Europa - Staatssprachen und Sprachminderheiten

Europa - Staaten

978-3-14-100700-8 | Seite 76 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 36.000.000
Europa | Staatssprachen und Sprachminderheiten | Europa - Staaten | Karte 76/3

Informationen

Die Mehrzahl der europäischen Sprachen zählt zum indoeuropäischen Sprachstamm und verwendet die lateinischen Schriftzeichen. Das Ursprungsgebiet dieser großen Sprachenfamilie ist vermutlich der Raum zwischen Mitteleuropa und dem Ural. Ob die Träger einem einheitlichen indoeuropäischen "Urvolk" zuzurechnen sind, ist stark umstritten. Die wesentlichen Sprachzweige in Europa sind die germanischen, romanischen und slawischen Sprachen. Die estnische, finnische, ungarische und türkische Sprache weisen keinerlei Verwandtschaft zur indoeuropäischen Sprachfamilie auf.
Ausgehend von einem Zentrum zwischen Mitteleuropa und dem Ural haben sich die Indoeuropäer um 2000 v. Chr. in expandierende Völkerschaften aufgelöst. Während die eine Stoßrichtung auf den indischen Subkontinent und nach Vorderasien zielte, ging die andere Bewegung nach Europa hinein. Die Entstehung der indoeuropäischen Einzelsprachen hat sich dabei sowohl durch Abspaltung als auch durch Vermischung mit autochthonen Sprachelementen ergeben.
Bei den germanischen Sprachen unterscheidet man zwei Gruppen: die westgermanischen (Englisch, Deutsch, Niederländisch, Friesisch) und die nordgermanischen Sprachen (Schwedisch, Dänisch, Norwegisch, Isländisch).
Die slawischen Sprachen zerfallen in Ostslawisch (Russisch, Ukrainisch, Weißrussisch; kyrillische Schrift), Westslawisch (Tschechisch, Slowakisch, Sorbisch, Polnisch, Kaschubisch; lateinische Schrift) und Südslawisch (Slowenisch, Serbokroatisch, Bulgarisch, Makedonisch; bis auf Slowenisch kyrillische Schrift). Die romanischen Sprachen — die alle aus dem Lateinischen hervorgingen, das durch die Expansion des Römischen Reiches weite Teile Europas erreichte und auch nachhaltig beeinflusste — werden nicht weiter unterteilt.
Durch kriegerische und friedliche Expansion der europäischen Völker kam es im Laufe der Jahrtausende zu Rückzugsgebieten und Inselbildungen von Sprachen. Beispiele hierfür liefern die keltischen Sprachen in Wales, der Bretagne und in Irland, das Katalanische in Spanien, die slawisch-sorbische Sprachinsel in Mitteldeutschland oder das Rätoromanische in der Schweiz und das Ladinisch in Südtirol. Zu diesen Rückzugssprachen zählen auch das Baskische in Spanien und Frankreich oder das Kurdische im Vierländereck Türkei, Syrien, Irak und Iran. Einige dieser Volksgruppen pochen auf ihre sprachliche, kulturelle und ethnische Identität und fordern nationale Autonomie oder Selbstständigkeit.
Esten, Finnen und Ungarn zählen zur ural-altaischen Sprachfamilie, deren Ursprungsgebiet an der Wolga und im Ural zu suchen ist. Während das finnische Hauptvolk der Suomi bereits um 1000 v. Chr. seine heutigen Wohnsitze erreichte, gelangten die Ungarn erst um 900 n. Chr. in die Ebenen zwischen Theiß und Donau.
D. Bode, M. Felsch

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