El Ejido (Almería) - Treibhausanbau

Europa - Spanien - Landwirtschaft
978-3-14-100800-5 | Seite 133 | Abb. 3| Maßstab 1 : 200000

Überblick

Das Anbaugebiet Campo de Dalías liegt im Westen der Provinz Almería nahe der Stadt El Ejido (Andalusien) und hat sich zu einem Gemüse- und Obstanbauzentrum entwickelt. Es reicht im Süden bis zum Mittelmeer und im Norden bis zur Gebirgskette der Sierra de Gádor (höchste Erhebung: 2236 Meter). Das Klima ist semiarid mit Niederschlägen von durchschnittlich 150 Millimetern im südöstlichen Küstenbereich und maximal 600 Millimetern in den nordwestlichen Gebirgszügen.

Aufschwung im Campo de Dalias

In den vergangenen 30 Jahren hat sich aus dieser einst wenig fruchtbaren Einöde die weltweit größte bewässerte Anbaufläche unter Plastikplanen für Paprika, Tomaten, Auberginen, Bohnen, Gurken, Zucchini, Melonen und Zierpflanzen entwickelt. Noch in den 1960er- und 1970er-Jahren war die bäuerlich geprägte Gegend stark verarmt. Heute ist sie eine der reichsten Regionen Spaniens. Sogar aus dem Weltall ist das 360 Quadratkilometer große Meer aus Gewächshäusern sichtbar. Bewirtschaftet werden die Flächen sowohl von großen internationalen Agrobusinessunternehmen als auch von Klein- und Mittelbauern, die ihre ehemals im Trockenfeldbau betriebenen Wein- und Ölbaumhaine in lukrative bewässerte Kulturen umgewandelt haben.

Eine Voraussetzung für den enormen Aufschwung dieses Landstrichs waren seine äußerst günstigen klimatischen Bedingungen und die Wasservorräte. In der Küstenniederung Campo de Dalías kann bei rund 3000 Sonnenstunden und einer Durchschnittstemperatur von 27 °C im Sommer und 15 °C im Winter Obst und Gemüse in den Gewächshäusern zu Zeiten geerntet werden, in denen in Mitteleuropa gerade einmal die Saat ausgebracht wird. Dass die Produkte auf den Märkten mit hohen Verkaufspreisen gehandelt werden können, macht den Anbau in den „Invernaderos“ äußerst lohnend. In Campo de Dalías werden inzwischen pro Jahr etwa 3 Mio. Tonnen Obst und Gemüse produziert. El Ejido, vor 30 Jahren noch ein Dorf, hat sich mit seinen inzwischen rund 83 000 Einwohnern zu einem agrarindustriellen Zentrum europäischen Rangs entwickelt. 70 Prozent der Produkte sind für den Export bestimmt. Deutschland ist der größte Abnehmer, weitere Ausfuhrländer sind unter anderem Frankreich, Großbritannien, die Benelux-Länder und Italien, aber auch Russland, Kanada und die USA.

Umweltbelastung durch Sonderkulturen

Auf der Kehrseite stehen die hohen Umweltbelastungen. Für die Wasserversorgung in Campo de Dalías werden heute fossile Wasservorräte aus 100 Metern Tiefe gefördert. Auch aus den nördlich gelegenen Bergen wird Wasser aus dem Stausee Benínar in die Anbaugebiete geleitet. Das Wasserdefizit in der Versorgung beträgt rund 50 Mio. Kubikmeter pro Jahr. Um die Grundwasserreserven nicht weiter zu belasten, wird heute Bewässerungswasser aufgefangen, recycelt und wiederverwertet. Auch gereinigtes Abwasser und entsalztes Meerwasser sollen den Grundwasserverbrauch reduzieren.

Sonderkulturen benötigen eine intensive Düngung und haben einen hohen Bedarf an Agrarchemikalien. Der Eintrag von Pflanzenschutzmitteln in die Böden und die Auswaschung ins Grundwasser führen zunehmend zu einer Beeinträchtigung der Grundwasserqualität. Der Anbau in Monokulturen sowie die heiß-feuchten klimatischen Bedingungen in den Gewächshäusern begünstigen den Schädlings- und Pilzbefall.

Die Auswaschung von Düngemitteln zeigt sich in hohen Nitratbelastungen im Grundwasser. In den drei hydrologischen Einheiten des Campo de Dalías – Balerma-Las Marinas, Balanegra und Aguadulce – wurden Werte ermittelt, die mit über 100 mg/l Nitrat deutlich über dem zulässigen EU-Grenzwert von 50 mg/l für Trinkwasser liegen.

Die Provinz Almería ist eine der trockensten Gegenden Europas. Der hohe Wasserverbrauch in der Landwirtschaft beeinflusst auch die Wasserreserven. Das Grundwasser ist in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen und versalzt zudem. Der südliche Bereich des Grundwasserspeichers (Aquifers) Campo de Dalías wird seit 1995 offiziell als „übernutzt“ bezeichnet. Dort ist der Wasserverbrauch höher als die Fähigkeit des Grundwassers, sich zu erneuern.

Soziale Folgen des Intensivanbaus

Abgesehen von den Auswirkungen auf die Umwelt haben die Entwicklungen in der Landwirtschaft soziale Konflikte geschürt. Der Arbeitskräftebedarf in den Gewächshäusern ist groß. Allein im Gebiet um El Ejido werden etwa 80 000 Arbeitskräfte benötigt.

Die Ausbeutung von Immigrantinnen und Immigranten, die als billige und weitgehend rechtlose Hilfskräfte unter harten Lebensbedingungen arbeiten müssen, ist groß. Vielen der außereuropäischen Zuwanderer fehlt die Aufenthaltsgenehmigung, doch in den Intensivanbauregionen Spaniens werden die Illegalen von offizieller Seite halbwegs geduldet. Sie arbeiten meist als moderne Tagelöhner ohne Arbeitsvertrag, die Stundenlöhne liegen weit unter dem Mindestlohn, die Lebens- und Arbeitsbedingungen sind katastrophal. Viele Einwanderer ohne Aufenthaltsgenehmigung leben irgendwo im oder am Rande des „Plastikmeers“ in Elendsbehausungen aus zusammengezimmerten Paletten

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