Erde - Verstädterung

Erde - Bevölkerung

978-3-14-100384-0 | Seite 179 | Abb. 4
Erde | Verstädterung | Erde - Bevölkerung | Karte 179/4

Überblick

Während 1950 noch rund 70 Prozent aller Menschen weltweit auf dem Land lebten, gab es 2006 erstmals in der Menschheitsgeschichte ebenso viele Städter wie Landbewohner. Und dieser Trend zur Verstädterung setzte sich seitdem ungebrochen fort: 2015 lebten bereits 54 Prozent aller Menschen in Städten, 2030 werden Städter nach aktuellen Prognosen einen Anteil von 60 Prozent an der Weltbevölkerung haben, bis 2050 soll ihr Anteil auf 70 Prozent steigen.

Urbanisierung in Industrie- und Entwicklungsländern

Der Verstädterungsgrad liegt in allen Industrieländern und einem Teil der Schwellenländer schon heute mindestens über 50 Prozent, zu einem großen Teil über 75 Prozent. Im Durchschnitt weisen die Industrieländer einen Urbanisierungsgrad von 77 Prozent auf. In diesen Ländern, in denen der Trend zur Verstädterung bereits mit Beginn der Industrialisierung im späten 18. und 19. Jahrhundert einsetzte, ist der Prozess heute im Wesentlichen abgeschlossen. Zwar wird es auch hier weiterhin urbane Wachstumszentren geben, dennoch erwarten die Experten für die kommenden 25 Jahre nur noch eine vergleichsweise moderate Zunahme der Stadtbevölkerung. Ein besonders starkes Wachstum werden hingegen auch in naher Zukunft viele Großstädte in den Schwellen- und Entwicklungsländern erleben, in denen sich der Urbanisierungstrend seit etwa 1975 massiv verstärkt hat. In diesen Ländern ist die Verstädterung Indikator eines für Entwicklungsländer typischen Entwicklungsgefälles zwischen Stadt und Land und massiver Strukturprobleme. Die Stadtbevölkerung wächst dort ebenso rasant wie unkontrolliert, weil auf dem Land die Erwerbsmöglichkeiten fehlen. Verstärkt wird diese Tendenz durch das natürliche Bevölkerungswachstum, das gerade in Entwicklungsländern oft überdurchschnittlich hoch ausfällt (siehe Karte 178.3 „Bevölkerungsentwicklung“). Da der Ausbau der städtischen Infrastruktur mit dem Bevölkerungswachstum nicht Schritt halten kann, haben sich in den letzten Jahrzehnten die Slums und Armenviertel in vielen urbanen Zentren unkontrolliert ausgeweitet. Wie die Karte zeigt, hat die Slumbevölkerung vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern der Südhemisphäre inzwischen einen erheblichen Anteil an der Stadtbevölkerung.

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