Essen-Margarethenhöhe - Gartenstadt

Deutschland - Stadtstrukturen

978-3-14-100803-6 | Seite 79 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 10.000
Essen-Margarethenhöhe | Gartenstadt | Deutschland - Stadtstrukturen | Karte 79/3

Überblick

Die Siedlung Essen-Margarethenhöhe ist eine Gartenstadt. Ihre wichtigsten Merkmale sind:

• die funktionale Trennung von Wohnen und Arbeiten (erst möglich durch die Verkehrsentwicklung: Stadtbahn),

• die eigene städtische Infrastruktur (Geschäfte des täglichen Bedarfs, Post, Polizei, Schulen, Kirchen, Kindergarten, Sportplatz),

• die Anordnung um ein Zentrum und das eigene städtebauliche Ensemble,

• die Bildung in sich geschlossener Nachbarschaften,

• die Abwechslung in Grund- und Aufriss (z. B. Wechsel von trauf- und giebelständiger Bauweise) und

• die Anpassung an ein vorhandenes Relief,

• die Eingliederung bestehender Wasserflächen und Baumbestände.

Die Siedlung, vielfältig künstlerisch ausgestaltet mit Elementen des Jugendstils, ist ein einmaliges städtebauliches Ensemble. Durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen, steht es nach originalgetreuem und detailgerechten Wiederaufbau seit 1987 zum größten Teil unter Denkmalschutz.

Konzeption und Umsetzung

Die Konzeption der Gartenstadt kam aus England. Eine Gartenstadt sollte im Idealfall durch einen Grüngürtel von der Zentralstadt getrennt sein, maximal 32 000 Einwohner beherbergen, eine relativ geringe Wohndichte aufweisen, in Nachbarschaftssegmente gegliedert sein und auch die erforderlichen Arbeitsplätze bereitstellen.

Die Gründung der Gartenvorstadt Essen-Margarethenhöhe ging auf eine private Initiative zurück. Aus Anlass der Hochzeit ihrer Tochter Berta richtete Margarethe Krupp 1906 eine Stiftung ein, die zunächst mit einer Million Mark und 50 Hektar Baugelände ausgestattet war. Auf diesem und auf zugekauftem Land entstand zwischen 1910 und 1939, kaum unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, die weit über das Ruhrgebiet hinaus bekannte Siedlung Margarethenhöhe. Sie wurde vom Architekten Georg Metzendorf konzipiert.

Bis 1931 hatte die Stiftung Margarethenhöhe errichtet: 755 Häuser mit insgesamt 1332 Wohnungen, 2 Gastwirtschaften, 2 Bäckereien, 1 Metzgerei, 1 Kaufhaus, 1 Friseur, 1 Krupp-Konsum, 1 Apotheke, 1 Buchdruckerei, 1 Polizeistation, 1 Werkhaus mit 3 Werkstätten und 1 Atelier, 1 Ateliergebäude mit 10 Ateliers, 1 Garagenhaus mit 17 Boxen und 1 Reparaturwerkstatt, 1 Volksschule mit 20 Klassen, 1 Spiel- und Sportplatz, 1 Tennisplatz. Hinzu kamen: 1 katholische Kirche und 1 evangelisches Gemeindehaus, 1 Jugendherberge (heute: Altersheim), später noch 1 Postamt, 1 Kindergarten, einige weitere Geschäfte des täglichen Bedarfs. Die Einwohnerzahl schwankte in der Vorkriegszeit zwischen 6000 und 8000, im Jahr 1954 wurde die Höchstzahl von 9695 Einwohnern erreicht. Heute leben gut 7000 Menschen in Margarethenhöhe.

Ab 1962 entstand südlich der Lührmannstraße im Stil der späten 50er-Jahre die Siedlung Margarethenhöhe II mit drei zentralen achtgeschossigen Punkthochhäusern, umgeben von viergeschossigen Wohnblocks und Doppel- und Einfamilienhäusern im Randbereich. In den Jahren 1988 bis 1990 wurde auch diese Siedlung nach einheitlichem Konzept saniert.

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