Dubai - Ausbau zur Tourismusmetropole

Golfstaaten

978-3-14-100700-8 | Seite 163 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 250.000
Dubai | Ausbau zur Tourismusmetropole | Golfstaaten | Karte 163/3

Informationen

In Dubai, der Hauptstadt des gleichnamigen Emirats, liegen Hochhäuser wie eine Fata Morgana am unwirtlichen Wüstenrand, schaffen Bagger im flachen Schelf der Arabischen Golfseite surrealistische aquatische Wohnlandschaften. Angesichts dieser künstlichen Wasserwelten drängt sich die Frage auf, ob die gigantischen Bauprojekte, die derzeit in der Stadt am Persischen Golf realisiert werden, ökonomisch und ökologisch dauerhaft und sinnvoll sind, oder ob sie nur dem überbordenden, aber kurzlebigen Reichtum eines Erdölstaates entspringen, in dem derzeit nichts unmöglich erscheint.

Lage und Geschichte
Das Emirat Dubai ist ein Kleinstaat von rund 4000 km² Fläche, etwa einem Zehntel der Fläche Nordrhein-Westfalens oder Baden-Württembergs. Das Territorium besteht aus einem etwa 50 Kilometer langen Küstenstreifen beiderseits des Meerwassereinlasses "Dubai Creek" (arab.: khur dubai). Richtung Osten führt eine Straße 65 Kilometer durch das wüstenhafte Hinterland zur Ostgrenze, und weiter zur 110 Kilometer entfernten Exklave Hatta, einer einst malerischen, inzwischen durch Hotelbauten und Wüstenerlebnistourismus stark überprägten Oase im Omanischen Gebirge.
Trotz der geringen Größe und einer Einwohnerzahl von nur 1,2 Mio. Menschen — die überdies zu rund 80 Prozent Ausländer sind — ist Dubai ein souveräner Staat. Er wird seit seiner Gründung um 1830 von den Stammesführern (Emiren) aus der Familie Al Maktoum regiert, 1835 geriet er unter britischen Schutz. Mit dem Rückzug der Briten schlossen sich 1971 die sieben Kleinstaaten am unteren Golf zu den "Vereinigten Arabischen Emiraten" zusammen. Die staatlichen Organe finanziert zu 90 Prozent das Emirat Abu Dhabi, das auch zahlreiche Entwicklungsprojekte in den ärmeren Emiraten unterstützt. In ihrer Innen- und Wirtschaftspolitik sind die Mitglieder der Föderation autonom.
Dadurch konnte Dubai — schon immer eine wirtschaftliche Drehscheibe des Staatenbundes neben Abu Dhabi — ab Anfang der 1980er-Jahre ein beispielloses Umgestaltungs- und Ausbauprogramm angehen. Als Kontrapunkt zum Creek mit den historischen Siedlungskernen Deira ("Dorf"), Shindaga (dem historischen Sitz des Emirs) und Bur Dubai ("Hafen") entstand im Südwesten der Hafen von Jebel Ali mit den zollfreien Gewerbeflächen der Jebel Ali Free Zone.

Künstliche Lagunenstädte
Von dem sich derzeit vollständig im Umbruch befindlichen Quartier Al Sufouh führt der Damm zu "The Palm Jumeirah", der ersten künstlichen Lagunenstadt im Persischen Golf, die von den Investoren als "achtes Weltwunder" gepriesen wird. Das futuristische Bauprojekt vor der Küste hat die Form einer Palme, von der allein der Stamm eine Länge von fünf Kilometern hat. Die hochwertigen Villen und Ferienhäuser auf der Insel sind in ihrer Gestaltung thematischen Bereichen zugeordnet. Alle Wohneinheiten sind bereits verkauft, die ersten waren Ende 2006 bezugsfertig.
Südlich schließt sich die künstliche Lagune von Mina Siyahi, der "Touristenhafen", mit Hotels internationaler Luxusketten wie Le Meridien, Ritz-Carlton, Hilton und Sheraton an. Hier finden sich auch Dienstleistungszentren wie Knowledge Village, Dubai Internet City, die Filmstudios von Dubai Media City und die American University in Dubai.
Da der Platz an der Küste knapp wird — der historische Hafen Port Rashid muss zunehmend der Dubai Maritime City mit Büros, Ausstellungen und Veranstaltungshallen weichen — suchen die Projektentwickler neue Standorte im Wasser. Deshalb sind weitere künstliche Villengebiete im Wasser in Planung oder im Bau. Bereits begonnen wurden die ebenfalls palmenförmigen Anlagen "The Palm Jebel Ali" und "The Palm Deira" — letztere, die größte von ihnen, soll einmal Wohnraum für eine halbe Millionen Menschen stellen — sowie die künstliche Inselgruppe "The World", die nur per Schiff oder Hubschrauber zu erreichen und der Form der Kontinente nachempfunden ist. Noch im Planungsstadium befindet sich die Inselanlage "Dubai Waterfront", die nach ihrer Fertigstellung "The Palm Jebel Ali" halbmondartig in mehreren Reihen umschließen soll. Dieses milliardenschwere Bauprojekt der Superlativen soll dereinst, wenn es denn realisiert wird, den höchsten Wolkenkratzer weltweit und zehn luxuriöse Wohnviertel für annähernd 750 000 Menschen beherbergen.
Für die in- und ausländische Mittelschicht sind Flächen und Projekte östlich der Sheikh Zayed Road ausgewiesen. Die etwa 900 000 südasiatischen Gastarbeiter, die die Wirtschaft des Landes aufrechterhalten, wohnen in einfachen Häusern von Al Quoz oder in den mehrstöckigen Unterkünften südlich und östlich des heutigen Flughafens.
K. Schliephake

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Dubais Schattenseite

Dubai, Stadt der Superlative. Die Hochhäuser wachsen hier im Zeitraffer. Auch wenn krisenbedingt vereinzelt Kräne still stehen, wird hier fast jede Woche ein neues gigantisches Bauprojekt angekündigt. Bislang gibt es allerdings kaum Untersuchungen darüber, ob das rapide Wachstum auch gesund ist. Gebaut wird, was Prestige bringt. Nachhaltigkeit ist dabei allerdings ein Fremdwort.
Der Ökonom und Arabienkenner Eckard Woertz erforscht seit Jahren die Entwicklung Dubais. Er arbeitet am Gulf Research Center. Eines der wenigen wissenschaftlichen Institute, das politisch unabhängig ist.
O-Ton Eckart Woertz, Ökonom: "Wir sind auf ewiges Wachstum angelegt, dass ist nun keine Spezialität von Dubai, natürlich hat man hier als historischer Nachzügler und aufgrund der Tatsache, dass das Öl von Dubai ja massiv zurück gegangen ist, hat man schon einen massiven Druck verspürt, etwas anderes zu schaffen, möglichst schnell und die Bedingungen waren ja auch günstig. Man hatte die massiv hohen Ölpreise der letzten Jahre und gleichzeitig auch historisch günstige Zinsen an den internationalen Kapitalmärkten und da ist dann schon einen Entwicklung in Gang gekommen, wo man leicht mal übertriebenes Zutrauen fassen konnte."
Das Resultat: Immer mehr, immer neue Bauprojekte wurden aus dem Boden gestampft. Mehr als eine halbe Million Gastarbeiter schuften auf den Baustellen der Stadt für einen Hungerlohn. Gewerkschaften sind verboten. Und nicht überall wird auf die Sicherheit der Arbeiter geachtet. Dies ist die Schattenseite der Glitzerwelt. Aber so macht man Profit. Die Marke Dubai ist zum lukrativen Spielball weltweiter Investoren geworden.
O-Ton Eckart Woertz, Ökonom: "Wo das dann langsam anfing zu steigen hat das natürlich noch mehr Leute addrahiert und häufig war das sehr spekulativ im Rahmen der sogenannten Quick Flip Off Plant Sales, also man hat quasi ein Projekt gekauft, sie kaufen quasi nur die Blaupause, machen eine Anzahlung und bevor der Grundstein überhaupt gelegt ist, konnten sie es mit Gewinn wieder weiter verkaufen."
Aber nicht nur die Zukunft ist eine Blaupause, auch die Gegenwart kann oft nicht mit dem rapiden Wachstum mithalten und so kommt es manchmal zu grotesken Verhältnissen. Diese Tankfahrzeuge transportieren die Fäkalien Dubais. Denn in vielen Teilen der Stadt gibt es keine Kanalisation. Stattdessen werden die Abwässer in Sickergruben gesammelt, abgepumpt und per LKW zu Kläranlagen transportiert.Die wahrscheinlich längste Tankfahrzeugschlange der Welt.
O-Ton Eckart Woertz, Ökonom: "Die vereinigten Arabischen Emirate haben nach Erhebungen des World Wide Life Fonds den größten ökologischen Fußabdruck der Welt. Ja, also hier werden am meisten Ressourcen verbraucht, pro Kopf der Bevölkerung."
Die meisten Fahrer müssen oft stundenlang in der Hitze warten, bevor sie an der Reihe sind, die Fäkalien ihrer Ladung zu entsorgen. Sie werden pro Fuhre bezahlt, nicht pro Stunde, und niemand weiß, ob alle Fuhren die völlig überlastete Kläranlage am Rande der Stadt wirklich erreichen.Das ist die andere Seite Dubais, jenseits der Glitzerwelt. Die Stadt der Superlative wird noch beweisen müssen, ob das Modell des rapiden Wachstums auf Dauer bezahlbar, sowie ökologisch und sozial vertretbar bleibt.
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Animation

Verstädterung in Dubai 2000-2011

Die Stadtentwicklung von Dubai folgt einem rasanten Tempo. Erkennbar wird dies an den Satellitenbildern. Sie zeigen den zentralen Teil Dubais zwischen der Jumeirah-Palme und der geplanten Deira-Palme in den Jahren 2000 und 2011. Mit dem Schieberegler kann der direkte Vergleich erfolgen.
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