Europa - Bevölkerung

Europa - Bevölkerung

978-3-14-100700-8 | Seite 88 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 24.000.000
Europa | Bevölkerung | Europa - Bevölkerung | Karte 88/1

Informationen

In Europa ist die Wachstumsrate der Bevölkerung gering. Nur in Irland, Island, Luxemburg, Zypern und der Türkei erreichte bzw. überstieg sie im Zeitraum 1990—2005 die Einprozentmarke, während viele der südost-, ost- und mitteleuropäischen Länder eine negative Entwicklung zu verzeichnen hatten. Generell gilt, das die Bevölkerung in fast allen europäischen Ländern in demographischer Hinsicht altert, weil auf der einen Seite die Lebenserwartung zunimmt, während auf der anderen Seite die Zahl der Geburten und die durchschnittliche Kinderzahl pro Familie abnimmt.

Verteilungsmuster
Die Karte zeigt die ungleichmäßige Verteilung der Bevölkerung in Europa. Nur im Norden Russlands und Skandinaviens, auf Island sowie in den Höhenlagen der Alpen und Pyrenäen ist der Kontinent mit weniger als zehn Einwohnern pro Quadratkilometer sehr dünn besiedelt. Einschränkende Faktoren sind hier die Kälte- und die Höhengrenze. Polwärts liegt die Höhengrenze wesentlich niedriger als in den Alpen, wo nur die höchsten Teile wie die Tauern und das Berner Oberland Werte weniger als einem Einwohner pro Quadratkilometer aufweisen. Zwar hat hier, wie in anderen Gebirgsländern, mit der "Höhenflucht" eine wirtschaftlich bedingte Abwanderung der Bergbauern stattgefunden, jedoch hat die Fremdenverkehrsentwicklung diese kompensiert.
Auffallend ist in vielen Ländern die relativ dichte Besiedlung der Küstensäume, die sich ausgeprägt in Italien, Spanien und Portugal, aber auch an der Schwarzmeer- und Nordseeküste findet. Dichtere Siedlungsbänder finden sich auch an einigen Flüssen, die häufig, ähnlich wie die Küsten, agrarische Gunsträume markieren.
Dass sich die Bevölkerungsverteilung trotz dieser Muster keineswegs allein auf Naturfaktoren zurückführen lässt, belegt die vielleicht auffälligste Erscheinung auf der Karte, das Dichteband höchster Bevölkerungskonzentration (vgl. "Blaue Banane", 85.2), das von Großbritannien bis Oberitalien verläuft und in seinen nicht klar definierten Grenzen rund zwei Drittel der Einwohner der EU umfasst. In dieser wirtschaftlich dynamischen Achse Europas, die durchaus kein geschlossenes Gebilde ist, sondern sich aus aneinandergereihten Verdichtungs- und Ballungsräumen zusammensetzt, befindet sich der Großteil der europäischen Industrie. Diese ist allerdings für die Erwerbsstruktur und Wirtschaftsleistung seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert gegenüber den Dienstleistungen von abnehmender Bedeutung. Wichtiger erscheint heute, dass sich mit Städten wie Brüssel auch die politischen Entscheidungszentren und mit Verdichtungsräumen wie London, Rhein-Main oder Zürich die Zentren hochrangiger Dienstleistungen (zum Beispiel Banken und Börsen) in diesem Dichteband konzentrieren. In dünner besiedelten großflächigen Einheiten wie den Binnenländern Frankreichs und Spaniens tritt die Zentralität und Bedeutung der Hauptstadtagglomerationen hervor (Paris, Madrid).

Wanderungsbewegungen
Bevölkerungskonzentrationen, wie sie in der großen Verdichtungsachse von Großbritannien bis Oberitalien zum Ausdruck kommen, sind Resultat des Verstädterungsprozesses in hochindustrialisierten und dienstleistungsbetonten Staaten. Keinesfalls sind diese Ballungsräume und Verdichtungsgebiete heute durchweg Regionen wirtschaftlicher Dynamik, trotz ihrer teilweise vorhandenen infrastrukturellen Vorteile. Industriereviere wie das Ruhrgebiet, die ihren Aufstieg der Montanindustrie verdanken, verzeichneten infolge der Kohle- und Stahlkrise einen negativen Wanderungssaldo. Auch einige Verdichtungsräume in den neuen Bundesländern mussten nach 1990 Wanderungsverluste hinnehmen. Allerdings lässt sich sagen, dass der Strukturwandel gerade der Montanregionen vom schwerindustriellen Bergbau- und Hüttenwesen hin zu einer leichtindustriell-dienstleistungsorientierten Wirtschaft in vielen Fällen erfolgreich geglückt ist, insbesondere wenn der Bedeutungsverlust der Schwerindustrie nicht zusätzlich durch eine Transformation des Wirtschaftssystems verschärft worden ist.
Die Wanderungsverluste in den früheren Abwanderungsgebieten, besonders den peripheren ländlichen Räumen, haben sich zum Teil verringert, mitunter sogar aufgehoben. Eine Umkehrung des Prozesses der Bevölkerungskonzentration etwa im Sinne einer "counterurbanization" ist in Europa allerdings noch nicht zu verzeichnen. Vielmehr beweisen die Verdichtungszonen eine große Konsistenz. Attraktive Verdichtungsräume wie München zeigen positive Wanderungssalden. Bedeutungsverschiebungen und Verlagerungen vollziehen sich freilich immer wieder zwischen den einzelnen Verdichtungszentren.
W. Storkebaum

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