Europa und Orient - Zeit der ersten Kreuzzüge Ende des 12. Jahrhundert

Geschichte - Vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit

978-3-14-100380-2 | Seite 200 | Abb. 1
Europa und Orient | Zeit der ersten Kreuzzüge Ende des 12. Jahrhundert | Geschichte - Vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit | Karte 200/1

Überblick

Bis 1200 setzte sich der christliche Glaube in fast ganz Europa durch. Seit der Eroberung Spaniens im 8. Jahrhundert durch die Mauren hatte sich allerdings der Islam in Nordafrika, Vorder- und Zentralasien und ab dem 11. Jahrhundert auch in Indien ausgebreitet. Er umschloss Europa von Süden und Osten her und Palästina, das „Heilige Land“, lag im seinem Einflussbereich.

Die Kreuzzüge

Nach einem Hilferuf des byzantinischen Kaisers im Kampf gegen die türkischen Seldschuken rief Papst Urban II. 1095 die Christenheit zu einem Heiligen Krieg zur „Befreiung“ Jerusalems auf. Der 1. Kreuzzug begann im darauf folgenden Jahr. Er führte zur Errichtung verschiedener Kreuzfahrerstaaten: des Königreichs Jerusalem sowie der Fürstentümer Edessa, Antiochia und Tripolis. Als Edessa 1146 von den Seldschuken zurückerobert wurde, kam es 1147 zum 2. Kreuzzug, der mit einem militärischen Desaster noch auf dem Zug durch Kleinasien endete. Die Einnahme Jerusalems durch Sultan Saladin löste den 3. Kreuzzug aus. Unter der Führung Kaiser Friedrichs I. Barbarossa und der Könige Philipp II. von Frankreich und Richard Löwenherz von England verließ eine eindrucksvolle Armee Europa, um das Königreich Jerusalem zurückzuerobern. Der Kaiser, der mit seiner Truppe die Landroute gewählt hatte, ertrank jedoch 1190 in Kleinasien in einem Fluss. Richard Löwenherz nahm auf dem Seeweg Zypern ein. 1191 gelang es ihm, nach längerer Belagerung auch Akkon zu erobern und einen schmalen Küstenstreifen von Tyros bis Jaffa zu sichern. Hier wurde erneut das Königreich ausgerufen. Es folgten noch weitere vier Kreuzzüge, die bereits unterwegs scheiterten oder kaum Erfolg brachten. Zwar konnte Akkon bis zu seinem endgültigen Fall 1291 noch einmal gestärkt werden, aber Jerusalem und die Heiligen Stätten musste man verloren geben.

Hintergründe der Kreuzzugsbewegung

Für die Kreuzzugsbewegung zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert lassen sich neben religiösen auch soziale, demografische, politische und wirtschaftliche Ursachen anführen. Dass die spektakulären Eroberungen der Seldschuken im weit entfernten christlichen Osten eine solche Resonanz in Westeuropa hervorrufen konnten, hing vor allem damit zusammen, dass sich das Christentum durch die hochmittelalterliche Siedlungsverdichtung in Dörfern und Städten sehr stark auf der Ebene des täglichen Lebens durchgesetzt hatte. Nicht weniger entscheidend wirkten sich soziale und demografische Faktoren aus. Durch die Entwicklung des Lehnswesens hatten sich in vielen europäischen Ländern soziale Spannungen entwickelt. Das Bevölkerungswachstum des 11. Jahrhunderts hatte sowohl zahlreiche Bauern als auch einen Teil des niederen Adels landlos gemacht und begünstigte dadurch eine große Auswanderungsbewegung. Für die Kreuzzüge sprachen nicht zuletzt wirtschaftliche Interessen. Mit der Gründung städtischer Siedlungen im Schutz von Ritterburgen, an Klöstern, Wegkreuzungen und Brücken kam es ab dem 10. Jahrhundert zu einer allgemeinen Belebung und Ausweitung des Handelsverkehrs.

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