Europa - Energie

Europa - Wirtschaft

978-3-14-100803-6 | Seite 99 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 40.000.000
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Überblick

Die bedeutendsten europäischen Stromerzeuger sind – in dieser Reihenfolge – Russland, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien (s. Karte). In der Kombination der für die Stromerzeugung eingesetzten Primärenergien zeigen sich zum Teil wesentliche Unterschiede zwischen den europäischen Staaten. Während in Ländern wie Deutschland, Spanien und Rumänien der Energiemix relativ differenziert ausfällt, dominieren beispielsweise in Polen, Frankreich, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden einzelne Primärenergieträger.

Das europäische Stromverbundsystem

Elektrische Energie wird in Europa auf nationaler und internationaler Ebene übertragen und ausgetauscht. Deutschland produzierte im Januar 2014 rund 51 000 GWh Strom, verbrauchte aber nur rund 46 000 GWh. Der Unterschied von rund 5000 GWh entspricht aber nicht der exportierten Menge. Vielmehr exportierte Deutschland rund 7500 GWh Strom und importierte seinerseits rund 2500 GWh. Die Exporte gingen vor allem in die Nachbarländer (Niederlande, Schweiz, Österreich und Polen). Viele Länder sind für Deutschland sowohl Empfänger von Stromexporten als auch Quelle von Stromimporten. Im Januar 2014 wurden aus Deutschland 426 GWh Strom nach Tschechien exportiert, von dort wurden aber auch 642 GWh importiert. Es ergibt sich ein kompliziertes Mosaik von Austauschbeziehungen, denn Strom wird von den Anbietern dort eingekauft, wo er zum Beispiel besonders günstig ist oder mit einem bestimmten Energieträger erzeugt wird (Wasserkraft für Ökostrom).

Voraussetzungen für internationale Stromaustauschprozesse sind unter anderem einheitliche Standards für die Netztechnik, den Netzbetrieb und die Strommärkte. Diese Aufgabe nimmt seit 2009 der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) war.

Die ENTSO-E hat fünf Regionalbereiche, neben den jeweils eigenständigen Staaten Irland und England sind es die drei baltischen Staaten, Nordeuropa einschließlich Island und das restliche Kontinentaleuropa (ohne Russland, Weißrussland und Moldawien). Dänemark gehört teilweise zum nordeuropäischen, teilweise zum kontinentalen Stromverbund. In diesen fünf Regionalbereichen bestehen jeweils einheitliche Stromnetze, die allerdings aus technischen Gründen nicht zu einem großen europäischen Netz zusammengeschaltet werden können. Großbritannien, Irland und Island betreiben aufgrund ihrer Insellage eigene Verbundnetze. In Osteuropa betreibt Russland ein eigenes Stromnetz.

Eine wichtige Aufgabe der Verbundnetze besteht darin, bei Unregelmäßigkeiten in den Netzten der jeweiligen Partner kurzfristig einzuspringen, um beispielsweise übermäßige Spannungs- oder Frequenzschwankungen zu vermeiden.

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Strommix und Energieträger

Die Anteile der zur Stromerzeugung insgesamt eingesetzten Primärenergien in den einzelnen europäischen Staaten hängen unter anderem von den jeweiligen naturräumlichen Bedingungen wie dem Vorhandensein von Energierohstoffen und der Nutzbarkeit der Wasserkraft ab. In Ländern wie Österreich und der Schweiz ist beispielsweise das Potenzial für die Wasserkraftnutzung wegen des Reliefs der Alpen und der zahlreichen Flüsse besonders groß; dies spiegelt sich in der Stromerzeugung. Die ausgeprägte Nutzung der Wasserkraft führt in beiden Ländern aber auch zu jahreszeitlichen Schwankungen in der Stromerzeugung. Exportiert wird elektrische Energie deshalb von Österreich und der Schweiz vornehmlich in den wasserreichen Sommermonaten. Bestand beim Stromaustausch zwischen Deutschland und der Schweiz im Januar 2014 ein Überschuss zugunsten Deutschlands (1440 GWh), lag im Juni 2014 ein Überschuss von 255 GWh zugunsten der Schweiz vor.

Andere Länder greifen auf eigene Lagerstätten konventioneller Energieträger zurück, zum Beispiel Polen beim Einsatz der Steinkohle oder die Niederlande beim Erdgas.

Strukturen, die durch naturräumliche Faktoren nicht oder nur unvollkommen begründet werden können, sind oft auf energiepolitische Rahmenvorgaben zurückzuführen. So wurde in Deutschland und in anderen europäischen Staaten unter der Parole „Weg von Öl und Gas“ nach den sogenannten Ölpreiskrisen der 1970er-Jahre die Nutzung von Kohle und vor allem von Kernenergie immer bedeutsamer. In Deutschland wurde damit eine vom Weltmarkt weitgehend unabhängige und gleichzeitig preisgünstige Versorgung mit elektrischer Energie angestrebt. Ein anderes Beispiel für die Auswirkung von Rahmenvorgaben sind die Beschlüsse und Strategien Deutschlands hinsichtlich des Atomausstiegs und der Förderung regenerativer Energien.

Die umfangreichen französischen Stromexporte (v. a. nach Italien, in die Schweiz, nach Großbritannien und Deutschland) haben ihre Ursache hingegen im starken Ausbau der Kernenergienutzung in Frankreich, mit der das Land rund drei Viertel seines Stroms erzeugt.

Künftige Entwicklungen auf dem Strommarkt werden wesentlich dadurch bestimmt sein, mit welchen Strategien und Maßnahmen die EU ihr erklärtes, erst zum Teil erreichtes Ziel eines europäischen Energiebinnenmarktes verfolgt und welche Ergebnisse sie dabei erreicht. Außerdem spielen zunehmend auch Anstrengungen zum Klimaschutz eine entscheidende Rolle.

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