Energie

Euregio Tirol-Südtirol-Trentino – Energie/Wirtschaft

978-3-14-100782-4 | Seite 20 | Abb. 1
Energie |  | Euregio Tirol-Südtirol-Trentino – Energie/Wirtschaft | Karte 20/1

Informationen


Die Karte stellt die für die Energieversorgung der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino wichtigen Kraftwerke und das überregionale Strom-Verbundnetz dar. Die Signaturen für die Kraftwerke unterscheiden sich hinsichtlich der Art der Energiegewinnung und der Größe der Kraftwerksleistung in Megawatt. Auf den ersten Blick wird die große Bedeutung der Wasserkraftwerke für die Alpenregion ersichtlich. Wichtige 380-kV-Stromleitungen in der Region verlaufen vom Umspannwerk Westtirol nach Leupolz im Allgäu und durch das Inntal nach Pradella in der Schweiz sowie zwischen Zell am Ziller, Tauern und Lienz.
Wasser erzeugt viel Energie
In der gesamten Region erzeugen lediglich zwei konventionelle Wärmekraftwerke auf der Basis von fossilen Brennstoffe Strom, in Bozen und in Bruneck. Durch die zentrale Lage im Alpenbogen, das Relief und das hohe Wasserangebot wird in den gesamten Alpen die natürliche Ressource Wasser energetisch genutzt. Dadurch entsteht ein großer Standortvorteil für die Produktion von Strom.
Im europäischen Raum dominiert lediglich noch in Skandinavien die Wasserkraft in der Stromversorgung. Allein in Südtirol gibt es derzeit 30 Wasserkraftwerke mit einer installierten Leistung von mehr 3 MW. Neben diesen Großkraftwerken arbeiten in Südtirol noch 784 Kleinkraftwerke. Der Anteil an der in der Provinz durch Wasserkraft erzeugten Energie liegt bei knapp 77 %. Fast die gesamte, im Land selbst produzierte Energie stammt aus erneuerbaren Energiequellen. Im Bundesland Tirol betreibt die Tiroler Wasserkraft (TIWAG) acht große Wasserkraftwerke: die Speicherkraftwerke Kaunertal und Achensee, die Pumpspeicherkraftwerke Silz und Kühtai und die Laufkraftwerke Imst, Langkampfen und Kirchbichl sowie Amlach in Osttirol. Die acht Wasserkraftwerke im Zillertal werden von der Verbund AG betrieben. In der Zukunft ist im gesamten Alpenraum allerdings nur noch ein moderater Ausbau der Wasserkraft möglich, die Ressource gilt als ausgeschöpft.

Unterschiedliche Wasserkraftwerke
Laufwasserkraftwerke befinden sich in wasser- und strömungsreichen Fließgewässern mit starkem natürlichen oder künstlichen Gefälle. Das fließende Wasser treibt eine Turbine an, deren Bewegung Energie erzeugt, die an einen Generator weitergeleitet wird. Laufwasserkraftwerke sind im Gegensatz zu Speicherkraftwerken ständig in Betrieb und können die erzeugte Energie nicht speichern. Speicherkraftwerke nutzen Stauseen, die nur von natürlichen Wasserzuflüssen gespeist werden, als Energiespeicher. Über Druckstollen oder Druckrohrleitungen wird das Wasser ins Kraftwerk geleitet. Pumpspeicherkraftwerke können Wasser aus niedriger gelegenen Stauseen durch Pumpen in höher gelegene Speicherseen befördern und lassen je nach Strombedarf das Wasser wieder bergab fließen. Dabei wird mithilfe von Turbinen und Generatoren elektrischer Strom erzeugt, der ins Stromnetz abgegeben wird. Pumpturbinen sind Strömungsmaschinen, die je nach Drehrichtung sowohl als Pumpe als auch als Turbine arbeiten können. Die Möglichkeit, einerseits Energie aufzunehmen, andererseits wieder abzugeben, machen Pumpspeicherwerke sehr flexibel.

Weitere erneuerbare Energien
In Südtirol arbeiteten 2012 auch 71 Biomassefernheizwerke, die meisten verwenden Holz und dessen Derivate. Mehr als 20 % der im Land erzeugten Energie stammt aus solchen Biomassekraftwerken. Unter dem energetisch nutzbaren Biomassepotenzial aus Holz versteht man vor allem die Energiemenge, die durch das Verbrennen von Stückholz, Hackschnitzeln und Pellets erzeugt werden kann. Große Biomassekraftwerke arbeiten in Bruneck (Stadtwerke), Toblach und Pfitsch im Wipptal. Weitere erneuerbare Energieträger wie Sonne, Wind oder Geothermie spielen bislang noch eine untergeordnete Rolle.

Windpark Brenner am Sattelberg
Der 2115 m hohe Sattelberg liegt an der Grenze zwischen Nord- und Südtirol auf dem Hauptkamm der Stubaier Alpen. Auf Südtiroler Seite wollen der Strombetreiber Etschwerke AG und der Windkraftanlagenhersteller Leitwind sowie kleinere lokale Stromversorger einen Windpark mit 19 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 38 MW einrichten. Der Windpark Brenner soll bei einer geplanten Jahresproduktion von 86 Mio. kWh 32 000 Haushalte mit Strom versorgen. Wie Untersuchungen des Meteorologischen Instituts der Universität Innsbruck ergeben haben, ist die kahle Kuppe des Sattelbergs einer der besten Standorte für einen Windpark in Europa. Wie alle Windparkprojekte ist auch dieser umstritten. Alpenvereine, die österreichische Gemeinde Gries am Brenner und der WWF Italia haben Beschwerde eingelegt. Touristiker befürchten eine Verschandelung der Landschaft, Tierschützer Beeinträchtigungen für die Vogelwelt.

Stromverbrauch in Südtirol
Die unter der Karte stehende Grafik zeigt den Stromverbrauch in Südtirol in den Jahren 2008 bis 2011, der stetig angestiegen ist. Für 2012 und 2013 konnte der Verbrauch im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich, dem Hauptverbraucher, leicht gesenkt werden. Gestiegen ist er trotz energetischer Baumaßnahmen bei den privaten Haushalten. Der Anteil aller erneuerbaren Energiequellen am gesamten Energieverbrauch – Strom sowie Verbrauch für Heizung und Treibstoffe – betrug 2010 etwa 40 %. 2020 sollen es nach der Klimastrategie „Energie-Südtirol 2050“ schon 75 % und 2050 sogar über 90 % sein.

Ellen Astor