Erde - Welthandel mit Rohstoffen

Erde - Globalisierung

978-3-14-100870-8 | Seite 44 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 120.000.000
Erde | Welthandel mit Rohstoffen | Erde - Globalisierung | Karte 44/2

Überblick

Viele Industriestaaten sind in hohem Maße vom Import von Energierohstoffen und metallischen Rohstoffe aus geringer entwickelten Ländern abhängig. Letztere dagegen können durch den Export von Bergbauprodukten wichtige Außenhandelseinnahmen erzielen.

Länder wie die Golfstaaten, Algerien, Nigeria und Norwegen erzielen hohe Einnahmen vor allem aus der Förderung und dem Export der Energierohstoffe Erdöl und Erdgas. Bei Exportanteilen von zum Teil über 70 Prozent muss von einer wirtschaftlichen Monostruktur gesprochen werden, aus der sich hinsichtlich der möglichen Erschöpfung von Rohstofflagerstätten bzw. einer sinkenden Nachfrage auf dem Weltmarkt erhebliche Risiken ergeben können.

Andere Länder wie Russland, Australien, Südafrika und Venezuela verfügen über ein deutlich größeres Spektrum an Rohstoffen, die sie fördern und exportieren können. Sie sind ausgesprochene Bergbaunationen.

Dass in Ländern wie den USA und besonders China zum einen große Mengen unterschiedlichster Rohstoffe gefördert werden, zum anderen aber die Exportbedeutung von Rohstoffen vergleichsweise niedrig ist, lässt auf einen hohen Anteil von im Land selbst verarbeiteten Rohstoffen schließen. Solche Länder sind von internationalen Rohstoffmärkten nur teilweise oder gar nicht abhängig.

Welche politischen, ökologischen und sozialen Folgen die Förderung von Rohstoffen haben kann, zeigt das Beispiel Zentralafrika (s. 46.2).

Handel mit Energierohstoffen

Die bekannten Vorkommen der fossilen Energierohstoffe Erdöl und Erdgas, Stein- und Braunkohle liegen weit über die Erde verstreut, mit einem deutlichen Schwerpunkt in der nördlichen Hemisphäre. Der Reichtum dieser Vorkommen hat geologische Gründe und ist unabhängig vom Energiebedarf des betreffenden Landes. Deshalb sind viele hochindustrialisierte Staaten wie Deutschland oder Japan gezwungen, ihren überdurchschnittlich hohen Energiebedarf weitgehend durch Importe zu decken.

Nach den Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA), der neben den USA und Kanada unter anderem auch Australien, Japan und die meisten europäischen Staaten angehören, hat sich der globale Primärenergieverbrauch seit 1970 weit mehr als verdoppelt. Zu den größten Verbrauchern - gemessen am Primärverbrauch pro Einwohner - gehören derzeit die USA und Kanada, Australien, einige Golfstaaten, Norwegen, die Benelux-Staaten und Island. Den geringsten Pro-Kopf-Verbrauch haben die Menschen in Afrika, Südamerika und in den Schwellenländern Süd- und Südostasiens. Größte Energieverbraucher in absoluten Zahlen sind China und die USA, mit deutlichem Abstand gefolgt von Russland, Indien, Japan, Kanada und Deutschland.

Der wichtigste fossile Energieträger ist derzeit das Erdöl. Der größte Erdölimporteur weltweit sind die USA, gefolgt von China, Indien und Japan. Die größten Erdölimporteure der EU sind Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien. Der Anteil des Erdöls am Weltenergiemix wird nach gegenwärtigen Prognosen in den folgenden Jahren zwar sinken, dennoch wird es auch 2030 noch rund ein Drittel des globalen Energiebedarfs decken.

Erdgas trägt derzeit zu knapp einem Viertel zum weltweiten Energiemix bei. Die wichtigsten Förderländer sind die USA und Russland mit einem Anteil von jeweils rund 20 Prozent. Andere wichtige Förderstaaten sind Kanada, Großbritannien, die Niederlande und Norwegen, Algerien, Usbekistan, Indonesien und die Staaten der Golfregion.

Der Anteil der Kohle an der Deckung des Weltenergiebedarfs ist seit 1970 kontinuierlich gesunken. Der einstmals wichtigste Energieträger weltweit trägt heute nur noch rund 30 Prozent zum globalen Energiemix bei. Die größten Fördermengen verzeichnet China, gefolgt von den USA, Indien, Indonesien und Australien. Wichtigste Exporteure waren Indonesien und Australien (zusammen rund 60 % der weltweiten Exporte). Experten befürchten, dass der Anteil der Kohle wieder steigt, weil sie vor allem in Indien, China und Indonesien eine zentrale Rolle bei der Energieversorgung einnehmen wird. Sollten sich diese Prognosen bewahrheiten, wird die Emission von Treibhausgasen bis Mitte des 21. Jahrhunderts um mehr als 50 Prozent über dem heutigen Niveau liegen.

Mehr anzeigen

Handel mit metallischen Rohstoffen

Während viele metallische Rohstoffe noch um die Jahrtausendwende so günstig waren wie nie zuvor, schossen die Preise durch die wirtschaftliche Entwicklung in Schwellenländern wie China in den letzten Jahren rasant in die Höhe.

Weil sich die weltweite Stahlproduktion seit 1990 weit mehr als verdoppelt hat, wurde der Abbau von Eisenerzen in allen wichtigen Förderländern stark intensiviert; die wichtigsten unter ihnen waren China, Australien und Brasilien. Da die Erze aus Übersee nicht nur qualitativ besser, sondern aufgrund der besseren Förderungsbedingungen auch wesentlich günstiger sind, haben viele ehemalige europäische Förderländer wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien den Abbau von Eisenerz inzwischen eingestellt.

Die Hauptabnehmerländer von Buntmetallen wie Kupfer, Blei, Zink und Zinn sind - in je unterschiedlicher Reihenfolge - die USA, China, Japan und Deutschland. Zinn, als Rohstoff vor allem in der Elektroindustrie und der chemischen Industrie sowie für die Herstellung von Getränkedosen und Verpackungen eingesetzt, wird vor allem von den USA, Japan, Deutschland und China nachgefragt. Die wichtigsten Förderländer außer China waren Indonesien, Peru und Bolivien. Die gleiche Reihenfolge auf der Nachfrageseite gibt es bei Blei, das bevorzugt von der Elektroindustrie, dem Maschinenbau und der chemischen Industrie verwendet wird. Sprunghafte Zuwachsraten verzeichnete zuletzt die Nachfrage nach Kupfer, vor allem für die Elektro-, Elektronik- und Telekommunikationsindustrie. Die mit Abstand größten Vorkommen finden sich in Chile, gefolgt von China, den USA, Peru und Australien. Bei Zink, das vor allem für galvanisierte Stahlprodukte verwendet wird, hat sich China an die Spitze der Abnehmerländer gesetzt.

Edelmetalle wie Gold werden als Wertanlage und in der Schmuckindustrie, in bedeutendem Umfang aber auch in der Elektronikbranche eingesetzt. Beim Abbau und Handel mit Gold hat sich die Situation auf dem Weltmarkt stark verändert. Der langjährige Spitzenreiter Südafrika fiel dabei durch die Erschöpfung seiner Vorkommen deutlich zurück. Heute liegt Südafrika hinter China, Australien, den USA, Russland und Peru auf dem sechsten Platz unter den Förderländern. Die bedeutendsten Vorkommen von Silber finden sich Peru, Mexiko, Australien und China.

Mehr anzeigen

Graphiken

Bild

Profil entlang des Panamakanals

Verbindung der Weltmeere mittels des Panamakanals
Download