Ernährung/Bildung/Gesundheit

Erde – Menschheit

978-3-14-100782-4 | Seite 188 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 140.000.000
Ernährung/Bildung/Gesundheit |  | Erde – Menschheit | Karte 188/2

Überblick


Die Vereinten Nationen verabschiedeten im Jahr 2000 die so genannten Millennium Development Goals (Millenium-Entwicklungsziele). Darin räumten sie der Bekämpfung von extremer Armut und Hunger auf dieser Welt einen besonderen Platz ein. Auch die Versorgung mit Trinkwasser sollte spürbar verbessert werden.
Dennoch hat sich die Situation vieler Menschen auf dieser Erde in den letzten Jahren eher verschlechtert statt verbessert. 1995 gab es etwa 790 Millionen hungernde Menschen, im Jahr 2004 waren es schon annähernd 842 Millionen. Am stärksten betroffenen sind dabei Frauen und Kinder.

Ernährungslage
Zwischen den verschiedenen Kontinenten bestehen große Unterschiede. Vor allem in Europa und Nordamerika ist die Versorgungslage bereits seit über 30 Jahren auf einem hohen Stand.
Der südlich der Sahara gelegene Teil von Afrika ist hingegen die mit Abstand am stärksten von Hunger und Armut betroffene Region. In einigen Ländern liegt der durchschnittliche tägliche Energiegehalt, den ein Mensch über die Nahrung zu sich nimmt, deutlich unter dem durchschnittlichen Energiebedarf.
Hinzu kommt, dass sauberes und sicheres Wasser dort kaum flächendeckend zur Verfügung steht. Eine relativ sichere Ernährungssituation gibt es nur in wirtschaftlich stärker entwickelten Ländern, wie Südafrika, Nigeria, Äquatorialguinea, Gabun und den nordafrikanischen Staaten. Dort sind die Produktion und der Handel von Lebensmitteln verhältnismäßig gut. Viele andere Länder, wie Burundi, Mauretanien, Kenia, Somalia, Niger und Ruanda sind auf Nahrungsmittelimporte angewiesen.

Asien und Lateinamerika
In Asien und Lateinamerika gibt es nur wenige Länder mit einer unsicheren Nahrungsversorgung. Oft hat diese Situation mit einer unterschiedlichen Nahrungsverteilung innerhalb der Gesellschaften zu tun. Unterernährte Menschen verdienen häufig nicht genug, um sich die Lebensmittel leisten zu können.
Insgesamt soll sich die Lage in Entwicklungsländern verbessern. Im Jahr 2015 sollen es dann 580 Millionen und im Jahr 2030 nur noch 430 Millionen Menschen sein. Das wären rund 7 Prozent der Weltbevölkerung. Ob diese Zahlen jedoch wirklich erreicht werden, bleibt ungewiss.

Bildung und Gesundheit
In den Ländern des südlichen Afrika können viele Menschen nicht lesen und schreiben, weshalb dort die Analphabetenrate weltweit am höchsten ist. Dabei handelt es sich um rund 135 Millionen Menschen, die ohne diese Fähigkeiten leben. In Burkina Faso, Mali und Niger sind es 70 Prozent der dort lebenden Bevölkerung.
Rund 759 Millionen Menschen weltweit sind Analphabeten. Über die Hälfte von ihnen sind Frauen, da es in vielen Ländern für Mädchen und Frauen immer noch verboten ist, zur Schule zu gehen.
Auch die medizinische Versorgung ist nicht so gut. In vielen Ländern des südlichen Afrika kommt ein Arzt auf über 10 000 Hilfsbedürftige. Eine gute medizinische Versorgung spricht jedoch noch nicht für ein gutes medizinisches System. Viele Menschen leben in Armut, da sie auf medizinische Versorgung angewiesen sind und ihnen keine geeignete und erschwingliche Absicherung für diesen Fall zur Verfügung steht.

M. Felsch, K. Heyden, J. Seibel

Info Plus

Die Welternährungssituation und der Zugang zu sauberem Trinkwasser waren die Thema des Weltentwicklungsberichtes 2006 "Beyond scarcity: Power, poverty and the global water crisis". Obwohl der Bekämpfung von extremer Armut und Hunger und der Verbesserung der Trinkwasserversorgung bei den Millenniums-Entwicklungszielen der Vereinten Nationen von 2000 oberste Priorität eingeräumt wurde, hat sich die Situation in den letzten Jahren eher noch verschlechtert. 1995 gab es etwa 790 Mio. hungernde Menschen, bis 2001 ging ihre Zahl leicht auf 775 Mio. zurück, dann stieg sie bis 2004 wieder auf 842 Mio. Menschen an; am stärksten betroffenen sind Frauen und Kinder.

Zur Ernährungssituation
Zwischen den verschiedenen Weltregionen bestehen große Unterschiede. Afrika südlich der Sahara, wo sich die meisten Least Developed Countries befinden, ist mit Abstand am stärksten von Hunger und Armut betroffen. Die Versorgungslage hat sich dort in den letzten Jahren in einigen Ländern sogar noch verschlechtert. Hinzu kommt, dass sauberes und sicheres Wasser dort kaum irgendwo flächendeckend zur Verfügung steht. Eine relativ sichere Ernährungssituation gibt es außer in den Ländern Nordafrikas nur in Südafrika, Nigeria, Äquatorialguinea und Gabun, während viele andere Staaten wie Burundi, Mauretanien, Kenia, Somalia, Niger, Ruanda auf Nahrungsmittelimporte angewiesen sind.
In Asien und Lateinamerika gibt es nur wenige Länder, in denen Probleme auftreten, die mit denen in großen Teilen Afrikas vergleichbar sind. Eine Teilgruppe umfasst solche mit seit längerem anhaltenden Bürgerkriegen wie beispielsweise Afghanistan und Haiti. Daneben gibt es aber sowohl hier als auch dort eine große Gruppe von Ländern, in denen es neben einer relativ schmalen Ober- und Mittelschicht eine große verarmte Bevölkerungsmehrheit gibt, die dauerhaft quantitativ oder qualitativ unterversorgt ist.

Hunger und Unterernährung
Hunger ist das Ergebnis vollständigen Nahrungsentzugs oder einer über längere Zeit andauernden drastischen Verringerung der Nahrungsaufnahme, durch die die Betroffenen täglich um 20 Prozent oder mehr unter der zur Mindestversorgung nötigen Menge liegen. Alter, körperliche Konstitution und Arbeitsanforderungen beeinflussen die Höhe der Mindestenergiemenge, im Durchschnitt liegt sie bei 1800 bis 2200 kcal bzw. bei 7500 bis 9200 kJ pro Tag und Person. Die Durchschnittswerte, die zumeist als Indikator dienen, sagen allerdings nichts über die Verteilung und die Zugangsmöglichkeiten in einem Land aus.
Wird der Mindestbedarf auch nur geringfügig über eine längere Zeit unterschritten, spricht man von quantitativer Unterernährung. Ernährung ist aber mehr als Energieaufnahme. Es kommt auch auf die ausgewogene Versorgung mit bestimmten Nährstoffen wie Eiweißen, Vitaminen und Mineralstoffen an, die häufig nicht gewährleistet ist. In diesem Fall handelt es sich um eine qualitative Unterernährung, einem Problem, das häufig auch in Schwellenländern auftritt.
M. Felsch, K. Heyden

Graphiken

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Die Ernährungslage der Welt nach dem Welthungerindex (2003)

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Nahrungsmittelproduktion, Unterernährung und Bevölkerungsentwicklung

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Ernährungssituation

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