Europa - Herkunft der Reisenden/volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus

Erde – Tourismus

978-3-14-100782-4 | Seite 183 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 40.000.000
Europa | Herkunft der Reisenden/volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus | Erde – Tourismus | Karte 183/4

Informationen

Mit dem Tourismus verbinden sich soziale Aspekte, er hat Auswirkungen auf die Umwelt und prägt nicht zuletzt die Ökonomie. Für eine ganze Reihe von Ländern ist der Tourismus heute ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor. Die Karte weist dazu den Anteil am Bruttoinlandsprodukt aus, der durch den Tourismus wertgeschöpft wird. Auffällig ist, dass die Werte besonders bei Inselstaaten wie Malta (18,8 Prozent), in Entwicklungs- und Schwellenländern und bei kleineren, eher einfach strukturierten Volkswirtschaften wie Kroatien (über 23 Prozent) hoch sind; hier hat der Tourismus oftmals eine überragende Stellung. Dies gilt auch für weite Teile der Alpen (Österreich).
Die Reiseverkehrsbilanz zeigt an, wie viele Devisen ein Land aus dem Tourismus einnimmt. Länder mit einer aktiven Bilanz wie Spanien (+29,6 Mrd. Euro) nehmen mehr Gelder durch den Inbound-Tourismus (Ausländerreiseverkehr nach Spanien) ein als sie an monetären Abflüssen durch den Outbound-Tourismus (Reisen von Spaniern ins Ausland) verlieren. Bei ihnen handelt es sich meist um Zielregionen des Erholungstourismus mit Aufenthaltsdauern von fünf Tagen und mehr. Insbesondere die nördlichen Mittelmeer-Anrainerstaaten Spanien, Frankreich, Italien, Türkei, Griechenland und Kroatien sowie einige osteuropäische Länder, etwa Tschechien, Ungarn und Polen sind zu dieser Gruppe zu zählen.
Länder mit passiver Reisebilanz wie Deutschland (—37 Mrd. Euro, höchster Wert in Europa) stellen viele Auslandsurlauber, haben zugleich aber einen vergleichsweise bescheidenen Ausländerreiseverkehr. Dieser kann allerdings auf regionaler Ebene wirtschaftlich bedeutsam sein, wenn sich die Touristen aus dem Ausland auf ausgewählte Ziele wie etwa München konzentrieren. Bei der Beurteilung des Stellenwertes muss auch berücksichtigt werden, dass in der Reiseverkehrsbilanz weder der Binnentourismus (Reisen der Deutschen innerhalb Deutschlands) noch der gerade für Städte bedeutsame Tagestourismus Berücksichtigung finden. Hinter Deutschland rangieren Großbritannien (—22,7 Mrd. Euro) sowie die Niederlande, Belgien, Norwegen, Schweden und Dänemark. Auch Russland (—7,4 Mrd. Euro) weist eine negative Bilanz aus, da die Reiseausgaben der Russen im Ausland im Vergleich zu 1998 angestiegen sind. Dass aber auch Deviseneinkünfte Russlands aus dem Tourismus stiegen, zeigt die zunehmende Attraktivität des größten Landes der Erde als Reiseziel.
Hinsichtlich der räumlichen Verteilung der Übernachtungen (2004) führen in Europa die Kanarischen Inseln (79 Mio.), gefolgt von der Ile de France (59,7 Mio.), den Balearen (58,6 Mio.), Katalonien (58,1 Mio.) und dem Veneto (54,6 Mio.). Mit Ausnahme von sechs Regionen — der Ile de France mit Paris, Oberbayern mit München, der Lombardei mit Mailand und den drei alpenländischen Hochgebirgsregionen Rhône-Alpes, Bozen und Tirol — handelt es sich ausschließlich um Ziele am Meer und damit um typische Sommerurlaubsziele; hier sind auch Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein einzuordnen. Der Prozentsatz inländischer Gäste ist in deutschen Tourismusregionen — verglichen mit den übrigen Gebieten der europäischen Top-20-Rangliste — mit 79 bis 97 Prozent sehr hoch.
H. Job

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Entwicklung der Touristenzahlen weltweit

Die Entwicklungsländer stehen den Verdichtungsräumen infrastrukturell wenig entwickelte Gebiete gegenüber. Die Folge ist eine Stadt-Land-Wanderung, die die räumlichen Disparitäten noch verstärkt. Erst mit der touristischen Erschließung erhalten alle Sektoren einen wirtschaftlichen Anstoß. Gleichzeitig entstehen zwischen den neuen Wachstumspolen neuen Ungleichgewichte.
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