Erde - Rohstoff-Zulieferung aus dem Kongo für die Handy-Herstellung

Afrika - Wirtschaft

978-3-14-100382-6 | Seite 129 | Abb. 3
Erde | Rohstoff-Zulieferung aus dem Kongo für die Handy-Herstellung | Afrika - Wirtschaft | Karte 129/3

Überblick

In einem Handy werden etwa 60 verschiedene Stoffe verarbeitet. Dazu zählen Kunststoffe (50 %), Metalle (25 %), Glas und Keramik (16 %). Zu den rund 30 im Handy verwendeten Metallen gehören Kupfer (15 %), Eisen (3 %), Aluminium (3 %), Nickel (2 %) und Zinn (1 %) sowie geringe Mengen an Silber, Gold und anderen Metallen (1 %). Mit Kobalt, Gallium, Indium, Niob, Tantal, Wolfram und den Platingruppenmetallen zählen allein sieben Stoffe zu den kritischen bzw. seltenen Metallen, deren Vorkommen weltweit immer knapper wird. Tantal wird aus Coltan (auch Koltan) gewonnen, einem Mineralgemisch, das zu den Erzen zählt. Darüber hinaus enthält ein Handy Seltene Erden, die in sehr geringen Mengen verwendet werden.

Coltan – Handyrohstoff aus der D. R. Kongo

Die D. R. Kongo gehört zu den Gebieten mit dem größten und ergiebigsten Vorkommen von Coltan. Viele Minen im Ost-Kongo stehen unter Kontrolle bewaffneter Gruppen, die mit dem Erlös aus dem Coltan-Verkauf ihren „Krieg“ im Kongo finanzieren (seit 1995 mindestens 5 Millionen Tote). Daneben gibt es ca. 10 Millionen Kleinschürfer, die unter extrem schlechten Arbeitsbedingungen Coltan abbauen.

Die Produktionskette eines Handys

Die Karte zeigt beispielhaft einen Teil der Produktionskette eines Handys, nämlich die Weiterverarbeitung der im Kongo dafür gewonnenen Rohstoffe. Coltan und Zinn aus der D. R. Kongo sowie Coltan aus der Zentralafrikanischen Republik werden über den Hafen von Daressalam in Tansania nach Asien verschifft. Aus dem Coltan-Erz wird dann im chinesischen Perlflussdelta Tantal gewonnen, das per Luftfracht in ein Kondensatorenwerk nach Tschechien gebracht wird. Die fertigen Kondensatoren, die zur Speicherung von elektrischen Ladungen dienen, gehen dann per Flugzeug zurück nach China, in eine Handy-Fabrik in Chongqing. Das Zinnerz gelangt per Schiff nach Kuala Lumpur in Malaysia. In einer Zinnhütte wird daraus Zinn gewonnen. Dieses wird ebenfalls per Schiff ins indische Bangalore in eine Lötzinn-Fabrik gebracht. Lötzinn ist eine Metall-Legierung (durch Zusammenschmelzen entstandenes Gemisch aus Blei, Zinn, Zink, Silber und Kupfer). Die Metall-Legierung dient dazu, die Drahtkontakte elektronischer Bauteile mit den Kupferleiterbahnen fest zu verbinden. Der Lötzinn wird per Flugzeug ebenfalls in die Handy-Fabrik in Chongqing gebracht. Dort werden aus allen angelieferten Komponenten Handys produziert, die dann per Flugzeug in die Verkaufsländer wie Deutschland gebracht werden. Etwa die Hälfte unserer Handys und Smartphones wird in China hergestellt.