Europa - 1939 (vor dem Zweiten Weltkrieg)

Geschichte - Territorialer Wandel in Europa von 1914 bis 1949

978-3-14-100390-1 | Seite 215 | Abb. 4
Europa | 1939 (vor dem Zweiten Weltkrieg) | Geschichte - Territorialer Wandel in Europa von 1914 bis 1949 | Karte 215/4

Überblick

Die Karte zeigt Europa vor dem Abschluss des Nichtangriffsvertrags zwischen Deutschland und der Sowjetunion (Hitler-Stalin-Pakt), der eine Aufteilung Osteuropas in Interessensphären vorsah. Weißrussland und die Ukraine, die sich im Zuge der russischen Revolution für unabhängig erklärt hatten, waren nach dem sowjetisch-polnischen Krieg von 1920 teils an Russland, teils an Polen gefallen. Ein charakteristisches Merkmal der politischen Entwicklung im Europa der Zwischenkriegszeit war der Zusammenbruch zahlreicher junger Demokratien vor allem in Süd-, Mittel- und Osteuropa und ihre Ersetzung durch autoritäre, faschistische oder – im Falle Deutschlands – totalitäre Regimes. Zu den vielfältigen Ursachen dieses Phänomens zählten unter anderem soziale Disparitäten, ein aggressiver Nationalismus, innenpolitische Macht- und Verteilungskämpfe und die Weltwirtschaftskrise (ab 1929). Deutschland wurde seit 1933 von den Nationalsozialisten regiert. Nach der innenpolitischen Konsolidierung ihrer Regierungsgewalt (Machtergreifung, Gleichschaltung) rückten sie 1936 in die entmilitarisierten Rheinlande ein. 1938 folgte der „Anschluss“ Österreichs und die Eingliederung der sudetendeutschen Gebiete (Böhmen und Mähren), 1939 die Besetzung der restlichen Tschechoslowakei. In Italien hatte Benito Mussolini 1922 unter dem Versprechen einer nationalen Erneuerung seinen „Marsch auf Rom“ begonnen und den König gezwungen, die Faschisten an der Regierung zu beteiligen. In Spanien wurde ein Jahr später mit der Zustimmung des Königs eine Militärdiktatur errichtet. 1926 führte Marschall Józef Pi?sudski in Polen einen Staatsstreich aus, der ihn ungeachtet der formalen Beibehaltung von Verfassung und Parlament de facto zum Alleinherrscher machte. Zwei Jahre später beseitigte ein Militärputsch in Portugal das parlamentarische System. 1929 errichtete Alexander I. in Jugoslawien eine „Königsdiktatur“; das Parlament wurde aufgelöst, die Verfassung aufgehoben. 1934 kam es in Estland und Lettland nach Staatsstreichen zur Errichtung autoritärer Präsidialregime. Im selben Jahr ließ Zar Boris III. von Bulgarien alle politischen Parteien seines Landes verbieten. 1936 errichtete Joannis Metaxas in Griechenland per Staatsstreich eine Diktatur. 1938 mündete die Willkürherrschaft Karls II. von Rumänien ebenfalls in offene Tyrannei. 1939 erkämpfte sich der diktatorische General Franco nach einem dreijährigen Bürgerkrieg in Spanien die Macht und besiegelte das Ende der Zweiten Republik (ab 1931).