Europa - Physische Übersicht

Europa - Orientierung

978-3-14-100870-8 | Seite 98 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 18.000.000
Europa | Physische Übersicht | Europa - Orientierung | Karte 98/2

Überblick

Europa ist streng geographisch kein Kontinent, sondern ein Subkontinent, der zusammen mit Asien den Kontinent Eurasien bildet. Ungeachtet dessen ist es üblich, Europa aufgrund seiner langen Geschichte und Kultur als eigenständigen Kontinent zu betrachten. Wo genau die Grenze zu Asien verläuft, ist allerdings nicht klar definiert, weil politische, kulturelle und naturräumliche Grenzlinien nicht übereinstimmen.

Großregionen

Nordeuropa: In Skandinavien überlagern sich nord-südlich ausgerichtete geologische Strukturen (Urkontinent und angefaltetes kaledonisches Gebirge) mit einer klimatischen Nord-Süd-Zonierung und einer Differenzierung nach der Höhenlage. Dem Gebirge der Skanden im Westen und Nordwesten stehen die Teilbecken der Ostsee und weitgehend ebene Landschaften im Osten (Südfinnland) und Süden (Jütland, Südschweden) gegenüber. Die Skanden haben in Teilen Hochgebirgscharakter und tragen Gletscher.

Der skandinavische Raum war während der letzten Kaltzeiten von Inlandeis bedeckt. Entsprechend zeigen die Oberflächenformen an Küsten, in Tälern und in den Ebenen vielfältige Spuren glazialer und periglazialer Einwirkung und Formung; dazu zählt auch der Reichtum an Seen.

Eine Sonderstellung hat Island, das auf dem Mittelatlantischen Rücken aufliegt, was sich durch aktive Tektonik und Vulkanismus (unter anderem Geysire) bemerkbar macht. Aufgrund der nördlichen Lage dominiert hier eine subarktische Tundrenvegetation.

Großbritannien ist gekennzeichnet durch den Gegensatz zwischen den flachwelligen Stufenlandschaften im Südosten und den kaledonischen bzw. variskischen Mittelgebirgen der Penninen, des Schottischen Hochlandes und der Cambrian Mountains. Die Nachbarinsel Irland weist vergleichbare Gegensätze auf.

Westeuropa: Frankreich umfasst vor allem ebene bis hügelige Tiefländer, Becken und Tafelländer, die durch Atlantik, Mittelmeer, Pyrenäen, Alpen und Vogesen markant begrenzt werden. Die einzigen Gebirge, die neben den Alpen und den Pyrenäen größere Höhen erreichen, sind das Zentralmassiv und die Cevennen im Süden. Zwischen Vogesen und Zentralmassiv einerseits sowie Jura und Alpen andererseits liegt eine Grabenzone, der die Flüsse Saône und Rhône folgen. Nördlich der Ardennen besteht im Bereich der Mündungen von Rhein, Maas und Schelde eine breite Übergangszone zu Mitteleuropa.

Mitteleuropa: Mitteleuropa bildet ein Übergangsgebiet zwischen dem maritimen Westeuropa und dem kontinentalen Osteuropa. Es ist durch eine Dreiteilung seines Reliefs in Tiefland, Mittelgebirge und Hochgebirge charakterisiert. Die Gestalt des mitteleuropäischen Tieflandes wurde stark von den Eiszeiten und ihren mächtigen Ablagerungen geprägt. Die Mittelgebirgszone baut sich vor allem aus mehreren Gebirgen wie Harz, Erzgebirge und Schwarzwald auf, aber auch aus eingelagerten Becken, Senken und Gräben. Diese bestehen aus Schollen, die während der alpidischen Gebirgsbildung teils absanken, teils empor gehoben wurden. Während auf Hochschollen das Deckgebirge abgetragen und das Grundgebirge freigelegt wurde, konnte sich das Deck-gebirge in den Senken und niedrigen Mittelgebirgen erhalten. Nach Süden hin leitet das Alpenvorland zu den Alpen über.

Alpenraum: Die Alpen sind Teil des jungen alpidischen Faltengebirgsgürtels. Sie bilden als Hochgebirge eine klimatische und historische Grenze zwischen Mittel- und Südeuropa. Während sie im Süden zur Poebene scharf begrenzt sind, haben sie im Norden ein breites Vorland, dessen Grenze etwa durch Donau und Aare markiert wird. Für den Alpenraum ist die Verbindung von Massiven mit gefalteten und verschobenen Gesteinsdecken charakteristisch. Erstere sind aus den Schwellen des Geosynklinalmeeres entstanden, Letztere aus dessen Trögen.

Südwesteuropa: Der südwestliche Mittelmeerraum wird durch das Nebeneinander von Hochgebirgslandschaften und dem stark gegliederten Mittelmeer mit seinen Inseln bestimmt. Die älteren Gebirge stammen aus der variskischen Gebirgsbildungsphase (Zentralmassiv, Kern der Iberischen Halbinsel, Hochland der Schotts im Norden Algeriens). Mit ihnen eng verzahnt sind die jüngeren Gebirge der alpidischen Phase (Pyrenäen, Alpen, Apenninen, Er-Rif, Atlas). Zwischen den europäischen und nordafrikanischen Gebirgen liegt das Mittelmeer, dessen Inseln der alpidischen Phase entstammen. Vulkanismus und Erdbeben weisen auf eine aktive Tektonik hin.

Zwischen den Gebirgen oder in sie eingebettet liegen weitläufige Ebenen (Po), Gräben (Rhône), Täler (Ebro) oder weitgespannte Becken (Kastilien). Diese Bereiche sind von besonderer Bedeutung für die Besiedlung und Wirtschaft; ähnliches gilt für die Küstensäume.

Südosteuropa: Südosteuropa, der östliche Mittelmeerraum und die Türkei haben ihre Gestalt fast vollständig im Zuge der alpidischen Gebirgsbildung erhalten. Die Gebirgsketten haben teilweise Hochgebirgscharakter (unter anderem Karpaten, Kaukasus). Ausnahmen bilden die von großen Flüssen durchströmten Landschaften des Pannonischen Beckens und des türkischen Anatoliens. Einige größere Ebenen entstanden durch Ablagerung von Flusssedimenten an den Küsten (zum Beispiel Donau).

Im Osten liegen innerhalb der Gebirgslandschaften große Seen wie der Vansee und der Urmiasee. Schmale Küstensäume leiten von den Gebirgsketten zum Mittelmeer und seinen Randmeeren mit ihren zahlreichen kleinen Inseln über. Zypern und Kreta, die größten Inseln im östlichen Mittelmeere, haben Gebirgscharakter. Auch diese Region ist aufgrund aktiver tektonischer Störungslinien von Erdbeben bedroht.

Osteuropa: Weiträumige Niederungen, Tafel- und Hügelländer bestimmen die Oberflächengestalt. Lediglich im Südosten (Karpaten) und im Süden (Jailagebirge auf der Krim) begrenzen Gebirge mit größeren Höhen das Osteuropäische Tiefland. Im Süden Osteuropas liegen mit dem Kaspischen Meer, dem Asowschen Meer und dem Schwarzen Meer drei große Binnenmeere, hinzu kommt im Norden die Ostsee. Zu Mitteleuropa besteht eine breite Übergangszone (Polen).

Innerhalb des Osteuropäischen Tieflandes fallen zwei große, nord-südlich ausgerichtete Platten auf, die nirgendwo 400 Meter Höhe überschreiten. Das nördliche Osteuropa wurde, vergleichbar dem Norden Mitteleuropas, während der Kaltzeiten glazial überformt. Das Eis erreichte etwa an der Linie Lemberg-Kiew-Kasan seine maximale Ausdehnung. Außerhalb des Gebiets der jüngsten Vereisung entstand ein besonders breiter Lössgürtel, der heute die Basis einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung ist. Spuren der letzten Kaltzeit sind die zahlreichen Seen im Norden Osteuropas.

Die großen Ströme, die die Niederungen durchfließen, sind ebenso markant und auffällig wie die Eingriffe des Menschen in das Gewässernetz. Im Winter sind die Flüsse oft über Monate zugefroren.

Siedlungsstrukturen und Ballungsräume

In Europa gibt es nur drei Ballungsräume, die mit über 10 Mio. Einwohnern zu den Megacities zählen (London, Paris, Moskau), aber zahlreiche Verdichtungsräume mit einer Millionenbevölkerung in unterschiedlicher Höhe, die gewisse Siedlungsmuster erkennen lassen.

Erkennbar ist ein Band, das - mit Unterbrechungen - von Mittelengland über die Beneluxstaaten und die Rheinachse bis Norditalien reicht. Es entspricht dem wirtschaftlichen Kernraum der EU (in Raummodellen als "Blaue Banane" bezeichnet). Randstad und Ruhrgebiet sind typische Beispiele für polyzentrische Ballungsräume aus mehreren gleichrangigen, miteinander verwachsenen Städten.

Paris, Berlin und Moskau sind dagegen typische Einkernballungen. Von ihnen gehen sternförmig Siedlungsachsen in das Umland aus.

Einen dritten Siedlungsschwerpunkt bilden die Küstenräume, in denen, wie am nördlichen Mittelmeer erkennbar, überdurchschnittlich viele Ballungsräume entstanden sind. Vergleichsweise dünn besiedelt Gebiete finden sich dagegen oft im Landesinneren.

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