Entwicklungsstand der Staaten — Lebensbedingungen

Erde - Entwicklungsstand

978-3-14-100700-8 | Seite 250 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 140.000.000
Entwicklungsstand der Staaten — Lebensbedingungen |  | Erde - Entwicklungsstand | Karte 250/1

Überblick


Der Human Development Index (HDI) steht für unterschiedliche Aspekte, die den Wohlstands- und Entwicklungsgrad eines Landes widerspiegeln. Dazu gehören das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen, die Lebenserwartung und der Grad der Bildung eines Menschen.
Die Ergebnisse des HDI werden seit 1990 in dem jährlich erscheinenden Human Development Report, dem Weltentwicklungsbericht, veröffentlicht. Der höchste zu erreichende Wert des Index liegt bei 1,1.

Inhalte des Human Development Index
Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten, sollte ein Land mehr als 0,3 Millionen Einwohner haben. Der Human Development Index setzt sich aus drei Komponenten zusammen: >br>1. Die mittlere Lebenserwartung erfasst sowohl den Zugang zu medizinischer Versorgung als auch die Nahrungsmittelversorgung, den Zugang zu sauberem Trinkwasser und den Hygienestand.
2. Das Bildungsniveau wird anhand der Alphabetisierungsrate und Einschulungsrate erfasst. Der Grad der Bildung bestimmt, inwieweit ein Mensch das öffentliche und politische Leben in seinem Land mitbestimmen kann.
3. Der materielle Lebensstandard wird am Bruttonationaleinkommen (BNE) pro Einwohner unter Berücksichtigung der Lebenshaltungskosten gemessen. Er ist sehr umstritten, da er wenig über die oft ungleiche Verteilung innerhalb eines Landes aussagt.

Weltweite Entwicklungsunterschiede
Nur etwa ein Fünftel der Weltbevölkerung (in 63 von 177 Staaten) hat einen HDI über 0,8 und lebt damit unter guten bis sehr guten Lebensbedingungen. Etwa ein Zehntel hat einen HDI von deutlich unter 0,5. Dieser Teil der Weltbevölkerung lebt unter schlechten bis sehr schlechten Bedingungen.
Die Karte zeigt einen starken Entwicklungsunterschied zwischen den Industrieländern und vielen Ländern Afrikas und Asiens. In Afrika zählen nur Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten und die Seychellen zu den gut bis mittelmäßig entwickelten Staaten.
Innerhalb Europas gibt es ein klares West-Ost-Gefälle. Der einst deutliche Nord-Süd-Unterschied in Westeuropa ist hingegen verschwunden.
Lateinamerika lässt ein Süd-Nord-Gefälle erkennen. Daneben gibt es Entwicklungsunterschiede zwischen wirtschaftlich aufstrebenden Staaten wie Costa Rica und Staaten wie Haiti, Guatemala, Nicaragua, Honduras und Bolivien, die z. T. lange von Bürgerkriegen erschüttert wurden.
Auch in Asien gibt es scharfe Gegensätze. Deutlich wird dies etwa am Unterschied zwischen Pakistan, dem Iran und den Emiraten. Gleichzeitig verändert sich Asien sehr schnell, was sich etwa an der Entwicklung Malaysias zeigt.

Norwegen auf Platz 1
Laut dem Human Development Report von 2010 ist Norwegen das am Besten entwickelte Land auf dieser Erde (0,938). Auf dem zweiten Platz liegt Australien (0,937), gefolgt von Neuseeland (0,907). Deutschland liegt auf Platz 10 (0,885) und hat sich damit im Vergleich zum Jahr 2009 um 12 Plätze verbessert. Das am schwächsten entwickelte Land, von dem Daten vorlagen, war im Jahr 2010 das afrikanische Land Simbabwe (0,14).

K. Heyden, J. Seibel

Info Plus

Die Karte zum unterschiedlichen Entwicklungsstand der Länder auf der Erde beruht auf dem vom Weltentwicklungsprogramm (UNDP) der Vereinten Nationen entwickelten Human Development Index (HDI), dem "Index der menschlichen Entwicklung". Der HDI versucht anhand einer Reihe von Faktoren den Lebensstandard in verschiedenen Ländern zu erfassen. Er wird seit 1990 jährlich im Weltentwicklungsbericht (Human Development Report, HDR) veröffentlicht.

Lebensbedingungen weltweit
Nur etwa ein Fünftel der Weltbevölkerung (in 63 von 177 Staaten) hat einen HDI > 0,8 und lebt damit unter guten bis sehr guten Lebensbedingungen. Etwa ein Zehntel hat einen HDI von deutlich unter 0,5. Dieser Teil der Weltbevölkerung lebt unter schlechten bis sehr schlechten Bedingungen. Verglichen mit den Daten von 2002 hat sich die Situation dieser Menschen noch weiter verschlimmert.
Die Karte zeigt ein ausgeprägtes Entwicklungsgefälle zwischen den OECD-Staaten und vielen Staaten Afrikas und Asiens. In Afrika sind nur Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten und die Seychellen zu den Schwellenländern zu zählen. Innerhalb Europas gibt es ein klares West-Ost-Gefälle, der einst deutliche Nord-Süd-Unterschied in Westeuropa ist hingegen verschwunden.
Außer den OECD-Staaten weisen nur einzelne Staaten einen guten Entwicklungsstand auf, darunter Israel, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Argentinien, Uruguay, Chile und Malaysia.
Lateinamerika lässt ein Süd-Nord-Gefälle erkennen, daneben gibt es Entwicklungsunterschiede zwischen wirtschaftlich aufstrebenden Staaten wie Costa Rica und Staaten wie Haiti, Guatemala, Nicaragua, Honduras und Bolivien, die z. T. lange von Bürgerkriegen erschüttert wurden.
Auch Asien zeigt ein heterogenes Bild mit scharfen Gegensätzen auch innerhalb der Teilregionen. Deutlich wird dies etwa in Westasien am Unterschied zwischen Pakistan, dem Iran und den Emiraten. Auffällig im Kartenbild sind die grau gefärbten Territorien von Grönland, Liberia Nordkorea, Irak und Afghanistan, zu deren Entwicklungsstand keine Angaben vorliegen. Asien ist zugleich der Kontinent mit der größten Veränderungsdynamik, was sich etwa an der Entwicklung Malaysias zeigt.

Die Berechnung des Human Development Index
Durch den Human Development Index sollen die Lebensbedingungen in einem Land erfasst und international vergleichbar gemacht werden. Er setzt sich aus drei Komponenten zusammen, die unterschiedliche Bereiche des wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsstandes erfassen:
1. Die mittlere Lebenserwartung erfasst zum einen den Stand der Gesundheitsfürsorge und den Zugang zu einer medizinischen Versorgung — etwa über Sozialversicherungsschutz oder kostenlos bereitgestellte Leistungen —, zum anderen aber auch die Ernährungssituation in Hinblick auf Nahrungsmittelversorgung und Zugang zu sauberem Trinkwasser, die Hygienebedingungen und soziale Faktoren wie die Absicherung im Alter.
2. Das Bildungsniveau wird durch die Einzelindikatoren Alphabetisierungsrate und Einschulungsrate erfasst. Das Bildungsniveau steht, ebenso wie das Einkommen, für erworbene Kenntnisse und die Teilhabe am öffentlichen und politischen Leben. Überdies lässt es gewisse Rückschlüsse auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau und die Sicherung von Kinderrechten zu.
3. Der materielle Lebensstandard, gemessen am Bruttonationaleinkommen (BNE) pro Einwohner unter Berücksichtigung der jeweiligen Lebenshaltungskosten, gibt den Stand der wirtschaftlichen Entwicklung wieder. Dies ist der problematischste und umstrittenste Einzelindikator, denn der Durchschnittswert sagt wenig über die oft sehr ungleiche Verteilung innerhalb der Bevölkerung eines Landes aus. Durch das BNE wird eher das Ausmaß wirtschaftlicher Aktivitäten und der Zufluss von Einkommen vergleichbar gemacht als die reale Einkommenssituation. Diese wird beispielsweise auch durch den nicht erfassten informellen Sektor oder die Subsistenzwirtschaft beeinflusst. Zudem bestehen durch die schwierige Vergleichbarkeit von Preisen Abstriche beim Aussagewert im weltweiten Vergleich, die hier aber durch die Berücksichtigung der Inlandspreise und die Anwendung des Logarithmus bei der Berechnung dieses Teilindizes gemildert sind. Trotz seines eingeschränkten Aussagewerts wurde das BNE, nicht zuletzt mangels einer Alternative, dennoch zur Erfassung des materiellen Lebensstandards in den HDI aufgenommen.
K. Heyden

Graphiken

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Ursachen und Strategien zur Entwicklung

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Kenia: regionale Unterschiede im HDI

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Messung von Enwicklungsunterschieden mit Indexzahlen

Der HDI (Human Development Index), eine Methode, nach der die Vereinten Nationen seit Beginn der neunziger Jahre den Entwicklungsstand der Länder berechnen.
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Die Verteilung des Einkommens

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Langfristige Entwicklung von wirtschaftlichem Wachstum und menschlicher Entwicklung

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Entwicklung der Unterschiede zwischen Arm und Reich

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Verstädterung und Bevölkerungszunahme in Entwicklungsländern

Verstädterung ist die Ausdehnung oder Vergrößerung der Städte eines Raumes nach Zahl, Fläche und Einwohnern, sowohl absolut als auch im Verhältnis zu den nicht-städtischen Siedlungen und zur ländlichen Bevölkerung.
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Verstädterung und Bevölkerungszunahme in Industrieländern

Verstädterung ist die Ausdehnung oder Vergrößerung der Städte eines Raumes nach Zahl, Fläche und Einwohnern, sowohl absolut als auch im Verhältnis zu den nicht-städtischen Siedlungen und zur ländlichen Bevölkerung.
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WTO

Die Welthandelsorganisation (WTO) ist eine UNO-Organisation, die für die Globalisierung wichtige Weichenstellt. Ihr Ziel ist es, verbindliche Regeln für den globalen Handel aufzustellen.
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Beschäftigtenentwicklung nach Sektoren in Entwicklungsländern

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Google Maps

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