Europa - Tourismus

Europa – Tourismus

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Überblick


Die Mittelgebirge und Hochgebirge Europas haben sowohl für den Sommer- als auch für den Wintertouristen ein entsprechendes Angebot. Bei den Hochgebirgen sind vor allem die Alpen und die Pyrenäen sehr gefragt.
Für den Wintertouristen sind eine ausreichende Schneesicherheit bei nicht zu niedrigen Temperaturen, eine leichte Erreichbarkeit und eine gute Infrastruktur bei der Wahl des Urlaubsortes entscheidend.
Die mit Abstand wichtigste Zielregion sind die Alpen. Gerade der umsatzstarke Wintertourismus ist hier stärker ausgeprägt als der Sommerreiseverkehr. In bestimmten Regionen, etwa Tirol (außerhalb des Inntals), hat er sogar die Funktion einer Leitökonomie oder anders gesagt: er ist eine wirtschaftliche Lokomotive.
In den Mittelgebirgen und den dazugehörigen Flusstälern sind Wandern und Radfahren die beliebtesten Freizeitaktivitäten. Der neue Trend hin zum so genannten „Wellnessurlaub“ hat diesen Aktivitäten in den vergangenen Jahren eine neue Bedeutung gegeben.
Andere, für den Tourismus weniger bedeutende Gebiete liegen unter anderem in den skandinavischen Gebirgen. Dort spielt der Sommertourismus jedoch eine größere Rolle als der Wintertourismus.

Urlaub mit vielen Gesichtern
Die geographische Lage der Heilbäder und Kurorte orientiert sich oft an geologischen Leitlinien wie Bruchzonen und Verwerfungen. Dort gibt es beispielsweise heiße Quellen bzw. Thermalquellen, die heilende Wirkung haben. Auch der Grad der Luftverschmutzung einer Region kann über den Standort eines Kurortes entscheiden.
Europäische Wallfahrts- und Pilgerorte finden sich in erster Linie in Ländern, deren Bevölkerung überwiegend eine katholische oder griechisch-orthodoxe Konfession hat.
Zum am stärksten wachsenden Segment im Fremdenverkehr gehört der Städtetourismus. Die Billigfluganbieter, z. B. Air Berlin oder Ryanair, tragen ihren Teil dazu bei, indem sie tiefpreisige Transportmöglichkeiten anbieten.
Eine Städtereise ist in der Regel ein Kurzurlaub mit maximal vier Übernachtungen. Auch Geschäftsreisende zählen zur Gruppe der Städtetouristen. In den Großstädten gibt es insgesamt die geringsten saisonalen Schwankungen und die höchsten Besucherzahlen. Die europäischen Hauptstädte sind oft die beliebtesten Ziele.
Ein anderer Trend ist der „Eventtourismus“, bei dem zeitlich befristete Großereignisse im Sport (z. B. Fußballmeisterschaften) oder im Kulturbereich (z. B. Kunstausstellungen) eine große Anziehungskraft auf die Besucher ausüben.

Kreuzfahrten und Kurzreisen
Einen eigenen Charakter haben Kreuzfahrten. Die häufig befahrenen, klassischen europäischen Kreuzfahrtrouten sind auf der Karte eingezeichnet. Bei vielen dieser Schiffsreisen steht die Besichtigung antiker Stätten im Vordergrund.
Von Ende Mai bis September sind die städtischen Zentren an der Ostsee die Ziele vieler Kreuzfahrten. Flusskreuzfahrten konzentrieren sich auf die seit der Romantik touristisch erschlossenen Flusstäler. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang das stark mit Ausflugsschiffen befahrene obere Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz. Auch die Donau ist ein beliebter Fluss für Kreuzfahrten.

Urlaub im Freizeitpark
Große und beliebte Freizeit- und Erlebnisparks liegen fast ausnahmslos in der Nähe von Ballungszentren und sind verkehrstechnisch sehr gut erschlossen. Neben den Tagestouristen gehören mittlerweile auch Kurzzeiturlauber zu der Zielgruppe. Integrierte Themenhotels oder angegliederte Bungalowparks machen dem klassischen Familienurlaub zunehmend Konkurrenz. Das Disneyland Resort Paris zählt zu den beliebtesten Freizeitparks. Im Jahr 2010 waren es bereits rund 15 Millionen Besucher.

H. Job, J. Seibel

Info Plus

Die Karte zeigt die touristischen Zielgebiete Europas, ihre räumliche und saisonale Differenzierung und die wichtigsten Formen des Tourismus. Durch die historische Zuordnung der Destinationen in den Zeitraum vor bzw. nach 1960 wird der erhebliche Bedeutungsgewinn des Tourismus als Wirtschaftsfaktor in den letzten Jahrzehnten deutlich.

Küsten und Inseln als Destinationen
Quellgebiete des Tourismus sind vor allem die dicht bevölkerten Industrieländer im klimatisch gemäßigten Norden mit ihren großen Verdichtungszentren. Zielgebiete sind in erster Linie die Küsten, vor allem die der Mittelmeerländer und der mediterranen Inseln, allen voran Mallorca. Diese Plätze zählen zu den meistbesuchten Destinationen der Erde. Ein hervorragender Pull-Faktor ist das warme, sonnenreiche Klima; hinzukommen ausgedehnte, landschaftlich abwechslungsreiche Küstenstriche.

Gebirge als Destinationen
Die Mittelgebirge und Hochgebirge Europas dienen in unterschiedlichem Maße der Sommer- und Wintererholung. Für den Wintersport sind ausreichende Schneesicherheit bei nicht zu niedrigen Temperaturen, eine leichte Erreichbarkeit und die entsprechende Infrastruktur — etwa die Erschließung mit Aufstiegshilfen, planierte Skipisten, aufgrund der Klimaerwärmung neuerdings auch flächendeckende Beschneiungseinrichtungen — notwendige Voraussetzungen. Die mit Abstand wichtigste Destination sind die Alpen. Gerade der umsatzstarke Wintertourismus ist hier vielfach stärker ausgeprägt als der Sommerreiseverkehr, in bestimmten Regionen, etwa Tirol (außerhalb des Inntals), hat er sogar die Funktion einer Leitökonomie. Andere, viel weniger bedeutende Gebiete finden sich vereinzelt in den skandinavischen Gebirgen, sodann bevorzugt im Übergangsgebiet zwischen atlantischem und Kontinentalklima im Riesengebirge, der Hohen Tatra, außerdem in den Pyrenäen, der Sierra Nevada, im Dinarischen Gebirge und im Rhodopengebirge. Auch in diesen Regionen ist der Wintertourismus häufig umfangreicher als das Gästeaufkommen im Sommerhalbjahr.
Im Sommer werden die Gebirge des Mittelmeerraums traditionell für die Sommerfrische in Anspruch genommen, um der großen Hitze zu entfliehen, so die Sabiner Berge / Abruzzen, die Cevennen und die Sierra de Guadarrama. Auch in West-, Mittel- und Nordeuropa dienen Bergländer der sommerlichen Erholung. In Mittelgebirgen und den dazu gehörigen Flusstälern sind Wandern und Radfahren die beliebtesten außerhäuslichen Freizeitaktivitäten. Mit dem Wellnesstrend gewannen diese Aktivitäten in den letzten Jahren kontinuierlich an Bedeutung.

Weitere Zielgebiete
Zu den ältesten Fremdenverkehrsarten überhaupt zählt der Pilgertourismus. Wallfahrts- und Pilgerorte finden sich in Ländern Europas mit vorwiegend katholischer und griechisch-orthodoxer Bevölkerung.
Die Lage der Heilbäder und Kurorte folgt vielfach geologischen Leitlinien wie Bruchzonen und Verwerfungen. In Gebieten ehemaliger vulkanischer Aktivität wie dem französischen Zentralmassiv lässt sich ebenfalls eine Konzentration von Heilbädern erkennen. Auch ein günstiges Bioklima, etwa durch Reizstärke oder besonders reine Luft, kann über die Standortgunst entscheiden.
Der Städtetourismus, der immer auch Kulturtourismus ist, ist momentan das am stärksten wachsende Marktsegment im Fremdenverkehr — nicht zuletzt aufgrund der "Schnäppchenpreise" von Billigflug-Anbietern. Der Städtetourismus ist überwiegend ein Kurzzeittourismus mit maximal vier Übernachtungen. Anziehungspunkte sind vor allem architektonische Relikte der Stadtgeschichte, besonders profane und sakrale Baudenkmäler, aber auch Museen, Theater, Ausstellungen usw. Daneben spielen breit gefächerte Einkaufs- und Unterhaltungsmöglichkeiten eine bedeutende Rolle. Ein neuer Trend ist der "Eventtourismus", bei dem zeitlich befristete Großereignisse im Sport (z. B. Fußballeuropa- oder -weltmeisterschaften) oder im Kulturbereich (z. B. Kunstausstellungen oder Musikwochen) eine große Anziehungskraft auf die Besucher ausüben.
Zum Bereich des Städtetourismus zählen überdies der beruflich motivierte Geschäftsreiseverkehr und der Messe- und Kongressreiseverkehr, die häufig genutzt werden, um die Beherbergungskapazitäten in den nachfrageschwachen Zeiten besser auszulasten. Insgesamt weisen die Großstädte die geringsten saisonalen Schwankungen und die höchsten Besucherzahlen auf. Gerade die europäischen Hauptstädte und Metropolen stechen hier als Topdestinationen klar hervor, beispielsweise Wien mit rund 9 Mio. Übernachtungen pro Jahr bei einer typischen durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von nur 2,3 Tagen.

Kreuzfahrten und Kurzreisen
Einen eigenen Charakter, auch durch ihr hohes Image, haben Kreuzfahrten. Die klassischen europäischen Kreuzfahrtrouten bei einer Reisedauer von 10 bis 14 Tagen sind auf der Karte eingezeichnet. Bei vielen dieser Schiffsreisen, die bevorzugt im Sommerhalbjahr unternommen werden, steht die Besichtigung antiker Stätten im Vordergrund. Die Küsten des westlichen Mittelmeeres und die Balearen werden auf einwöchigen Kreuzfahrten meist ab Genua besucht. Ein neues Marktsegment sind seit einigen Jahren Club-Kreuzfahrten, die eher jüngere Reisende ansprechen. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren in der warmen Jahreszeit Nordlandfahrten aufgrund der besonderen Landschaftserlebnisse, der Mitternachtssonne und des Polarlichts beliebt. Von Ende Mai bis September sind die städtischen Zentren an der Ostsee das Ziel vieler Kreuzfahrten ab Kiel, Travemünde, Kopenhagen oder Rostock, dem derzeit wichtigsten Kreuzfahrthafen in Deutschland. Flusskreuzfahrten konzentrieren sich auf die seit der Romantik touristisch erschlossenen Flusstäler, allen voran auf den Rhein. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang das stark mit Ausflugsschiffen befahrene obere Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz. Stark frequentiert ist des Weiteren die Donau, besonders auf dem Abschnitt von Passau über Wien nach Budapest. Auch auf Elbe, Mosel, Rhône und Wolga finden Flusskreuzfahrten statt.
Großflächige und stark besuchte Freizeit- und Erlebnisparks liegen fast ausnahmslos in der Nähe städtischer Ballungszentren und sind verkehrstechnisch immer sehr gut erschlossen. Sie besitzen traditionell einen hohen Stellenwert für den Tagestourismus, werden aber mit ihren integrierten Themenhotels oder angegliederten Bungalowparks immer wichtigere Destinationen für den seit Jahren boomenden Kurzzeittourismus (vgl. 47.2), der dem klassischen Familien-Jahresurlaub zunehmend Konkurrenz macht. Mit über 12 Mio. Besuchern pro Jahr führt das Disneyland bei Paris die Rangliste in Europa an.
H. Job