Erwerbsstruktur

Europäische Union

978-3-14-100700-8 | Seite 86 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 36.000.000
Erwerbsstruktur |  | Europäische Union | Karte 86/1

Informationen

Ausschlaggebend für die unterschiedliche Wirtschaftsstruktur in den verschiedenen Teilen Europas waren zum Teil die natürlichen Gegebenheiten, mehr noch aber die historischen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen seit dem Beginn des Industriezeitalters. Da zwischen den einzelnen Wirtschaftssektoren erhebliche Produktivitätsunterschiede bestehen, geben die jeweiligen Erwerbstätigenanteile in Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistung erste Hinweise sowohl auf die zurückliegenden als auch auf künftige Entwicklungen.

Räumliche Polarisierung
Die Agrarregionen mit einem hohen Erwerbstätigenanteil im primären Sektor liegen in den peripheren Lagen an den Außenrändern der EU. Die Industrieregionen mit einem noch immer beträchtlichen Anteil von Beschäftigten im sekundären Sektor profitieren hingegen von den Standortvorteilen ihrer zentralen Lage im Herzen der EU. Zunehmend gleichmäßiger verteilt sind die Standorte des — in sich heterogenen — tertiären Sektors, dem im Hinblick auf den Strukturwandel bei der regionalen Beschäftigungssituation eine besondere Bedeutung zukommt. Wichtige Branchen des Dienstleistungssektors wie Finanzdienstleistungen, Consulting, Wissenschaft, öffentliche und private Verwaltungen konzentrieren sich besonders auf die großstädtischen Ballungs- und nationalen Entscheidungszentren.

Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt
Mit der abnehmenden Bedeutung der Rohstofforientierung, vor allem in der Eisen- und Stahlerzeugung, bekamen die alten Industrieregionen zunehmend Konkurrenz, zunächst durch Küstenstandorte, dann auch durch Drittländer. Mehr noch aber hat sich durch die Entwicklung neuer Technologien eine stetige Verlagerung der Erwerbsstruktur zugunsten des tertiären Sektors vollzogen: In nahezu allen traditionellen Industrieregionen hat der Dienstleistungsbereich inzwischen einen Beschäftigtenanteil von mehr als 50 Prozent.
Für die stark agrarbetonten Regionen an den Außenrändern der EU hat dieser sektorale Strukturwandel die problematische Konsequenz, dass sich in ihnen künftig noch weniger Beschäftigungsalternativen im Industriesektor bieten werden. Zwar stehen in einigen peripheren Regionen natürliche Ressourcen für den Fremdenverkehr zur Verfügung, auch gibt es einige Hafenstädte, die aus ihrer geographischen Lage Vorteile im Handel mit den Märkten außerhalb der EU ziehen können. Dennoch wird die EU-Regionalpolitik zukünftig den tertiären Sektor verstärkt bei ihren Förderungsmaßnahmen berücksichtigen müssen.
H. Müller, F.-J. Kemper

Graphiken

Bild

Großbritannien/Groß London

Download

Google Maps

Zur Orientierung

Die Lage und Ausdehnung dieser Diercke Karte kannst Du Dir zur Orientierung als Kartenrahmen in Google Maps anzeigen lassen.

Jetzt orientieren