Europa - Vernetzte Wirtschaftszentren um 1900

Europa - Wirtschaft

978-3-14-100870-8 | Seite 118 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 18.000.000
Europa | Vernetzte Wirtschaftszentren um 1900 | Europa - Wirtschaft | Karte 118/2

Überblick

Kennzeichnend für die wirtschaftliche Entwicklung Europas bis zur Jahrhundertwende war die enorme Zunahme der nationalen und internationalen Vernetzung im Vergleich zu 1850. Ursächlich dafür war das Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Zum einen wurden die Eisenbahnnetze zwischen 1850 und 1900 von allen Industrienationen aus politischen, militärischen und wirtschaftlichen Gründen forciert ausgebaut, im Deutschen Reich beispielsweise von 7000 auf rund 50 000 Streckenkilometer, in Frankreich von 3000 auf 40 000. Nicht weniger bedeutend war der gleichzeitige Ausbau der Telegraphennetze, meist entlang der Bahntrassen, der zu einer nie dagewesenen Beschleunigung des Nachrichtenwesens und Börsenhandels führte, eine bessere Nutzung vorhandener Strecken ermöglichte und sowohl die Produktion als auch Distribution und Kapitalströme dynamisierte. Mittels der immens ausgeweiteten Schienen- und Telegraphenverbindungen wurden Industrie-, Finanz- und Ballungszentren untereinander vernetzt und an die Überseehäfen, die Drehkreuzen des interkontinentalen Handels, angebunden.

Einen wirtschaftlichen Boom erlebte vor allem Deutschland nach der Reichsgründung 1871. Durch Einführung einer gemeinsamen Währung (Deutsche Mark), den Fall innerdeutscher Grenzen und die Reparationszahlungen aus Frankreich erlebte das Land in der "Gründerzeit" einen enormen Aufschwung. Die Städte im Ruhrgebiet wuchsen rasant, und nicht nur dort: Die Bevölkerung Berlins vervierfachte sich von rund 420 000 (1850) auf 1,9 Mio. Einwohner (1900). 1880 stieg Deutschland zur drittgrößten Industrienation nach Großbritannien und den USA auf; zu neuen Leitsektoren wurden die Elektrotechnik, der Motoren- und Maschinenbau und die Großchemie. 1900 holte Deutschland Großbritannien im Bereich der Stahlproduktion ein und war damit das produktionsstärkste Land des Kontients. Fast ein Drittel seiner Beschäftigten arbeiteten in der Industrie - so viele wie nie zuvor.

Die ökonomische Verflechtung verhinderte nicht, dass die politischen Spannungen und nationalen Rivalitäten zwischen den Ländern Europas im Zeitalter des Imperialismus immer brisanter wurden, bis sie schließlich in den Ersten Weltkrieg mündeten.

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