Erde - Politische Flüchtlinge

Die Vereinten Nationen

978-3-14-100770-1 | Seite 28 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 90.000.000
Erde | Politische Flüchtlinge | Die Vereinten Nationen | Karte 28/1

Informationen

In der Karte wird ein Komplex aus Bürgerkriegen und internationalen Konflikten, Flüchtlingsströmen und der legalen, registrierten Aufnahme in anderen Ländern dargestellt. Konfliktgebiete, die ab 1990 im Zeichen der staatlichen Restrukturierung ehemals sozialistischer Staaten standen, waren das ehemalige Jugoslawien, die Kaukasusregion (besonders der Tschetschenien-Konflikt oder die Auseinandersetzung um Bergkarabach zwischen Aserbaidschan und Armenien), in deutlich schwächerem Ausmaß auch Mittelasien (Tadschikistan).
In Asien schwelen seit Langem der sogenannte Nahostkonflikt zwischen Israel und den Palästinensern und die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Guerillatruppen der Tamilen in Sri Lanka. Der inzwischen beendete Kampf der "Befreiungstiger" um einen unabhängigen Tamilenstaat war von schweren Menschenrechtsverletzungen (Folter, Mord, Entführungen, Einsatz von Kindersoldaten), zahlreichen Opfern unter der Zivilbevölkerung und der Vertreibung Zehntausender gekennzeichnet. In Südostasien flammten immer wieder regionale Konflikte auf, z. B. in Osttimor, das sich 1999 von Indonesien löste, auf der Insel Mindanao (Philippinen), in Aceh und auf den Molukken (Indonesien). Zu neuen Konfliktherden wurden ab 2001 Afghanistan und der Irak. Dort hatten ausländische Streitkräfte unter Führung der USA im "Krieg gegen den Terrorismus" interveniert.
In Afrika waren bzw. sind vor allem der Sudan, Eritrea, die Demokratische Republik Kongo, Ruanda, Sierra Leone und Liberia Konfliktherde. Die Konflikte im Kongo sind ein Beispiel dafür, dass die Ausbeutung von Rohstoffen ein wesentliches Kriegsmotiv ist, das durch politische Begründungen kaum verschleiert wird. Daran beteiligen sich auch Nachbarländer, z. B. durch militärischen Beistand. Liberia unterstützte Rebellenverbände im Bürgerkrieg im benachbarten Sierra Leone. Von Vertreibungen sind hier Hunderttausende Menschen betroffen.
Verglichen mit Afrika oder Asien erscheint Lateinamerika als ruhiger Kontinent. Innerstaatliche Konflikte, z. B. in Kolumbien zwischen der Regierung und Guerillaorganisationen, werden allerdings mit großer Härte, zahlreichen Menschenrechtsverletzungen und Opfern unter der Zivilbevölkerung ausgetragen.

Flüchtlingsströme
Die Karte zeigt, dass Flüchtlingsströme zunächst überwiegend auf die Nachbarländer gerichtet sind. Diese weisen vor allem in den Regionen, wo Konflikte erst jüngst aufgeflammt sind, hohe Flüchtlingszahlen auf (Balkan, Kaukasus, Irak). Aus Konfliktherden, die seit Längerem schwelen, sind Flüchtlingsströme auch nach Europa gerichtet, wo sich teils stabile Gemeinschaften gebildet haben. Politische Flüchtlinge können hier Asyl und dauerhaften Aufenthalt erhalten.
Zu den Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlingen, etwa im Irak (2008 rund 5 Mio. einschließlich Binnenflüchtlinge) kommen Verfolgte aus Ländern, in denen aktuell kein Konflikt schwelt, wo aber die Verfolgung und Diskriminierung aus politischen, ethnischen oder religiösen Gründen an der Tagesordnung sind. Ein Beispiel dafür ist Tibet.
Weiterhin machen Hunger, eine schlechte Wirtschaftslage und Umweltzerstörung ein Überleben in den betroffenen Regionen immer schwieriger oder nahezu unmöglich. Menschen, die ihr Leben riskieren, um der Perspektivlosigkeit zu entkommen, werden in den Industrienationen oft mit dem Begriff "Wirtschaftsflüchtling" bedacht.
M. Felsch, E. Astor

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