Europa nach dem Ersten Weltkrieg (1920/21)

Europa - Staaten seit 1914

978-3-14-100770-1 | Seite 92 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 36.000.000
Europa nach dem Ersten Weltkrieg (1920/21) |  | Europa - Staaten seit 1914 | Karte 92/2

Informationen

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Grenzen in Europa neu gezogen. Deutschland musste Gebietsabtretungen hinnehmen, die 1919 im Versailler Friedensvertrag festgelegt wurden. Auf dem Gebiet der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie konstituierten sich die Nachfolgestaaten (Deutsch-)Österreich, dem eine Vereinigung mit Deutschland untersagt wurde, Ungarn und die Tschechoslowakei. Andere Teile der Habsburger Monarchie fielen an Italien, Polen, Rumänien und an das neu gebildete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen.

Neue Machtverhältnisse
In Russland hatten 1917 die Bolschewisten die Macht übernommen, 1918 wurde das Land zur Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik. Die "Roten" setzten sich im Bürgerkrieg gegen die von auswärtigen Mächten unterstützten "Weißen" durch, mussten aber Gebietseinbußen hinnehmen. In der Ukraine und in Weißrussland war die Unabhängigkeit nur von kurzer Dauer. In Polen jedoch, seit dem Wiener Kongress ein in Personalunion mit Russland verbundenes Königreich, wurde 1918 die Republik ausgerufen. Auch die ehemals russisch-baltischen Provinzen erklärten sich als Estland, Lettland und Litauen 1918 für unabhängig. Finnland, ehemals Großherzogtum des russischen Zaren, war schon 1917 souverän geworden und wurde 1919 Republik.
Während die Grenzen von Portugal und Spanien unverändert blieben, konnte Italien im Norden und Osten kleinere Gebiete hinzugewinnen, Elsass-Lothringen ging an Frankreich. In Irland war 1916 die unabhängige Irische Republik ausgerufen worden, die 1921, nach der Abtretung der Provinz Ulster (Nordirland) an Großbritannien, zum Freistaat wurde. Island wurde 1918 zu einem in Personalunion mit Dänemark verbundenen, selbstständigen Königreich.
Der Erste Weltkrieg stürzte in den vier europäischen Großmächten Deutschland, Österreich-Ungarn, Russland und dem Osmanischen Reich die Monarchien. Es gelang jedoch nicht, zwischen den älteren und neuen Nationalstaaten eine dauerhafte und stabile politische Ordnung zu schaffen. Einerseits schwelten Territorialkonflikte. Andererseits waren die neuen Grenzen von Ländern wie Polen, der Tschechoslowakei und des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen relativ willkürlich und ohne Rücksicht auf die dort lebenden Völker gezogen worden. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker, wie es der amerikanische Präsident Woodrow Wilson formuliert hatte, wurde hier missachtet. Weiterhin förderte der von nahezu allen politischen Kräften als hart und ungerecht empfundene Versailler Vertrag den deutschen Revanchismus.

Der Völkerbund
Angeregt durch US-Präsident Wilson wurde 1919 der Völkerbund gegründet. Es war der Versuch, eine Institution zu schaffen, die bei Interessenkonflikten zwischen einzelnen Staaten für einen friedlichen Ausgleich sorgt. Seine Mitgliedsstaaten mussten sich zur Ausarbeitung eines Abrüstungsplans sowie zur gegenseitigen Achtung der territorialen Integrität und politischen Souveränität verpflichten. Gegen Mitglieder, die für militärische Aggressionen verantwortlich waren, sollten Sanktionen beschlossen werden. Für internationale Streitfragen war ein Schiedsgerichtsverfahren zuständig. Zu den Organen des Völkerbundes zählten u. a. Kommissare für die unter der Verwaltung des Völkerbundes stehenden Gebiete (Danzig, Saargebiet), eine Kommission zur Bekämpfung der Sklaverei und der Internationale Gerichtshof in Den Haag.
Das grundlegende Problem des Völkerbunds war, dass die USA, die ihm Gewicht hätten geben können, nicht beitraten. Auf humanitärem Gebiet konnte der Völkerbund einige Leistungen vorweisen und in den 1920er-Jahren auch kleinere europäische Konflikte beilegen. Er scheiterte allerdings mit dem Versuch, die territoriale Integrität der Mitgliedsstaaten und den internationalen Frieden zu erhalten, wenn die Interessen einer Großmacht (u. a. USA, Großbritannien, Sowjetunion) berührt waren. Gegen die aggressive Außenpolitik des faschistischen Italien und des nationalsozialistischen Deutschland zeigte er sich machtlos.
K. Lückemeier, E. Astor

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