El Fasher (Sudan) - Desertifikation

Afrika - Landwirtschaft/Desertifikation

978-3-14-100700-8 | Seite 135 | Abb. 5 | Maßstab 1 : 1.500.000
El Fasher (Sudan) | Desertifikation | Afrika - Landwirtschaft/Desertifikation | Karte 135/5

Überblick


El Fasher ist die Hauptstadt des sudanesischen Bundesstaates Nord-Darfur und liegt in der Sahelzone. Das Gebiet um die Stadt ist von einer starken Wüstenbildung bzw. Desertifikation betroffen. Dafür gibt es verschiedene Ursachen.

Übernutzung durch Sesshaftigkeit
Die übermäßige Landnutzung im Gebiet bei El Fasher ist einer der Gründe für eine Verarmung der Böden (Degradation). Bei einer Überweidung, Übernutzung oder starken Abholzung können die Böden sich nicht mehr aus eigener Kraft erneuern. Das Phänomen der Desertifikation setzt ein.
Ein großer Teil der ursprünglich nomadischen Bevölkerung in diesem Gebiet ist inzwischen sesshaft. Daran haben politische Entscheidungen einen Anteil. Die Nomaden dürfen mit ihren Herden die Landesgrenzen nicht mehr überqueren. Folglich haben die Menschen zahlreiche neue Siedlungen errichtet und Brunnen angelegt. Zum Kochen benötigen sie Brennholz. Auf diese Weise werden die Böden abgeholzt. Zudem benötigen sie Weideplätze für ihr Vieh.
Für die Desertifikation ist somit in erster Linie der Mobilitätsverlust der Bevölkerung verantwortlich. Bei der einstigen nomadischen Nutzung war die Bevölkerung noch relativ gleichmäßig über das gesamte Gebiet verteilt, was einen wesentlich geringeren Eingriff in das Ökosystem bedeutete.

Dürre und Desertifikation
Das Klima in der Region bei El Fasher ist arid bis semiarid geprägt. Die Jahresniederschläge liegen zwischen 200 Millimetern im Nordosten und 900 Millimetern in der Gipfelregion des 3 088 Meter hohen Jabal Marra im Südwesten.
Bei El Fasher wird überwiegend Regenfeldbau betrieben. Hirse ist dabei die bevorzugte Kulturpflanze. Insgesamt fallen in diesem Bereich durchschnittlich rund 250 Millimeter Niederschlag im Jahr. Der Anbau von Hirse ist nur durch die starke Konzentration der Niederschläge in den Monaten Juli und August möglich. Dann fallen rund 80 Prozent des Niederschlags. Immer wieder auftretende Dürrephasen machen den Anbau jedoch risikoreich.

Der Darfur-Konflikt
Als sich die Jahresniederschläge zwischen den Jahren 2000 und 2004 von über 300 Millimetern auf nur 120 Millimeter verringertem, kam es zur dritten Hungerkatastrophe innerhalb von knapp 30 Jahren. Die sesshaften schwarzafrikanischen Stämme waren stark von dieser Katastrophe betroffen.
Die arabisch-dominierte Regierung in Khartum unterstützte die arabischen Stämme gegenüber den afrikanischen Völkern unter anderem mit Waffen. Dadurch kam es 2003 zum Ausbruch eines Bürgerkrieges, der mehr als 200 000 Afrikaner das Leben kostete und rund 2,5 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieb.
Durch den bewaffneten Konflikt kam es zu großräumigen Umweltzerstörungen. Mehr als 1 000 Dörfer wurden ganz oder teilweise zerstört. Die Errichtung von Flüchtlingslagern für zehntausende Vertriebene führte gleichzeitig zur Übernutzung und Zerstörung des Ökosystems.

F. Ibrahim, J. Seibel

Info Plus

Das Gebiet um El Fasher in der sudanesischen Krisenregion Darfur liefert ein anschauliches Beispiel für einen stark von der Desertifikation betroffenen Raum in der Sahelzone.

Übernutzung durch Sesshaftigkeit
Die Karte von El Fasher zeigt unter anderem die Landnutzung und die ökologischen Degradationsprozesse vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges in Darfur im Jahr 2003. Die Kampfhandlungen führten zu gewaltigen Umwälzungen in der Verteilung der Bevölkerung und den wirtschaftlichen Tätigkeiten. Die ökologischen Auswirkungen können noch nicht vollständig übersehen und erfasst werden.
Die natürlichen Voraussetzungen der zur Sahara-Randzone gehörigen Region El Fasher sind sehr begrenzt. Bei einer Überstrapazierung der natürlichen Ressourcen durch eine nicht angepasste Landnutzung erschöpft sich die Regenerationskraft der Böden so rasch, dass diese zerstört werden und das Phänomen der Desertifikation einsetzt. Obwohl im Gebiet von El Fasher eine traditionelle Landnutzung vorherrscht, kam es durch die starke Konzentration der Bevölkerung und des Viehbestandes dort zu Übernutzungsschäden. Die Überstockung betrug zeitweilig bis zu 200 Prozent. Durch die zunehmende Sesshaftigkeit der ursprünglich nomadischen Bevölkerung wurden zahlreiche neue Siedlungen und Wasserstellen errichtet, in deren Umkreis das Ausmaß der Überweidungsschäden und der Schäden durch Überkultivierung der leichten Sandböden besonders hoch ist. Für die um sich greifende Desertifikation ist somit in erster Linie der Mobilitätsverlust der Bevölkerung verantwortlich. Bei der einstigen nomadischen Nutzung war die Bevölkerung noch relativ gleichmäßig über das gesamte Gebiet verteilt, was einen wesentlich geringeren Eingriff in das Ökosystem bedeutete.

Dürre und Desertifikation
Auch die Zusammenhänge zwischen Dürre und Desertifikation lassen sich am Beispiel der Region El Fasher gut aufzeigen. Bei dem hier herrschenden ariden bis semiariden Klima mit Jahresniederschlägen zwischen 200 Millimetern im Nordosten und 900 Millimetern in der Gipfelregion des 3088 Meter hohen Djebel Marra im Südwesten sind die Niederschläge durch hohe Saisonalität (Sommer), hohe Variabilität (30 Prozent mittlere Abweichung vom Jahresmittel) und starke Intensität (wolkenbruchartig) geprägt. Ermöglicht wird der Hirseanbau bei 250 mm Jahresniederschlag einzig und allein durch die starke Konzentration der Niederschläge in den Monaten Juli und August, in denen rund 80 Prozent des Gesamtregens niedergehen. Immer wieder auftretende Dürrephasen machen den Anbau jedoch risikoreich; in Trockenjahren fällt die Ernte aus.

Der Darfur-Konflikt
Als sich die Jahresniederschläge zwischen 2000 und 2004 von über 300 Millimetern auf nur noch 120 Millimeter verringertem, kam es zur dritten Hungerkatastrophe innerhalb von nur knapp drei Dekaden. Die sesshaften afrikanischen Ethnien waren von dieser Katastrophe stärker betroffen als die arabischen Nomaden, die vielfach die Gelegenheit nutzten, um Stammesland der Afrikaner zu okkupieren. Die arabisch-dominierte Regierung in Khartum unterstützte die arabischen Stämme gegenüber den bereits seit langem marginalisierten afrikanischen Ethnien unter anderem mit Waffen. Dadurch kam es 2003 zum Ausbruch eines Bürgerkrieges, in dem mehr als 200 000 Afrikaner getötet und weitere 2,5 Mio. Menschen aus ihrer Heimat vertrieben wurden.
Durch den bewaffneten Konflikt kam es zu großräumigen Umweltzerstörungen. Mehr als 1000 Dörfer wurden zerstört. Weite Gebiete wurden dadurch entvölkert, in anderen Regionen wurde das Ökosystem durch die Errichtung von Flüchtlingslagern für mehrere Zehntausende Vertriebene schwer belastet. Im Gebiet des Jebel Marra kam es zu heftiger Bodenerosion, weil die einst von den Fur-Bauern (Darfur = arab. "Land der Fur") gepflegten Hangterrassen verfielen. Allerdings kam es infolge der gewaltsamen Vertreibung vieler Darfuris und der Tötung ihrer Herden in den verlassenen Gebieten auch zu einer Regeneration der Vegetation und des Wildbestandes.
F. Ibrahim

Graphiken

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Ursachen und Folgen der Desertifikation

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Desertifikationsgefährdete Gebiete weltweit

Desertifikation meint die Verwüstung von Landflächen durch die Übernutzung oder Überschreitung der Tragfähigkeit
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Bodenfruchtbarkeit in Abhängigkeit von Brache- und Anbauzeit beim Wanderfeldbau

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Mögliche Entwicklung der Tragfähigkeit im Sahel

Tragfähigkeit bedeutet im Allgemeinen, das Fassungsvermögen eines Lebensraumes für Organismen einer Art oder für eine Lebensgemeinschaft.
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Menschen in Darfur

Foto: F. Ibrahim, Wunstorf
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Anbau im Wadi

Foto: F. Ibrahim, Wunstorf
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El Fashers Holzbedarf

Foto: F. Ibrahim, Wunstorf
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Erfolgreicher Baumschutz in einem Dorf bei El Fasher

Foto: F. Ibrahim, Wunstorf
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Anbau jenseits der agronomischen Trockengrenze (bei El-Fasher)

Foto: F. Ibrahim, Wunstorf
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