, Mittel- und Ostdeutschland gehören zu dieser Art von Wirtschaftsraum.

Deutschland gehört zu den Staaten mit einer polyzentrischen Raumstruktur, in denen verschiedene Wirtschaftszentren je eigene Schwerpunkte besitzen. Eine monozentrische Raumstruktur weisen demgegenüber Länder wie Frankreich, Dänemark oder Ungarn auf, in denen die Hauptstadtregion eine überragende wirtschaftliche und politische Bedeutung vor allen anderen Landesregionen hat.

Traditionelle Industriegebiete

In der Frühzeit der Industrialisierung siedelten sich die Schwer-industrien aufgrund ihres Rohstoffbedarfs in der Nähe bedeutender Bergbaugebiete an. Zu den traditionellen Industrierevieren gehören die der Mittelgebirgsschwelle vorgelagerten, ehemals im Wesentlichen auf dem Rohstoff Kohle basierenden Räume Mittelenglands, Nordfrankreichs und Belgiens, das Ruhrgebiet, der Industrieraum Halle-Leipzig, Oberschlesien sowie das Montan-Dreieck Saarland -Lothringen - Luxemburg ("Saar-Lor-Lux"). In diesen Gebieten hatte sich schon frühzeitig eine Schwerindustrie entwickelt. Sie geriet in Mittel- und Westeuropa allerdings mit Beginn der Kohle- und Stahlkrise um 1960 in eine tiefe Krise, die zu einem starken Abbau von Arbeitsplätzen führte.

Ein Teil dieser Regionen hat im Zuge eines Strukturwandels neue wirtschaftliche Schwerpunkte setzen können. Brüssel und Luxemburg beispielsweise haben durch Ansiedlung von EU-Behörden bzw. Finanzinstituten eine neue Bedeutung als politisch-kulturelle Zentren oder Finanzzentren gewonnen. Das Ruhrgebiet, in dem allein zwischen 1980 und 2000 rund 500 000 Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe verloren gingen, hat sich zu einem Innovationszentrum mit einem Beschäftigungsanteil von über 80 Prozent im Dienstleistungssektor entwickelt. Schwerpunkte sind dort heute unter anderem die Energie-, Umwelt-, Informations- und Kommunikationstechnik sowie insbesondere Handel und Logistik. In anderen alten Industriezentren ist der Übergang in die post-industrielle Phase trotz positiver Ansätze bis heute nicht so gut geglückt, etwa in Liverpool, das noch immer unter dem Niedergang des industriellen Sektors leidet, während die Transformation in nahe gelegenen Manchester, der wirtschaftsstärksten englischen Stadt nach London und Birmingham, relativ gut gelang.

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Verkehr und Tourismus

Die bedeutenden wirtschaftlichen Zentren Europas sind durch eine moderne und leistungsfähige Infrastruktur miteinander verbunden. Die größte Vielfalt an Verkehrsträgern und die größte Dichte an Auto-bahn- und Schienennetzen gibt es im dicht besiedelten Kernraum der EU. Von dort ausgehend, ist in den letzten Jahren ein gut ausgebautes Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn entstanden.

In peripheren Regionen ist der Verkehr meist auf wenige Trassen beschränkt, das Verkehrsnetz ist weitmaschiger.

Ein wichtiger Bestandteil der guten Verkehrserschließung sind die großen Häfen, etwa in Rotterdam, Hamburg und London, die als Drehkreuze des internationalen Warenhandels fungieren. Nicht weniger bedeutend sind Großflughäfen wie in London, Paris, Frankfurt, Amsterdam oder Madrid. Die Öresundregion um Kopenhagen und Malmö liefert ein gutes Beispiel, wie durch Innovation und wirtschaftliches Wachstum neue Entwicklungskorridore entstehen, mit einer räumlichen Ausstrahlung in die ganze Region.

Außerhalb der Wirtschaftszentren gibt es einige bedeutende Tourismusregionen, die sich, abgesehen vom Alpenraum, nahezu ausschließlich an den Küsten befinden (vgl. Karten 120.1-121.3).

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Globale, kontinentale und nationale Zentren

Nach dem Grad ihrer räumlichen Ausstrahlung haben die europäischen Wirtschaftszentren ein unterschiedliches Gewicht in der globalen Hierarchie. Echte Global Cities, Metropolen von globaler Bedeutung, sind lediglich London und Paris. Merkmale einer Global City sind die Konzentration von global agierenden Unternehmen, die Funktion als internationaler Finanzplatz, die Konzentration wissensintensiver Dienstleistungen, ihre Eigenschaft als Sitz internationaler politischer Institutionen und Akteure sowie die Funktion als globaler Verkehrsknoten.

Als wirtschaftliche Zentren von kontinentaler Bedeutung gelten zum einen einige Hauptstädte wie Berlin, Brüssel, Wien, Rom und Moskau, aber auch hoch verdichtete Wirtschaftsräume wie Randstad in den Niederlanden und die Rhein-Ruhr-Region oder internationale Finanzplätze wie Frankfurt und Zürich. Die meisten bedeutenden Wirtschaftszentren konzentrieren sich im wirtschaftlichen Kernraum Europas, während es auf der Iberischen Halb-insel lediglich drei Städte mit internationaler Bedeutung (Lissabon, Madrid, Barcelona) und im wirtschaftlich weniger entwickelten Balkanraum lediglich Städte von nationaler Bedeutung gibt.

Die wirtschaftlichen Zentren unterscheiden sich nicht nur nach ihrer Ausstrahlung, sondern auch hinsichtlich ihrer Ausrichtung und Branchenstruktur. Es zeigt sich, dass sich die Innovations- und Finanzzentren vor allem im Kernraum konzentrieren, während sie an den Außenrändern nur punktuell vorhanden und von geringerer Ausstrahlung sind. Im wirtschaftlich weniger entwickelten Nordafrika fehlen sie gänzlich, die wenigen Städte mit internationaler Ausstrahlung dort sind vor allem politische und kulturelle Zentren mit einer weniger diversifizierten Wirtschaftsstruktur.

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